Kaufbeuren

Ein Konzept für die neue Oberstadt

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Bild: 3+Architekten Glogger

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Wohnbebauung Pläne für den Afraberg über dem historischen Zentrum nun weiterentwickelt. Bei einer Infoveranstaltung zeigt sich viel Zustimmung und vereinzelt Sorge um das Ortsbild
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Von Alexander Vucko
30.05.2019 | Stand: 15:55 Uhr

Glaubt man den Vertretern der Stadt, dem Investor und den Planern, handelt es sich um nichts Geringeres als ein Jahrhundertprojekt. 350 Wohneinheiten für bis zu 900 Menschen und parkähnliche Flächen möchte der Münchner Investor Florian Biasi von der Panntum-Unternehmensgruppe auf dem alten Brauereigelände am Afraberg verwirklichen. Hinzu kommen neue Nutzungen für die historische Zeppelinhalle, den Hauberisserbau und die Gießerei. Der künftigen „Oberstadt“, wie Kaufbeurens Baureferent Helge Carl das geplante Wohnquartier nennt, komme auch als Bindeglied zwischen Zentrum und Fliegerhorst enorme städtebauliche Bedeutung zu. Bei einer Bürgerinformationsveranstaltung im Haus St. Martin präsentierten die Verantwortlichen nun die Weiterentwicklung des Konzeptes. Es sind die Ergebnisse einer Reihe von Workshops, in die auch der Gestaltungsbeirat der Stadt eingebunden war.

Wer sich konkrete Pläne für das 3,5 Hektar große Areal erhofft hatte, muss sich aber noch gedulden. Denn dafür sei es viel zu früh, sagte Architekt Thomas Glogger vor 150 Besuchern. Derzeit gehe es noch um städtebauliche Belange, das heißt grundsätzliche Überlegungen zu Nutzungen, Erschließungen, Konflikten und Gestaltungsfragen. Im Mittelpunkt stünden neben den Neubauten mit Tiefgaragen die denkmalgeschützten Gebäude, deren Innenleben und Außengelände neu gestaltet werden sollen. Für die „Zep“ können sich die Planer Gewerbe, kleinteiligen Handel und Wohnen vorstellen. Der Bereich davor soll als eine Art Terrasse mit Gastronomie und Blick auf die Altstadt gestalterisch aufgewertet werden. Für die Gießerei ganz im Süden gibt es Überlegungen, dort neben Wohnungen eine Kindertagesstätte, betreute Wohnmöglichkeit oder Sozialstation unterzubringen.

Für das marode Hauberisserhaus steht bisher lediglich fest, dass es saniert wird, durch den Abriss der Brauerei-Lagerhalle an der Hangkante von der Altstadt aus sichtbar wird. Gemeinsam mit den freigelegten Teilen der Stadtmauer, einer platzartigen Gestaltung und dem Panoramaweg entlang der früheren Wehranlage soll dort eine öffentlich zugängliche Grünanlage entstehen. Damit ergebe sich eine historische Beziehungsachse mit dem ebenfalls von Georg von Hauberisser gebauten alten Rathaus in der Kaiser-Max-Straße, sagte Professor Martin Schirmer (Würzburg), der dem Gestaltungsbeirat vorsitzt.

Ein weiteres Anliegen der Planer ist der Kontrast zwischen der neuen und der historischen Bebauung, der sich vor allem an den Dachformen und -farben zeigen könnte. Von den roten geneigten Dächern des Bestands sollen sich die Wohnhäuser mit ihren begrünten Flachdächern klar unterscheiden.

In Gesprächen am Rande der Veranstaltung wurde viel grundsätzliche Zustimmung zu den Plänen geäußert. Ohne dass die Planer bereits konkrete Gestaltungsideen präsentieren konnten, äußerten Bürger vereinzelt aber auch Kritik an einer „kasernenähnlichen“ und zu hohen Bebauung. Fragen gab es zu den Fassadenfarben und energetischen Aspekten. Für solche Festlegungen sei noch nicht der richtige Zeitpunkt, sagte Glogger. Gedacht werde an eine „einfache, aber bewährte“ Gestaltung, die sich in den historischen Bestand einfüge. Zweifel gab es an der verkehrstechnischen Anbindung angesichts vieler Wohnungen sowie wegen möglicher Lärmbelästigung. Interesse rief die schon häufig diskutierte Vision eines Schrägaufzugs oder Lifts als barrierefreie Anbindung zwischen dem Hirschkeller in der Altstadt und der geplanten Terrasse vor der Zeppelinhalle hervor. Pläne zu Ausführung und Finanzierung liegen laut Glogger aber noch nicht vor.

Man sei im Gegensatz zur Anfangsplanung während der Workshops immer weiter davon weggekommen, „alles zuzubauen“, sagte Investor Florian Biasi zu der Entwicklung in den vergangenen Monaten. So habe er auf 2500 Quadratmeter Wohnbebauung verzichtet – letztlich zugunsten der Historie und Freiflächen.