Rückblick auf 2020

Für Musiker Christian Adolf war plötzlich alles anders

Musiker Christian Adolf spielt seit dem ersten Corona-Lockdown jede Woche für die Bewohner von Kaufbeurer Seniorenheimen.

Musiker Christian Adolf spielt seit dem ersten Corona-Lockdown jede Woche für die Bewohner von Kaufbeurer Seniorenheimen.

Bild: Mathias Wild

Musiker Christian Adolf spielt seit dem ersten Corona-Lockdown jede Woche für die Bewohner von Kaufbeurer Seniorenheimen.

Bild: Mathias Wild

Wegen Corona musste der Kaufbeurer seine Band auflösen, Hartz IV beantragen und sich beruflich neu orientieren. Trotzdem nimmt er Positives aus diesem Jahr mit.
02.01.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Rund 180 Engagements hatte der Kaufbeurer Berufsmusiker Christian Adolf für 2020 im Terminkalender. Doch es kam alles ganz anders. 168 davon fielen wegen Corona aus. Seine Partyformation, die Diamonds Revival Band, musste aus diesem Grund liquidiert werden. Wegen Forderungen des Finanzamtes steht nun sogar die Tonanlage zum Verkauf. Adolf beantragte staatliche Soforthilfe, die auch innerhalb einer Woche geflossen sei. Doch nach Überweisung der Miete und einem Einkauf von Lebensmitteln musste er feststellen, dass die Bank das Geld dafür wieder einzog. Die Begründung: Die Förderung dürfe nur geschäftlich, aber nicht für den Lebensunterhalt verwendet werden.

Fernstudium zum Tontechniker

Inzwischen bezieht Adolf Hartz-IV-Leistungen. Allerdings haben sich durch den Kontakt mit dem Jobcenter neue berufliche Perspektiven eröffnet: ein Fernstudium zum Tontechniker. „Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt der 54-Jährige, der seine freie Zeit nun dafür nutzt, um sich intensiv auf seine Fortbildung zu konzentrieren. Aber als leidenschaftlicher Künstler wolle er „unbedingt auch der Musik erhalten bleiben“. So tüftle er an weiteren Programmen in seiner Paraderolle als Adolf von Buron. Außerdem hat er seit dem ersten Lockdown im März jede Woche einen Auftritt, der ihm zwar kein Honorar, dafür aber viel Dankbarkeit einbringt. Mit den Sängerinnen Julia Haug und Sylke Rödiger gibt er vor Kaufbeurer Seniorenheimen Wunschkonzerte für die Bewohner. „Das ist mit viel Lebensfreude und Energie verbunden – auf beiden Seiten“, berichtet Adolf. Diese Konzerte seien für ihn ein unerwartetes Highlight in diesem von Ärger und Existenzängsten geprägten Jahr gewesen – und sie sollen auch 2021 fortgesetzt werden

"Gemeinsame Wahrheits- und Lösungssuche"

Im Hinblick auf die Corona-Beschränkungen wünscht sich Adolf, dass sich „der vorherrschende Meinungs-Dogmatismus auf eine gemeinsame Wahrheits- und Lösungssuche begeben sollte“. Wirtschaftliche Erwägungen sollten dabei keine Rolle spielen, auch wenn klar sei: „Wer zahlt, schafft an“, sagt Adolf mit einem Augenzwinkern. Die Pandemie wäre ein guter Anlass, um über das seiner Meinung nach fehlgeleitete globale Wirtschafts- und Finanzsystem nachzudenken.