Ausgezeichnet

Im Naturgarten der Triebels aus Kaufbeuren wächst, was wächst

Mit Plakette und Urkunde kam Kaspar Rager (Vorsitzender des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, links) zu Lisa und Rolf Triebel und zeichnete ihren Obst- und Nutzgarten als Naturgarten aus.

Mit Plakette und Urkunde kam Kaspar Rager (Vorsitzender des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, links) zu Lisa und Rolf Triebel und zeichnete ihren Obst- und Nutzgarten als Naturgarten aus.

Bild: Mathias Wild

Mit Plakette und Urkunde kam Kaspar Rager (Vorsitzender des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, links) zu Lisa und Rolf Triebel und zeichnete ihren Obst- und Nutzgarten als Naturgarten aus.

Bild: Mathias Wild

Der Garten von Lisa und Rolf Triebel aus Kaufbeuren wurde als Naturgarten ausgezeichnet. Warum er besonders wertvoll ist und welche Tipps die Besitzer haben.

17.08.2021 | Stand: 14:34 Uhr

An über 100 Jahre alten Obstbäumen reifen die Früchte, Sonnenblumen recken ihre Köpfe gen Himmel, zwischen den Tuffsteinen fühlen sich Blindschleiche und Eidechse wohl und im Frühjahr ist der lila blühende Salbei eine Augenweide. Der Garten von Lisa und Rolf Triebel am südlichen Stadtrand von Kaufbeuren ist wild und gepflegt zugleich. „Was wächst, das wächst“, fasst Rolf Triebel sein Konzept kurz und prägnant zusammen.

Lisa Triebel freut sich auf die saftigen Äpfel aus dem eigenen Garten. Über 100 Jahre alt sind die ältesten Obstbäume, und sie sind nach wie vor gesund und bringen Ertrag.
Lisa Triebel freut sich auf die saftigen Äpfel aus dem eigenen Garten. Über 100 Jahre alt sind die ältesten Obstbäume, und sie sind nach wie vor gesund und bringen Ertrag.
Bild: Mathias Wild

Nutzgarten mit Gemüse

Auch ein Nutzgarten mit Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, Bohnen, Tomaten und Zucchini darf nicht fehlen. „Die Königskerzen wachsen bei mir mitten im Gemüsegarten. Das ist das Highlight, die gehören für mich dazu und die bleiben auch stehen“, sagt seine Frau. Nur mit den Schnecken habe sie heuer wegen der feuchten Witterung arg zu kämpfen. „Aber das ist halt so und das akzeptieren wir“, sagt sie unbeirrt.

Am Gartenhaus wächst der Wein.
Am Gartenhaus wächst der Wein.
Bild: Mathias Wild

Am Gartenhaus wächst der Wein

„Am Gartenhaus hängt der Wein, den wir eigentlich zum Schutz vor der Sonne hatten. Jetzt können wir im Herbst die Weintrauben ernten“, schwärmt sie. Ihr Garten wurde nun im Rahmen der Aktion „Bayern blüht - Naturgarten“ neben einem Ziergarten in Waal als einer von zweien im gesamten Landkreis ausgezeichnet. Der Landesverband für Gartenbau und Landespflege bietet Gartenbesitzern seit diesem Jahr die Möglichkeit, ihren Garten zertifizieren zu lassen.

Durch den Wein ist die Gartenhütte natürlich vor der Sonne geschützt. Schöner Nebeneffekt: Im Herbst können die Triebels Weintrauben ernten.
Durch den Wein ist die Gartenhütte natürlich vor der Sonne geschützt. Schöner Nebeneffekt: Im Herbst können die Triebels Weintrauben ernten.
Bild: Mathias Wild

Lebensraum für heimische Tiere und Pflanzen

„Der Naturgarten ist ein Lebensraum für heimische Tier- und Pflanzenarten“, erläutert Kreisfachberaterin Birgit Wehnert vom Landratsamt. Bei der Bewirtschaftung gebe es einige Richtlinien, an die sich die Bewerber halten müssten. Der Verzicht auf Torf, chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel sowie eine hohe ökologische Vielfalt seien die Hauptkriterien.

Im wilden Eck entlang des Bachs ist die Natur sich weitestgehend selbst überlassen. Hier fühlen sich die Wildbienen wohl und bauen ihre Nester.
Im wilden Eck entlang des Bachs ist die Natur sich weitestgehend selbst überlassen. Hier fühlen sich die Wildbienen wohl und bauen ihre Nester.
Bild: Mathias Wild

Man muss sich wohlfühlen

Aber auch der Wohlfühlfaktor dürfe nicht zu kurz kommen. „Naturgarten bedeutet nicht, dass man gar nichts macht und der Garten völlig ungepflegt ist“, räumt Wehnert mit einem Vorurteil auf. Sie rät Gartenbesitzern, einzelne Inseln mit Blumen in der Wiese stehen zu lassen. Die Triebels mähen die Blühwiese unter ihren Apfelbäumen erst, wenn die Margeriten ausgeblüht haben. Das sieht toll aus und ist ein reich gedeckter Tisch für allerhand Insekten.

Rolf Triebel bringt die Plakette gleich an.
Rolf Triebel bringt die Plakette gleich an.
Bild: Mathias Wild

Nicht mehr Arbeit

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Ausgezeichnet

Wildromantische Wohlfühl-Oase in Waal

„So ein Garten macht gar nicht viel Arbeit, das läuft alles natürlich ab“, erklärt der Besitzer. Das Mädesüß entlang des kleinen Bachs, der den Garten begrenzt, lässt Triebel stehen, bis es von selbst umfällt. In diese wilde Ecke greift er überhaupt nicht ein. „Wir haben wahnsinnig viele Wildbienen, die ihre Nester dort bauen“, sagt Triebel.

Über Jahrzehnte gewachsen

So ein Garten müsse über Jahrzehnte wachsen, das komme nicht von einem Jahr aufs andere, lobt Kaspar Rager, Vorsitzender des Kreisverbands für Gartenbau und Landschaftspflege bei der Übergabe der Plakette. „Es ist vielleicht Ansporn für andere, ihre Gärten nicht nur mit Exoten zu bepflanzen, sondern mit haltbaren heimischen Bäumen und Sträuchern“, sagt Rager.