Kaufbeuren

Heimlich in der Tänzelfest-Toilette gefilmt

Logo_Vor_Gericht

Logo_Vor_Gericht

Bild: beckmann

Logo_Vor_Gericht

Bild: beckmann

Jugendgericht Geständiger 19-Jähriger wird verwarnt und muss 300 Euro Geldbuße bezahlen
##alternative##
Von bbm
17.01.2020 | Stand: 16:57 Uhr

Wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ musste sich jetzt ein 19-jähriger Ostallgäuer vor dem Jugendgericht verantworten. Er hatte im Juli 2019 in der Toilette am Kaufbeurer Tänzelfestplatz sein Handy über eine Kabinenwand gehalten und einen anderen Bierzelt-Besucher beim Urinieren gefilmt. Der bislang unbescholtene Angeklagte wurde richterlich verwarnt und zu 300 Euro Geldbuße verurteilt. Die Entscheidung erfolgte nach Jugendstrafrecht und ist rechtskräftig. Die Staatsanwältin und die Richterin hatten dem schüchtern und betroffen wirkenden 19-Jährigen seine Reue und Einsicht abgenommen. Zu seinen Gunsten werteten sie auch ein Entschuldigungsschreiben an den Geschädigten. Ihm sei bewusst, „dass ich Ihre Intimsphäre aufs Äußerste verletzt habe“, schrieb er. Die Vorsitzende versuchte im Prozess auch zu ergründen, warum der Angeklagte die Handy-Aufnahmen gemacht hatte – zumal es sich bei der Aktion auf der Tänzelfest-Toilette „nicht um das erste und einzige Mal“ gehandelt habe. Die Polizei hatte nämlich auf seinem Mobiltelefon ähnliche Aufnahmen von einem anderen Vorfall gefunden. Auf Fragen nach seiner Motivlage reagierte der Angeklagte jetzt eher hilflos. Schon zu Prozessbeginn hatte er erklärt, er wisse „selbst nicht, was mich dazu getrieben hat.“ Auch zwei Termine bei einer Psychologin und ein Gespräch mit dem Vertreter der Jugendgerichtshilfe brachten offenbar keine entscheidenden Erkenntnisse.

Für die Staatsanwältin war das Ganze letztlich eine „irrationale und damit jugendtypische Tat“. Sie sprach sich deshalb in ihrem Plädoyer für die Anwendung von Jugendstrafrecht aus und hielt eine richterliche Verwarnung samt Geldauflage für angemessen. Die Richterin folgte dem Antrag im Urteil. Direkt an den Angeklagten gewandt sagte sie: „Sie machen eigentlich einen sehr guten Eindruck. Deshalb gehe ich davon aus, dass ich Sie hier nicht wiedersehen werde.“ Sollte er jedoch wider Erwarten erneut auffallen, insbesondere mit solchen Taten, müsse er damit rechnen, „dass es gewaltig scheppert“. Er selbst hatte im Prozess auf die Frage nach einer Wiederholungsgefahr versichert, seine Entdeckung sei für ihn „ein Schock“ gewesen, der ihm die Augen geöffnet habe.