Verheerendes Feuer in der Altstadt

Zwei Jahre nach dem Brand in der "Hasenfärbe" Kaufbeuren: Was passiert mit der Ruine?

Vor zwei Jahren ist der charakteristische Dachstuhl des Färberhauses in Kaufbeuren abgebrannt. Wie der Platz in Zukunft aussehen wird, ist offen.

Vor zwei Jahren ist der charakteristische Dachstuhl des Färberhauses in Kaufbeuren abgebrannt. Wie der Platz in Zukunft aussehen wird, ist offen.

Bild: Mathias Wild

Vor zwei Jahren ist der charakteristische Dachstuhl des Färberhauses in Kaufbeuren abgebrannt. Wie der Platz in Zukunft aussehen wird, ist offen.

Bild: Mathias Wild

Im Januar 2021 zerstörten Flammen das historische "Hasenfärbe"-Gebäude in Kaufbeuren. Die Ermittlungen sind abgeschlossen. Aber was passiert mit dem Gebäude?
26.01.2023 | Stand: 09:30 Uhr

Zwei Jahre sind vergangen, seit ein verheerendes Feuer das markante Gebäude an der Ganghoferstraße zerstört hat. Seit dem 25. Januar 2021 klafft eine Lücke im Kaufbeurer Stadtbild, noch immer erinnern die Überreste der „Hasenfärbe“ Passanten täglich an den Brand, der den charakteristischen hohen Dachstuhl des mehr als 250 Jahre alten Hauses zerstört hat.

Hasenfärbe in Kaufbeuren: Ein Blickfang, der die Innenstadt geprägt hat

Bis dahin war das historische Färberhaus ein Blickfang, der die Innenstadt geprägt hat. Auch wenn sich dies viele Kaufbeurerinnen und Kaufbeurer wünschen – dass der Platz rund um den „Nackten Mann“ je wieder so aussehen wird wie vor der Katastrophe, ist unwahrscheinlich. „Der Großteil der denkmalfachlich relevanten Substanz ist den Flammen zum Opfer gefallen“, sagt der Baureferent der Stadt Kaufbeuren, Helge Carl.

Landesamt für Denkmalpflege will Wiederaufbau mit zeitgenössischen Materialien

Weil das alte Färberhaus jedoch prägend und relevant für das Kaufbeurer Stadtbild sei, befürworte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege einen Wiederaufbau des historischen, dreigeschossigen Hauses, „aber mit zeitgenössischen Materialien“. 1766 wurde der Massivbau mit dem schiefwinkligen Grundriss, einem Satteldach, verschaltem Giebel und weit vorstehendem Dach erbaut und 1956 in Teilen erneuert.

„Natürlich wollen Bürger immer wieder wissen, wie es denn nun weitergeht mit diesem ,Schandfleck’ mitten in der Stadt“, sagt Carl. Diese Frage könne er derzeit nicht beantworten. Nur so viel: „Es liegt vom Eigentümer noch kein Bauantrag vor. Wir hoffen aber, dass bald etwas passiert.“

Baupläne existieren nicht mehr: Gefahr von Fälschung

Gegen eine originale Rekonstruktion hatte sich zuletzt der Kaufbeurer Heimatverein ausgesprochen – laut Vorsitzendem Dr. Ulrich Klinkert gibt es keine Baupläne mehr. „Man weiß nicht, wie genau der Dachstuhl ausgesehen hat.“ Bei einem Eins-zu-eins-Nachbau komme oft eine Fälschung heraus. Stattdessen schlägt der Verein „eine schöpferische Wiederherstellung, die die Erinnerung an das zerstörte Gebäude und dessen historische Funktion wachhält“ vor. Ideen könnten mit einem Architektur-Wettbewerb gesammelt werden, bei dem die Vorgaben des Denkmalamtes berücksichtigt werden müssten.

Die "Hasenfärbe" brannte in der Nacht vom 24. zum 25. Januar 2021. Stundenlang waren über 80 Einsatzkräfte der Feuerwehr damit beschäftigt, den Dachstuhl zu löschen und kontrolliert abzubrechen. (Archivbild)
Die "Hasenfärbe" brannte in der Nacht vom 24. zum 25. Januar 2021. Stundenlang waren über 80 Einsatzkräfte der Feuerwehr damit beschäftigt, den Dachstuhl zu löschen und kontrolliert abzubrechen. (Archivbild)
Bild: Stephan Michalik

Langwierig und kompliziert waren die Ermittlungen der Brandursache, wie Markus Pfann, Leiter des Kommissariates 1 der Kaufbeurer Kriminalpolizei, erklärt: „Weil es keinen offensichtlichen Auslöser für das Feuer gab, mussten wir Stück für Stück nach dem Ausschlussverfahren vorgehen.“ Der Brand hat am Abend des 24. Januar 2021 jedoch nicht nur den charakteristischen Dachstuhl, sondern auch fast alle möglichen Spuren zerstört. „Je verheerender ein Feuer ist, desto schwieriger ist es, im Nachhinein die Ursache zu finden.“

Keine Rückstände von Brandbeschleunigern

Brandgutachten und die Suche mit Hunden nach Rückständen von Brandbeschleunigern hätten keine Hinweise auf einen „Feuerteufel“ ergeben. Brandstiftung hält die Polizei für unwahrscheinlich.

Die Staatsanwaltschaft Kempten hat das Verfahren nach umfangreichen Ermittlungen im März 2022 abgeschlossen. „Die Brandursache konnte letztlich nicht abschließend geklärt, eine technische Ursache nicht ausgeschlossen werden“, so Staatsanwalt David Beck.