Kaufbeurer Miniaturwelt

Ein Sommer ohne Tänzelfest? Geht nicht, findet ein Kaufbeurer und baut ein Mini-Fest

Ein Mini-Tänzelfestumzug ist in der Kaufbeurer Pfarrgasse zu sehen. Im Schaufenster des Hauses mit der Nummer 13 hat Jochen Fleschhut-Berge 36 Zinnfiguren in Szene gesetzt.

Ein Mini-Tänzelfestumzug ist in der Kaufbeurer Pfarrgasse zu sehen. Im Schaufenster des Hauses mit der Nummer 13 hat Jochen Fleschhut-Berge 36 Zinnfiguren in Szene gesetzt.

Bild: Mathias Wild

Ein Mini-Tänzelfestumzug ist in der Kaufbeurer Pfarrgasse zu sehen. Im Schaufenster des Hauses mit der Nummer 13 hat Jochen Fleschhut-Berge 36 Zinnfiguren in Szene gesetzt.

Bild: Mathias Wild

In der Pfarrgasse, Haus 13, fällt das Tänzelfest 2021 nicht aus. Im Schaufenster hat Jochen Fleschhut-Berge mit seiner Familie den Umzug im Kleinen nachgeahmt.
06.07.2021 | Stand: 13:00 Uhr

Eigentlich ist das Tänzelfest mit prallem Leben gefüllt: Über 1600 Kinder, die die Geschichte ihrer Stadt nachspielen – samt Kutschen, Festwagen und Musikgruppen und mehr als 170 Pferden. Doch wie schon im vergangenen Jahr ist das Fest auch für 2021 abgesagt. Nicht aber in der Pfarrgasse, Haus 13.

Dort hält der 48-jährige, eingefleischte Kaufbeurer Jochen Fleschhut-Berge das Tänzelfest „am Leben“. „Tänzelfest hinter Glas“ nennt er die Miniaturwelt, die er symbolhaft im Schaufenster eines still gelegten Ladengeschäfts aufgebaut hat.

Das "Tänzelfest hinter Glas"

36 Zinnfiguren fahren auf einer Drehscheibe durch das Kemptener und das Spitaltor. Die Figuren aus dem Familienfundus sind insofern einmalig, da es sie nur während der jeweiligen Festzeit zu kaufen gibt. Die Kulisse, eine Kaufbeurer Silhouette, hat Fleschhut-Berge selbst gebastelt, sein Sohn Luis für die Bemalung gesorgt.

Nebenan ist die Wertachstadt in Holz angelegt, mit allen Türmen und wichtigen Gebäuden der Stadt – eine kunsthandwerkliche Arbeit aus den 40er-Jahren. Die Türme und Gebäude sind mit Nummern versehen. Ob Betrachter die Bauten richtig benennen können, zeigt eine außen angebrachte Lösungstafel.

Im Schaufenster finden sich zudem vier Tänzelfest-Originalgewänder, zwei aus dem familieneigenen Fundus und zwei Bürgerkindergewänder. Letztere seien leihweise vom Tänzelfestverein zur Verfügung gestellt worden, erklärt Fleschhut-Berge. Damit die Szenerie nicht im Dunklen steht, beleuchten zwei Glühfadenlampen das Mini-Tänzelfest.

Ohne Tänzelfest sei Kaufbeuren nicht Kaufbeuren

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Statt Tänzelfest

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Fleschhut-Berge hat die Entwicklung zu den zweimaligen Absagen mit Unbehagen verfolgt, die Berechtigung der Corona-Maßnahmen jedoch erkannt. „Da habe ich halt eine Blitzidee verspürt.“ Seine Frau Franziska Berge hat ihm geholfen, die Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Er wolle damit an das historisch belegte Kinderfest erinnern und gleichzeitig demonstrieren, dass Kaufbeuren ohne Tänzelfest nicht Kaufbeuren ist.

Passanten, wie eine Gruppe von Angestellten des städtischen Ordnungsamts oder zwei etwa 12-jährige Mädchen, bestätigen ihn darin. Die Zwei bleiben begeistert stehen, legen die Hände an die Glasscheibe und rufen: „Hoi, da ist unser Tänzelfest.“ Da kann sich Fleschhut-Berge ein Lächeln nicht verkneifen.

Noch bis Ende Juli zu sehen

Die Komposition „Tänzelfest hinter Glas“ bleibt bis Ende Juli der Öffentlichkeit zugängig. Das Schaufenster ist seit einiger Zeit dem Projekt “Kunst im Schaufenster“ gewidmet und wird von der Hausbesitzerin Christa Berge für regionale Künstlerinnen und Künstler als Ausstellungsfläche kostenlos zur Verfügung gestellt. Nach dem „Tänzelfest hinter Glas“ wird die Sammlung Heitmann den frei werdenden Platz im Schaufenster einnehmen.