Kino

Happy End statt Horrorvision bei der Filmzeit Kaufbeuren

Strahlende Gesichter nach einem langen Preisverleihungsabend: (von links) Ferdinand Arthuber und Constanze Klaue (Gewinner des Publikumspreises), Festivalleiterin Birgit Kern-Harasymiw, Christine Duttlinger und Nikolaus Schreiber vom Team des mehrfach ausgezeichneten Films „Massel Tov Cocktail“, die Juroren Maria Fedorova und Rudolf Krause sowie die Sponsorenvertreter Winfried Nusser (Bürgerstiftung), Jörg-Werner Haug (VWEW) und Tobias Streifinger (Sparkasse Kaufbeuren).

Strahlende Gesichter nach einem langen Preisverleihungsabend: (von links) Ferdinand Arthuber und Constanze Klaue (Gewinner des Publikumspreises), Festivalleiterin Birgit Kern-Harasymiw, Christine Duttlinger und Nikolaus Schreiber vom Team des mehrfach ausgezeichneten Films „Massel Tov Cocktail“, die Juroren Maria Fedorova und Rudolf Krause sowie die Sponsorenvertreter Winfried Nusser (Bürgerstiftung), Jörg-Werner Haug (VWEW) und Tobias Streifinger (Sparkasse Kaufbeuren).

Bild: Harald Langer

Strahlende Gesichter nach einem langen Preisverleihungsabend: (von links) Ferdinand Arthuber und Constanze Klaue (Gewinner des Publikumspreises), Festivalleiterin Birgit Kern-Harasymiw, Christine Duttlinger und Nikolaus Schreiber vom Team des mehrfach ausgezeichneten Films „Massel Tov Cocktail“, die Juroren Maria Fedorova und Rudolf Krause sowie die Sponsorenvertreter Winfried Nusser (Bürgerstiftung), Jörg-Werner Haug (VWEW) und Tobias Streifinger (Sparkasse Kaufbeuren).

Bild: Harald Langer

Die 13. Auflage des Filmfestivals war wegen Corona schwieriger als die bisherigen.  Warum die Macher dennoch zufrieden und die Fachleute voll des Lobes sind.
11.10.2020 | Stand: 19:00 Uhr

Hinterher ist man immer schlauer. Nicht nur einmal hätten die Macher der Filmzeit zu hören bekommen, ob sie ihr Autorenfilmfestival denn unbedingt in diesen unsicheren Corona-Zeiten live veranstalten und dann auch noch mit Wettbewerben in Kempten und Immenstadt auf das ganze Allgäu ausweiten müssen, berichtete Leiterin Birgit Kern-Harasymiw. Beim großen Finale mit Preisverleihung im Kaufbeurer Corona-Kinoplex konnte sie dann von zwei Wochen Ausnahmezustand-Festival gezeichnet, aber hochzufrieden verkünden: „Großartig, wie das gelaufen ist“.

Deutlich weniger Sitzplätze

Es habe zwischenzeitlich durchaus die Horrorvision gegeben „Stell’ Dir vor, es ist Filmzeit, und keiner geht hin“, berichtete Kern-Harasymiw. Doch gerade während der zweiten Festivalwoche in Kaufbeuren mussten immer wieder Interessierte nach Hause geschickt werden. Das habe natürlich auch an der pandemiebedingt stark reduzierten Zahl von verfügbaren Sitzplätzen in den Sälen gelegen. Aber der Besucherandrang sei dennoch erfreulich groß gewesen angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen des Festivals. Genaue Zahlen waren am Abschlusstag noch nicht verfügbar. Kern-Harasymiw geht aber davon aus, dass die 13. Filmzeit insgesamt etwa halb so viele Besucher verzeichnete wie im vergangenen Jahr. 2019 waren es in einer Woche Festival nur in Kaufbeuren rund 2350 Zuschauer. Heuer kamen noch der ins Kemptener Colosseum-Center ausgelagerte Wettbewerb mit internationalen Filmen und die neue Musik-Filmzeit im Immenstädter Union-Filmtheater dazu.

„Ausverkauft!“

Dass es immer wieder „Ausverkauft!“ hieß, war eine ganz neue Erfahrung bei der Filmzeit. Bei der Qualität der heuer fast 70 aktuellen Streifen aus aller Welt gab es dagegen keine Überraschungen. Diese bewegten sich wieder weit jenseits des Hollywood-Üblichen und boten den Zuschauern fast durchweg interessante, verblüffende und packende Stunden vor der Leinwand. Dass Mischung und Niveau der vom Filmzeit-Team aus über 300 Einreichungen ausgewählten Streifen bei der 13. Auflage wiederum stimmten, bestätigte auch die Fachjury. Es habe bei der Preisvergabe „heiße Diskussionen“ gegeben, berichtete Maria Fedorova. Die BR-Journalistin entschied zusammen mit dem Berliner Schauspieler Rudolf Krause, dem Kulturmanager Ulrich Wegenast, der zwischen Stuttgart und Marktoberdorf pendelt, und dem aus Immenstadt stammenden Autoren, Produzenten und Regisseur Christian Wagner über die Vergabe der Hauptpreise.

Über die Maßen gefordert

Dazu gab es von den Juroren viel Lob für das Filmzeit-Team für den Mut, der derzeit darbenden Filmbranche mit einem Live-Festival im Kinosaal den Rücken zu stärken. Dass dies nicht zuletzt angesichts sich ständig ändernder Pandemieschutz-Vorschriften und Risikogebieten alles andere als einfach war, daran ließ Festivalleiterin Kern-Harasymiw keinen Zweifel. Auch die Mitarbeiter des Corona-Kinos um Inhaber Günter Sobeck seien nicht nur wegen der komplizierten Vergabe der Sitzplätze über die Maßen gefordert gewesen.

Nur wenige Filmemacher können kommen

Sichtbar wurden die Corona-Folgen vor allem an der diesmal überschaubaren Zahl von Filmemachern, die ins Allgäu gekommen waren, um ihre Produktionen persönlich vorzustellen. Reisebeschränkungen und die besonders im Filmgeschäft strikten Quarantäne-Bestimmungen ließen den in anderen Jahren oft stattlichen und internationalen Szenetreff rund um die Vorführungen stark zusammenschrumpfen. Stattdessen liefen vermehrt Videobotschaften der Filmemacher auf der Leinwand.

"Das war sehr viel Arbeit"

Zur Preisverleihung gekommen waren aber unter anderem Kameramann Nikolaus Schreiber und Christine Duttlinger von Produktionsteam des Filmes „Masel Tov Cocktail“, der mit gleich drei Auszeichnungen der erfolgreichste Streifen bei der Filmzeit war. „Das war sehr viel Arbeit, und deshalb freut es einen umso mehr“, sagte Duttlinger. Constanze Klaue, Macherin von „Lychen 92“ zeigte sich überrascht davon, dass ihr aus ostdeutscher Perspektive gedrehter Nachwendefilm „auch hier so gut angekommen ist“.

Dankesfest für das Team

Julius Grimm, der tags zuvor beim Demokratie-Special für „Eigenbedarf“ mit dem Demokratiepreis ausgezeichnet wurde, bekannte, dass er mit dem Streifen eigentlich Antworten auf die drängenden Fragen des Kapitalismus geben wollte. Zu einem abschließenden Ergebnis sei er aber nicht gekommen. Mit der von ihm angekündigten Verwendung des Preisgeldes von 750 Euro gab er aber eine Richtung vor: Es soll in ein „Dankesfest“ für das Filmteam fließen. Schließlich habe die Crew mehrere Tage lang „bei minus acht Grad“ im Wald gedreht.