Kaufbeuren

Im Rampenlicht

Porträt Ihre Cousins weckten in ihr schon früh das Eishockey-Fieber. Heute ist Ronja Hark die beste Eishockeyspielerin des ESV Kaufbeuren und genießt die Auftritte auf der großen Bühne
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Von Manuel Weis
17.01.2020 | Stand: 17:11 Uhr

Große Auftritte ist sie inzwischen gewohnt. Mit erst 16 Jahren war Eishockey-Spielerin Ronja Hark aus Hohenfurch einer der sportlichen Highlight-Gäste bei einer Sponsoren-Veranstaltung der ESVK-Nachwuchsabteilung „Next Generation“. Der Verein ist stolz auf Hark, die bei der kürzlich beendeten U 18-Frauen-Weltmeisterschaft in Füssen nicht nur als „beste Verteidigerin“ geehrt wurde, sondern im entscheidenden Finale um den Aufstieg in die höchste Division auch das Siegtor schoss. Besser hätten die zurückliegenden Wochen für die 16-Jährige kaum laufen können.

Ihre Liebe zum Kufensport entdeckte Hark über ihre beiden Cousins, die in Schongau Eishockey spielten: „Ich habe gesagt, dass ich das auch machen will.“ Mit vier Jahren ging es erstmals auf das Eis, mit sechs Jahren bestritt sie schließlich ihr erstes Spiel – „und seitdem gibt es für mich nichts anderes mehr“. Hillary Knight, Mannschaftsführerin der USA, ist Harks großes Vorbild. „Es gibt nicht viele, die eine Frau als Vorbild im Eishockey haben“, sagt die 16-Jährige.

Inzwischen ist sie in der U 17 des ESVK angekommen und spielt zusammen mit Jungs und gegen Jungs. Dass das in Kaufbeuren möglich ist und sie große Unterstützung von Trainern und Kameraden bekommt, dafür zeigte sich die Verteidigerin dankbar. Theoretisch könnte sie als Mädel den kompletten Nachwuchs beim ESVK durchlaufen – praktisch aber ist das eher unmöglich. Andere Vereine, Köln etwa, sortieren Mädchen grundsätzlich schon vor der U 17 aus. Die körperlichen Unterschiede lassen sich eben nicht verleugnen. Hark hat dies gerade am vergangenen Wochenende erfahren. Ein 90-Kilo-Spieler rammte sie bei einem Punktspiel in die Bande – und verletzte die mit 52 Kilo doch eher zierliche Verteidigerin. Den Arm trägt sie deshalb in einer Schlinge, pausieren muss sie wohl mehrere Wochen. „Du kannst als Mädchen eigentlich deinen Körper nicht so einsetzen wie ein Junge, außer du bist 1,80 Meter groß und wiegst entsprechend. Deshalb musst du als Mädchen sehr geschickt spielen, um nicht dauernd gegen die Gegner zu fahren“, sagt Hark.

Somit hat die 16-Jährige etwas mehr Zeit für ihre Freunde aus der Schule. Sie besucht die elfte Klasse des Gymnasiums in Schongau. Ihre Freundinnen kamen auch nach Füssen, um sie bei der WM anzufeuern. Wohin es sie in Zukunft führen wird, ist noch unklar. Nordamerika, wo Frauen-Eishockey einen höheren Stellenwert genießt, wäre freilich ein Traum. Gutes Geld zu verdienen gibt es aber auch dort nicht, weiß Hark. Geht es in eine andere Richtung? In der Schule ist die Verteidigerin sowohl im biologischen als auch sportlichen Bereich interessiert. Oder bleibt es die große Eishockey-Bühne? Bei der Sponsorenveranstaltung machte sie jedenfalls eine gute Figur – neben gestandenen Größen wie ESVK-Spieler Daniel Oppolzer, Nationalspieler Markus Eisenschmid, der eine Video-Grußbotschaft schickte, oder Wolfgang Krebs, der als bayerischer Ministerpräsident die Gäste im gut gefüllten VIP-Raum der Erdgas-Schwaben-Arena zum Lachen brachte.