50. Jahrestag

Feuerwehrmuseum in Kaufbeuren erinnert an Zugunglück von Aitrang

Feuerwehrmuseum Diarama Bahnunglück

Ein Schaukasten, in dem das Feuerwehrmuseum in Kaufbeuren in mühevoller Kleinarbeit das Zugunglück nachgestellt hat, zeigt das Drama vor 50 Jahren.

Bild: Harald Langer

Ein Schaukasten, in dem das Feuerwehrmuseum in Kaufbeuren in mühevoller Kleinarbeit das Zugunglück nachgestellt hat, zeigt das Drama vor 50 Jahren.

Bild: Harald Langer

Das Feuerwehrmuseum und eine neue Gedenktafel erinnern an das Zugunglück vor 50 Jahren bei Aitrang. Ein Gedenktag, an dem auch Zeitzeugen zurückblicken.
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Von Klaus Thiel und Wolfgang Hepke
29.08.2021 | Stand: 19:40 Uhr

Der Kirchzug von der Aitranger Pfarrkirche St. Ulrich zum Unglücksort und die Weihe des neuen Denkmals waren der emotionale Schlusspunkt des Gedenktags am Samstagt zum Eisenbahnunglück vor 50 Jahren. Am 9. Februar 1971 entgleiste der Trans-Europa-Express Bavaria auf dem Weg von München nach Zürich bei Aitrang. Kurz darauf fuhr ein Schienenbus in die Unglücksstelle. 28 Tote, unter ihnen elf Schweizer, 19 Schwer- und 23 Leichtverletzte waren die grausige Bilanz.

Schaukasten in Kaufbeuren gestaltet

Die Gemeinde Aitrang, die Eisenbahnfreunde Kaufbeuren und das Feuerwehrmuseum Kaufbeuren- Ostallgäu hatten gemeinsam den Gedenktag organisiert. 50 geladene Besucherinnen und Besucher, darunter der stellvertretende Schweizer Konsul Uve Haueter, Landrätin Maria Rita Zinnecker und Bernhard Blaas von der Deutschen Bahn Netz AG sowie Vertreter der Rettungsdienste und Bundeswehr, informierten sich zuvor in der Sonderausstellung des Feuerwehrmuseums in Kaufbeuren. Im Mittelpunkt steht dort ein Diorama, in dem maßstabsgetreu der Verlauf des Unglücks dargestellt wird. Christoph Heider, Stefan Geyrhalter (Museums-Vorstandsmitglieder) und das Vorstandsmitglied der Eisenbahnfreunde, Hartmut Klust, hatten den Schaukasten konzipiert. Bis zu 1000 Arbeitsstunden und mehr als 5000 Euro wurden aufgewendet.

Zeitzeuge erinnert sich

Der 92-jährige Karl Auerbach erinnerte sich detailgetreu und „heftig“ an diesen Einsatz, den er als damaliger Feuerwehrkommandant mit geleitet hatte. Er habe die Kameraden häufig auswechseln müssen, da viele von ihnen psychologisch an die Grenze der Belastbarkeit gelangten. Konsul Haueter zeigte sich beeindruckt von den Bemühungen der Verantwortlichen, die Erinnerungen an dieses verheerende Unglück über Grenzen hinweg nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. DB-Vertreter Bernhard Blaas bestätigte in seiner Einschätzung der damaligen Katastrophe, dass Mensch und Technik und das „System Eisenbahn“ versagt hätten. Er entschuldigte sich im Namen der Deutschen Bahn bei den Opfern und deren Angehörigen.

Namen der Opfer verlesen

Bürgermeister Michael Hailand zeigte sich in Aitrang über den Gemeinsinn und die Arbeit der Veranstalter erfreut. Während des Gottesdienstes verlas der er die Namen der tödlich Verunglückten. „Sie sind von uns gegangen, aber nicht vergessen“, sagte Pfarrer Paratyil Jinesh. Aus Schmerz und Ohnmacht wachse der Wille zu Gemeinsinn und der christliche Glaube an die Auferstehung.

28 kleine Kerzen wurden in der Pfarrkirche St. Ulrich als Erinnerung an die Toten entzündet. Viele Kirchenbesucher konnten sich selbst noch an diese Tragödie erinnern, waren einst unter den Helfern. Einige verloren Menschen aus der Familie. Pfarrer Jinesch erinnerte an einen weiteren bitteren Moment nach dem Zugunglück. „St. Alban in Görwangs und die Turnhalle in Aitrang waren voll mit Verletzten, die dann in die umliegenden Krankenhäuser kamen“, sagte er. „Später standen 28 Särge in der kleinen Kirche.“

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Die Ausstellung

  • Geöffnet ist das Feuerwehrmuseum Kaufbeuren-Ostallgäu am Bleichanger 50 in Kaufbeuren am Mittwoch, 1. September, von 16 bis 18 Uhr, am Samstag, 4. September, von 10 bis 14 Uhr und am Sonntag, 19. September, von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt mit Ferienpass ist frei.
  • Am Mittwoch, 8. September, gibt es ab 16 Uhr eine zweistündige Familienführung. Anmeldung per Email unter fuehrung@fwm-kf-oal.de oder Telefon 0173/8660010.
  • Individuelle Öffnungszeiten und Sonderführungen können ebenfalls unter der Email-Adresse vereinbart werden.