Kaufbeuren

Im Alkohol- und Drogennebel

Vor dem Kaufbeurer Schöffengericht musste sich 41-jähriger Mann aus Baden-Württemberg verantworten.

Vor dem Kaufbeurer Schöffengericht musste sich 41-jähriger Mann aus Baden-Württemberg verantworten.

Bild: Alexander Kaya

Vor dem Kaufbeurer Schöffengericht musste sich 41-jähriger Mann aus Baden-Württemberg verantworten.

Bild: Alexander Kaya

Suchtkranker Mann (41) kann sich vor dem Schöffengericht in Kaufbeuren an Straftaten nicht mehr erinnern. Weshalb das Verfahren eingestellt wurde.

31.08.2020 | Stand: 14:14 Uhr

Dass sich ein 41-jähriger Mann aus Baden-Württemberg und seine Partnerin im Jahr 2019 im Ost- und Oberallgäu aufgehalten hatten und hier wegen diverser Diebstähle ins Visier der Polizei geraten waren, stand jetzt im Strafprozess gegen den Mann vor dem Kaufbeurer Schöffengericht fest. Schwierig gestaltete sich allerdings die Klärung der Frage, wer damals welche Tat begangen hatte.

Der Angeklagte konnte sich nach eigenen Angaben an fast gar nichts mehr erinnern. Sein Verteidiger sah die Ursache dafür in einer Suchterkrankung und sprach von einem „fatalen Mix“ aus Alkohol, Drogen und Medikamenten. Die mutmaßliche Komplizin, deren eigenes Verfahren im Hinblick auf eine andere Verurteilung eingestellt wurde, wäre theoretisch als Zeugin in Betracht gekommen. Sie ist aber mit dem Angeklagten verlobt und hätte deshalb ein Zeugnisverweigerungsrecht gehabt.

In der Beweisaufnahme wurde deutlich, dass ein Tatnachweis nur in drei der sechs Anklagepunkte möglich sein würde. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt. Denn der vielfach vorbestrafte Angeklagte verbüßt derzeit eine Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten wegen Betäubungsmitteldelikten und Fahrens ohne Fahrerlaubnis erhalten hatte. Eine Verurteilung in den jetzt noch verbleibenden Anklagepunkten wäre nach Überzeugung aller Verfahrensbeteiligten beim Strafmaß nicht mehr entscheidend ins Gewicht gefallen.

Aus der Zeugenaussage eines Polizeibeamten ging hervor, dass der Angeklagte und seine Partnerin im vergangenen Jahr immer wieder wegen Diebstahlverdachts aufgefallen waren. So war beispielsweise in einem Ostallgäuer Gasthof, in dem sich der Mann damals eingemietet hatte, ein Zentralschlüssel verschwunden. Anschließend fehlten aus einem der Zimmer rund 2000 Dollar Bargeld.

Der Anhänger des Zentralschlüssels wurde später bei einer Polizeikontrolle in einem Briefkuvert entdeckt, das sich im Auto der Partnerin des Angeklagten befand. Zum fraglichen Zeitpunkt hatte der 41-Jährige den Pkw gefahren, obwohl er stark alkoholisiert war. Die Blutprobe ergab einen Wert von 2,18 Promille. Zudem hatte der Mann keinen Führerschein. Für den ermittelnden Beamten war nach dem Fund des Schlüsselanhängers klar, dass entweder der Angeklagte oder seine Partnerin den Zentralschlüssel und das Geld gestohlen haben mussten.

Ähnlich verhielt es sich mit einem im Ostallgäu entwendeten E-Bike. Das rund 4000 Euro teure Rad war damals bei Ermittlungen der Immenstädter Polizei gegen das Paar wieder aufgetaucht. Angesichts der vielen Tatorte und Quer-Verbindungen sagte der Ermittler: „Das war wie eine Schnitzeljagd.“