Nase-Mund-Bedeckung

Expertin erklärt: Wie gehen wir mit den Masken richtig um?

In Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Tragen einer Alltagsmaske jetzt Pflicht. Auf Wochenmärkten im Freien, wie hier in Neugablonz, gilt lediglich eine Empfehlung zum Tragen von Nase-Mund-Bedeckungen.

In Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Tragen einer Alltagsmaske jetzt Pflicht. Auf Wochenmärkten im Freien, wie hier in Neugablonz, gilt lediglich eine Empfehlung zum Tragen von Nase-Mund-Bedeckungen.

Bild: Harald Langer

In Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Tragen einer Alltagsmaske jetzt Pflicht. Auf Wochenmärkten im Freien, wie hier in Neugablonz, gilt lediglich eine Empfehlung zum Tragen von Nase-Mund-Bedeckungen.

Bild: Harald Langer

Ab Montag gilt in Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maskenpflicht. Was eine Kaufbeurer Hygiene-Expertin zum Tragen, Selbermachen und Reinigen rät.
27.04.2020 | Stand: 09:44 Uhr

Ab Montag heißt es in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr: Maske auf! Damit soll die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus verlangsamt werden. Für Annette Michl-Kormann, leitende Fachkrankenschwester für Hygiene und Infektionsprävention am Klinikum Kaufbeuren, sind Maßnahmen zum Schutz der Patienten, Mitarbeiter und Besucher alltägliche Arbeit – nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Sie weiß, worauf es im Umgang mit den Masken ankommt.

Warum ist das Tragen sogenannter Alltagsmasken sinnvoll?

Dabei geht es laut Michl-Kormann nicht vorrangig um den eigenen Schutz, sondern darum, andere Menschen zu schützen, „also seine Keime bei sich zu behalten“. Durch die Vorsichtsmaßnahmen der anderen profitiert man wiederum selbst. Alltagsmasken schützen vor allem die Umstehenden vor den Aerosolen, die der Maskenträger beim Husten, Niesen oder Sprechen ausstößt. „Wie der Virologe Christian Drosten sagt, ist es ein Akt der Höflichkeit gegenüber den Mitmenschen. Das sehe ich genauso“, sagt Michl-Kormann. Weil die Masken allein aber keinen vollständigen Eigen- oder Fremdschutz bieten, müssen trotzdem auch die bisher geltenden Regeln eingehalten werden. Das heißt: Weiterhin nicht in Gruppen unterwegs sein, mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Personen halten, Husten- und Niesetikette sowie die Händehygiene einhalten. Leider gebe es immer noch Menschen, die mit Unverständnis auf die Maßnahmen reagieren. „Es hilft nichts – wir müssen alle durchhalten“, sagt Michl-Kormann.

Welches Modell soll ich tragen?

Bei den Masken für die Zivilbevölkerung geht es um Nase-Mund-Bedeckungen aus handelsüblichen Stoffen, am besten Baumwolle. Es müssen keine medizinischen Mundschutze sein und keine FFP2- oder FFP3-Masken. „Die sollten unbedingt dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben“, bittet Michl-Kormann.

Worauf muss man bei der Passform achten?

Zunächst muss die Maske groß genug sein, um Mund, Nase und Wangen vollständig zu bedecken und dicht schließen. Auch an den Seiten soll sie möglichst eng anliegen. Während man sie trägt, sollte man – genau wie ohne Maske – nicht mit den Händen ins Gesicht fassen. Sobald sie durch den Atem oder Schweiß durchfeuchtet ist, muss sie gewechselt werden. Spätestens nach drei Stunden Tragezeit sollte man sie durch eine frische ersetzen.

Wie verwendet man die Alltags-Maske richtig?

Wenn man die Maske anzieht, sollte man darauf achten, die Innenseite nicht zu berühren oder zu verunreinigen. „Im Krankenhaus desinfizieren wir unsere Hände vor dem Anlegen von Schutzkleidung. Das ist bei den Masken im normalen Alltag aber nicht notwendig“, sagt Michl-Kormann. Gründliches, mindestens 30 Sekunden langes Händewaschen mit warmem Wasser und Seife vorab reiche völlig aus.

