Olympia BC Kaufbeuren

„Endlich wieder im Ring“

_DSC3149

Gerne hätte der beim BC Kaufbeuren großgewordene Oleg Fertich (blaues Trikot) bei den Olympischen Spielen geboxt. Leider hat es nicht ganz gereicht, unter Corona-Bedingungen war die Vorbereitung schwierig.

Bild: Johannes Tschepur

Gerne hätte der beim BC Kaufbeuren großgewordene Oleg Fertich (blaues Trikot) bei den Olympischen Spielen geboxt. Leider hat es nicht ganz gereicht, unter Corona-Bedingungen war die Vorbereitung schwierig.

Bild: Johannes Tschepur

Drei deutsche Boxer starten in Tokio - und sind schon ausgeschieden. Roman Slobodyanikov, Vorsitzender des BC Kaufbeuren, über den Sport und warum die Chancen auf Medaillen ohnehin gering waren
01.08.2021 | Stand: 05:15 Uhr

Im wahrsten Sinne des Wortes durchgeboxt haben sich Nadine Apetz, Ammar Riad Abduljabbar und Hamsat Shadalov. Sie sind die deutschen Sportler und Sportlerinnen, die es nach Tokio zu den Olympischen Spielen geschafft haben – aber ohne Medaille geblieben sind. Da hat Corona seinen langen Schatten vorausgeworfen.

Ungleiche Voraussetzungen im Trainig

„Während des Lockdowns konnten wir in Deutschland quasi gar nicht trainieren“, erklärt Roman Slobodyanikov, Vereinsleiter des Boxclub Kaufbeuren. Jeder habe nur versucht, sich individuell irgendwie fit zu halten. „Die Länder im Ostblock beispielsweise haben im Gegensatz dazu einfach durchgezogen und weitertrainiert. Da muss man ehrlich sein – ganz fair ist das natürlich nicht.“

Die Chancen auf eine Medaille für die deutschen Boxerinnen und Boxer schätzte Roman Slobodyanikov daher auch eher gering ein, trotzdem bleibe eine Medaille natürlich immer das Ziel. „Das wäre schon toll“, meinte er, aber prognostizierte richtig.

Olympia oder Teufelskreis

Auf die Frage, ob Boxkämpfe bei Olympia überhaupt stattfinden sollten – schließlich handelt es sich dabei um eine Sportart mit Vollkontakt – erklärt Slobodyanikov: „Meiner Ansicht nach ist es absolut notwendig, dass die Boxwettkämpfe bei den Olympischen Spielen stattfinden.“ Der Sport müsse sich wieder präsentieren können und die Sportler endlich wieder in den Ring. Er ergänzt: „Das Problem, das viele Randsportarten – und damit auch wir Boxer – haben, ist Folgendes: Gelder fließen nur, wenn auch Erfolg da ist.“ Wenn dieser jedoch ausbleibt, brächen laut Slobodyanikov die Fördergelder weg. Die Sportart werde für den Nachwuchs unattraktiver, die Aufmerksamkeit sinke. „Das endet in einem richtigen Teufelskreis“, folgert der 34-Jährige.

Und auch auf lokaler Ebene müssen viele Vereine Einbußen hinnehmen. „Während der letzten Monate haben leider einige die Motivation verloren. Es gab keine Chancen, sich zu messen und ohne Training baut man natürlich ab“, zieht der Neugablonzer Bilanz. Oft waren Veranstaltungen bereits geplant, als die Stadt ihr Veto einlegte. Da fiele es natürlich umso schwerer, den inneren Schweinehund zu überwinden und wieder loszulegen.

Roman Slobodyanikov
Roman Slobodyanikov
Bild: Matthias Kleber

Lesen Sie auch
##alternative##
Rad-Weltmeisterschaft

Deutsches Bahnrad-Team um Allgäuerin Lisa Brennauer kämpft bei WM in Roubaix um Gold

Dennoch sei die Freude auf Turnier in Tokio groß, denn Olympia ist das i-Tüpfelchen, das Highlight, in jeder Boxkarriere. Die Olympischen Spiele seien prestigeträchtiger und noch höher anzusiedeln als die Welt- oder die Europameisterschaften, daher sei auch die Boxelite aus allen Ländern der Welt versammelt. Doch einer fehlt dieses Jahr.

Ein Favorit und ein Kaufbeurer fehlen

„Leider ist Wassyl Lomatschenko (Ukraine) nicht dabei. Er ist zweimaliger Olympiasieger und hat eine wahnsinnig gute Technik. Da macht es echt Spaß zuzuschauen.“ Und auch ein Eigengewächs hätte er gerne in Tokio gesehen: Oleg Fertich. Der beim BC Kaufbeuren groß gewordene Boxer ist inzwischen zweimaliger deutscher Vizemeister und trainiert im Olympiastützpunkt in Frankfurt an der Oder.

Für ihn hat es dieses Jahr zwar nicht ganz für Tokio gereicht. „Aber Potenzial für die nächsten Olympischen Spiele hat der Junge auf jeden Fall“, zeigt sich Slobodyanikov optimistisch.