Kreativer Biergarten in Kaufbeuren

"Katastrophen-Wurst", mitgebrachte Speisen und Platz für Kreatives: Das neue Konzept im Kaufbeurer Jordanpark

Brotzeit einfach mitbringen – kein Problem: Bianca und Tom führen ihren Biergarten KulT-UriG im Jordanpark ganz klassisch und trotzdem anders.

Brotzeit einfach mitbringen – kein Problem: Bianca und Tom führen ihren Biergarten KulT-UriG im Jordanpark ganz klassisch und trotzdem anders.

Bild: Mathias Wild

Brotzeit einfach mitbringen – kein Problem: Bianca und Tom führen ihren Biergarten KulT-UriG im Jordanpark ganz klassisch und trotzdem anders.

Bild: Mathias Wild

Der Biergarten im Kaufbeurer Jordanpark hat einen kurze, aber wechselvolle Geschichte. Die neuen Pächter wollen aber neue Wege gehen.

12.08.2020 | Stand: 12:53 Uhr

Einfach eine Katastrophe, diese Corona-Krise. Für die Kulturschaffenden, für den Handel und natürlich die Gastronomie. Es gibt allen Grund, über die Einschränkungen, die Hygiene-Regeln und die ausbleibenden Gäste zu schimpfen. Oder aus der Not eine Tugend zu machen. Etwa mit einer „Katastrophen-Wurst“, die sich Bianca und Tom vor Wochen vom „Katastrophenschutzamt“ der Stadt für den „To go“-Verkauf im Jordanpark genehmigen ließen.

Einer der Renner im Biergarten KulT-UriG, den viele Stammkunden mittlerweile lieb gewonnen haben. Und nur ein Mosaikstein in einem besonderen Geschäftskonzept, das die beiden Betreiber so beschreiben: „Ein Biergarten ist kein Ort, sondern ein Lebensgefühl.“

Auch Kinder sind willkommen

Warum das so ist, wird an schönen Tagen schnell deutlich. Familien, Kinder, Hunde – alle sind im Schatten der Bäume des denkmalgeschützten Parks willkommen. Wer seine Picknickdecke ausbreiten möchte, bitte schön. Wer am Tisch sitzt, auch gut. Wer von den Spielplätzen auf ein Eis herüberkommt, ebenfalls.

Traditionen, mit der viele Biergartenbetreiber schon gebrochen haben, sind hier noch Gesetz. „Wie es in einem echten Biergarten üblich ist, dürfen unsere Gäste ihre Brotzeit auch selbst mitbringen“, sagt Bianca Megele. Speisen von einer kleinen Karte und Getränke gibt es in Selbstbedienung.

Gerhard Bucher legte den Grundstein

Bianca (43), eine Allgäuerin, und Tom (57), ein Oberbayer, haben die kleine Hütte 2018 gekauft, 300 Quadratmeter Grund gepachtet. Mit Ehrfurcht blicken sie auf die kurze und wechselvolle Geschichte des Biergartens, die mit der Planung 2006 begann und entscheidend vom ehemaligen Vorsitzenden der Spielvereinigung, Gerhard Bucher, geprägt ist. Der langjährige zweite Bürgermeister Bucher, der die Idee schon viele Jahre im Kopf hatte, wollte damit die damals noch vorhandene Stadiongastronomie stärken.

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Nicht alles im Jordanpark lief rund

Der frühere Brauereichef Alois Mögele schaffte die kleine Hütte aus einem Biergarten in Pfronten herbei. „Großkronige Bäume stehen im Kreis, als ob diese bereits für diesen Zweck gepflanzt worden wären“, so Bucher seinerzeit. „Es muss was los sein zwischen Bahnhof und Altstadt.“

Nicht immer lief alles rund in den folgenden Jahren. Die beiden neuen Eigentümer machen es sich seit ihrem Antritt zum Ziel, Qualität und verlässliche Öffnungszeiten zu bieten – und damit alle und vor allem neue Kunden anzusprechen.

Vier Einbrüche zu Beginn

Die marode und von der Stadt geduldete kleine Bühne wurde erneuert, die Hütte in Absprache mit der Lebensmittelüberwachung nach den Hygienevorschriften hergerichtet. Doch der Start des Duos war steinig. Gleich vier Einbrüche hätten Jugendliche verübt, bis sie durch ein Alarmsystem überführt wurden, erinnern sich die Betreiber.

Ein Leben auf 16 Quadratmetern

Beide lebten damals noch auf 16 Quadratmetern im Wohnmobil, das auf dem Gelände der Spielvereinigung in der Nachbarschaft stand. Jahrelang waren sie zuvor als Kunsthandwerker unterwegs, verkauften auf Märkten in ganz Deutschland.

Mittlerweile sind sie mit ihrer Marke Megele-Elemente aus eigener Werkstatt in Marktoberdorf sesshaft geworden. Die Marktsaison für sie beschränkt sich mittlerweile auf den Winter, wenn der Biergarten geschlossen ist.

Kreative Köpfe gesucht

Dieser kulturell-künstlerische Hintergrund zeigt sich auch im Biergarten. „Seit wir da sind, hat sich alles komplett verändert“, sagt Bianca. Jeden Donnerstag gibt es eine Akustik-Jam Session (mit Anmeldung für die Gäste) und darüber hinaus weitere Konzerte.

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Ideen für Lesungen oder vielleicht mal ein Poetry-Slam schwirren den beiden ebenfalls durch den Kopf. „Wir wollen mit unserer Bühne kreativen Köpfen eine Plattform bieten“, sagt sie. Austausch, Kennenlernen, Inspiration seien Bestandteile des Biergartens, daher auch der Namen KulT-UriG. Zudem kaufen die Megeles ihre Waren regional bei kleinen Handwerksbetrieben ein.

Bald kommen die Fans

Die beiden Biergarten-Wirte wissen, dass sich in absehbarer Zeit viel in ihrem Umfeld verändern wird. Das alte Eisstadion steht vor dem Abbruch. Diskussionen gibt es über den Bau eines Behördenzentrums oder eines Studentenwohnheims in Parknähe.

Weit vorausplanen Bianca und Tom aber ohnehin nicht. Jetzt freuen sie sich erst mal auf viele Besucher bei möglichst schönem Sommerwetter. Bianca: „Und bald kommen ja auch wieder die ESVK-Fans vor den Spielen.“