Wo kann man Masken kaufen?

In Drogerie- und Supermärkten werden sie angeboten, auch viele Online-Versandhändler haben sie im Sortiment. Zunehmend steigen jetzt Schneidereien und Unternehmen, die sonst andere Produkte herstellen, ins Geschäft ein. In den sozialen Netzwerken findet man jede Menge Anleitungen und Video-Tutorials zur Eigenproduktion.

Stichwort selber machen: Was muss ich da beachten?

Jeder kann sich eine Alltagsmaske nähen. Der Stoff sollte nicht zu dünn sein, Michl-Kormann empfiehlt, ihn am besten mehrlagig zu verwenden. Gut geeignet seien Stoffe aus 100 Prozent Baumwolle, weil man die heiß waschen kann. Andere Materialien wie zum Beispiel Staubsaugerbeutel, Papier oder Karton sind nicht geeignet, können unter Umständen sogar gesundheitsschädlich sein. Von Küchenpapier und Taschentüchern rät die Fachfrau ebenfalls ab, weil diese sofort durchfeuchtet sind und außerdem leicht reißen können. Zur Not tut es auch ein Schal oder Halstuch, das man sich vors Gesicht bindet, wenn der Stoff dicht ist und aus Baumwolle besteht.

Wie halte ich meine Maske sauber und keimfrei?

„Selbst genähte Nase-Mund-Bedeckungen sollten regelmäßig gewaschen werden, bei 60 oder am besten 90 Grad“, rät Michl-Kormann. Wer nicht täglich die Waschmaschine laufen lassen will, kann sie auch mit kochendem Wasser übergießen und sie darin mit einem Kochlöffel umherdrehen. Hitze und Waschmittel reichen, um das Coronavirus zu deaktivieren, es ist nicht nötig, Alkohol hinzuzugeben. Alternativ wird von Virologen geraten, den Stoff bei entsprechend hohen Temperaturen zu bügeln. Davon, die Maske in die Mikrowelle oder in den Backofen zu geben, hält Michl-Kormann nichts: „Das ist schon wegen der Brandgefahr nicht sinnvoll.“

Wo genau bin ich jetzt zum Tragen einer Maske verpflichtet?

Die Stadt Kaufbeuren weist daraufhin, dass die Maskenpflicht für Kunden und Personal in Geschäften, Einkaufscentern und auf Märkten gilt. In Bussen und Zügen – auch bereits an den Haltestellen, beziehungsweise am Bahnsteig – sowie im Taxi müssen Mund und Nase bedeckt werden. Bürger müssen sich die Masken selbst organisieren, die Stadt Kaufbeuren kann keine zur Verfügung stellen. Auf den Wochenmärkten in Neugablonz und der Kaufbeurer Altstadt gilt zwar keine Pflicht, die Stadt empfiehlt aber auch dort das Tragen einer Alltagsmaske.

Welche Personen müssen eine Maske aufsetzen?

Die Pflicht gilt für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab sechs Jahren und auch für Menschen, die geistig beeinträchtigt sind.

Was passiert, wenn ich mich weigere, eine Maske zu tragen?

„Wer gegen die Maskenpflicht verstößt, muss mit 150 Euro Geldbuße rechnen, die bei mehrmaligen Verstößen verdoppelt werden kann“, erklärte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Freitag. Ladenbetreiber müssten dafür sorgen, dass Hygieneregeln eingehalten werden. Nützen Appelle der Ladenbetreiber an uneinsichtige Kunden nichts, könne die Polizei einschreiten. Im öffentlichen Nahverkehr wird die Polizei mehr Präsenz zeigen, um die Maskenpflicht zu kontrollieren.

Muss ich im Auto eine Maske tragen?

Wer alleine fährt, braucht keine Maske. Sinnvoll ist sie nur, wenn mehrere Personen im Auto sitzen. Will man die Maske nicht abnehmen, etwa weil man nur kurz zwischen zwei Läden unterwegs ist, muss man darauf achten, dass die Augenpartie gut zu erkennen und die Sicht nicht beeinträchtigt ist. Ein Verstoß kann mit einem Bußgeld von 60 Euro geahndet werden.