Stadtrat befasst sich mit Einzelhandelsgutachten

Immer weniger Verkaufsfläche für Bekleidung in Kaufbeuren

Die Zahl der Leerstände und verwaisten Schaufenster in der Innenstadt hat zugenommen. Auch damit befasst sich das Einzelhandelsgutachten.

Die Zahl der Leerstände und verwaisten Schaufenster in der Innenstadt hat zugenommen. Auch damit befasst sich das Einzelhandelsgutachten.

Bild: Mathias Wild

Die Zahl der Leerstände und verwaisten Schaufenster in der Innenstadt hat zugenommen. Auch damit befasst sich das Einzelhandelsgutachten.

Bild: Mathias Wild

Die Stadtpolitik in Kaufbeuren diskutiert ein neues Entwicklungskonzept. Darin zeigt sich neben vielen Herausforderungen: Die Verkaufsfläche für Bekleidung schrumpft. Warum auch das ein Problem ist.
24.02.2021 | Stand: 11:17 Uhr

Die Hoffnung ist groß. Dem Stadtrat liegt ein Entwurf zum Einzelhandelsentwicklungskonzept aus dem Büro für Standort-, Markt- und Regionalanalyse Dr. Heider in Augsburg vor, in dem „gute Chancen“ gesehen werden, den Einzelhandels- und Versorgungsstandort Kaufbeuren „trotz wachsender Herausforderungen attraktiv und funktionsfähig zu halten“. Dafür bedürfe es aber vieler Voraussetzungen, über die sich in den nächsten Monaten die Stadträte die Köpfe zerbrechen müssen.

Corona macht alles noch dramatischer

Die Altstadt blutet aus, ist als Wohnstandort unattraktiver geworden. Die Situation des Handels ist bekannt und wird durch die Corona-Pandemie noch dramatischer. Seit dem ersten Einzelhandelskonzept 2013 habe es im Handel, bei der Kaufkraft, in der Bedeutung des Onlinehandels und in der Marktsituation teils dramatische Veränderungen gegeben, heißt es sinngemäß in dem aktuellen Entwurf des Gutachtens. Dies sind die Kernaussagen des Entwurfes:

  • Für Kaufbeuren wird eine moderate Zunahme der Bevölkerung prognostiziert – jedoch mit einem deutlichen Zuwachs bei Senioren. Dies habe Folgen für die Gesellschaft, die soziale Infrastruktur, den Arbeitsmarkt und das Einkaufsverhalten.
  • Die Stadt bleibt ein regional bedeutsames Einzelhandelszentrum. Die Umsätze im Einzelhandel sind seit 2013 von 354 auf 401 Millionen Euro gestiegen. Gründe dafür sind unter anderem ein größeres Angebot (Fachmarktzentren), ein Preisanstieg und gestiegene Pro-Kopf-Ausgaben.
  • Die Entwicklung der Einzelhandelsstruktur zeigt in den vergangenen Jahren deutliche Veränderungen. Gegenüber dem Konzept von 2013 hat sich die Zahl der Betriebe um 72 verringert, die Verkaufsfläche nahm dagegen um 7200 Quadratmeter zu. Trotz Schließungen, unter anderem der Bekleidungshäuser Adler und K&L Ruppert in der Innenstadt sowie der Feneberg-Märkte in Neugablonz und in der Alten Weberei stieg die Verkaufsfläche vor allem wegen der Eröffnung des Forettle-Centers und des Märzenparks sowie Betriebserweiterungen (etwa Kaufland und Dehner) „relativ stark“ an.
  • lDie Sortimentsstruktur verändert sich deutlich. Möbel und Drogeriewaren haben mit der Eröffnung des Möbelhauses Roller und zweier dm-Drogeriemärkte zugenommen. Der Bekleidungsanteil, bisher immer einer der großen Stärken in der Stadt, fällt ab. Zwischen 2016 und 2020 schrumpfte der Verkaufsflächenanteil von Bekleidung an der Gesamtverkaufsfläche von 20,4 auf 15,9 Prozent. Eine Entwicklung, die die Gutachter wegen der Bedeutung des Modesektors auf die überörtliche Anziehungskraft als ungünstig bewerten. (Lesen Sie dazu auch den Kommentar "Mehr Vielfalt in die Altstadt von Kaufbeuren")
  • Vor allem in der Innenstadt gibt es immer weniger Verkaufsflächen. Die Betriebe, die in der Innenstadt (die über das historische Stadtzentrum hinaus geht) ansässig sind, weisen nur noch einen Anteil von 33 Prozent an der Gesamtverkaufsfläche in Kaufbeuren auf. Und dies, obwohl das Forettle-Center hinzugekommen ist. 2012 lag der Vergleichswert noch bei 38 Prozent. In der Fußgängerzone sind es noch acht Prozent (2012 waren es elf Prozent).
  • Anfang März 2020, als das Datenmaterial für das Gutachten gesammelt wurde, standen in der Innenstadt 60 Läden leer. 2013 waren es 40. Obwohl damals einzelne, nicht mehr vermietbare Leerstandsflächen nicht einbezogen wurden, nahm die Zahl der Leerstände deutlich zu.
  • Die Gutachter erkennen keine wesentlichen Ausbaumöglichkeiten mehr im Einzelhandel. Auch Angebotslücken seien nicht erkennbar. Stattdessen gehe es nun um eine gezielte Stärkung der zentralen Lagen, wobei nach Ansicht der Gutachter ein besonderes Augenmerk auf die Altstadt gelegt werden müsse, die Nahversorgung im Vordergrund stehen und die überörtliche Anziehungskraft der Stadt gesichert werden sollte. Als weitere Leitlinien werden in dem Gutachten die Weiterführung des Stadtmarketings und eine Verstärkung der Digitalisierung genannt.

Ursprünglich hätte das Konzept bereits in einer der Sitzungen des Innenstadtbeirats beraten werden sollen. Diese finden coronabedingt derzeit aber nicht statt. Der Entwurf wird nun innerhalb der Stadtratsfraktionen beraten und in den kommenden Sitzungen des Bauausschusses ein Thema sein.