Integration

"Kaufbeuren ist eine Stadt, die unglaublich divers ist"

Martin Valdés-Stauber ist der Beauftragte für eine offene Gesellschaft des Kaufbeurer Stadtrates. Das Bild zeigt ihn in der Dreifaltigkeitskirche, wo derzeit eine Ausstellung über die Aktivitäten des Arbeitskreises Asyl zu sehen ist.

Martin Valdés-Stauber ist der Beauftragte für eine offene Gesellschaft des Kaufbeurer Stadtrates. Das Bild zeigt ihn in der Dreifaltigkeitskirche, wo derzeit eine Ausstellung über die Aktivitäten des Arbeitskreises Asyl zu sehen ist.

Bild: Harald Langer

Martin Valdés-Stauber ist der Beauftragte für eine offene Gesellschaft des Kaufbeurer Stadtrates. Das Bild zeigt ihn in der Dreifaltigkeitskirche, wo derzeit eine Ausstellung über die Aktivitäten des Arbeitskreises Asyl zu sehen ist.

Bild: Harald Langer

Martin Valdés-Stauber, der Beauftragte des Kaufbeurer Stadtrats für eine Offene Gesellschaft, erläutert, was dieser Begriff für ihn bedeutet.

15.09.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Mit dem Begriff Integration sei das so eine Sache. „Das Wort ist ein bisschen knifflig“, sagt Martin Valdés-Stauber. Es höre sich danach an, als komme jemand und integriere sich in das, was bereits da ist. Aber: „Wenn Leute kommen, dann verändert sich etwas.“ Auch die Gesellschaft. Was dem 28-Jährigen vorschwebt, ist eine offene Gemeinschaft, die von ihrer Vielfalt lebt und in der niemand diskriminiert wird. Um diesen Gedanken zu betonen, heißt das Amt, das er nun ausfüllt, nicht mehr „Integrationsbeauftragter“, sondern „Beauftragter für eine Offene Gesellschaft“.

Klare Grenzen ziehen

Doch diese Offene Gesellschaft hat auch klare Grenzen. „Alles, was jenseits der freiheitlich-demokratischen Grundordnung liegt, gehört nicht dazu.“ Also etwa Terrorismus oder Fundamentalismus. Gemeinsam müsse man sich zu einer Offenen Gesellschaft bekennen und diejenigen, die sie angreifen, bekämpfen. „Ich glaube, dass es gewisse Werte gibt, auf die wir bestehen müssen“, ergänzt Valdés-Stauber. „Alles geht, Multikulti, das halte ich für Quatsch.“

Ein Thema, das ihn seit der Schulzeit beschäftigt

Schon während seiner Schulzeit am Jakob-Brucker-Gymnasium hat sich Valdés-Stauber mit der Migrationsgeschichte der Stadt beschäftigt, die Ausstellung „Zwischenwelten – Wege nach Kaufbeuren“ mitkonzipiert und später mit seinen Mitschülern ein Buch dazu geschrieben. Daneben engagierte er sich beim Arbeitskreis Asyl. „Kaufbeuren ist eine Stadt, die unglaublich divers ist“, sagt Valdés-Stauber. Und eine Stadt, in der sich sehr viele Menschen ehrenamtlich engagieren. Das Thema Flucht und Migration ließ ihn auch während seines Studiums nicht los. In seiner Masterarbeit widmete er sich unter anderem der Frage: „Wie vernetzen sich Leute, die in Kaufbeuren angekommen sind?“ Studiert hat der 28-Jährige Soziologie, Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften in München, Friedrichshafen, Berkeley (Kalifornien) und Cambridge (England). Heute arbeitet er als Dramaturg und Soziologe. Für die SPD entschied sich der Kaufbeurer im Jahr 2017, weil er aus der spanischen Geschichte seiner Familie heraus weiß, wer sich dort für die Demokratie, die ja wesentlich jünger als die deutsche ist, eingesetzt hat.

Integrationsbeirat soll sich weiterentwickeln

So wie sich der Name seines Amtes gewandelt hat, möchte Valdés-Stauber auch, dass sich die Aufgabe des Integrationsbeirates – der nun „Beirat für Vielfalt und Offene Gesellschaft“ heißt – ändert und vor allem erweitert. Er soll ein beratendes Wissensgremium des Stadtrates sein, nicht mehr nur Fördergelder verteilen. „Da sind Erfahrungen versammelt, die ganz wichtig sind für die Gestaltung der Kommunalpolitik.“ Zugleich soll der Beirat interkulturelle und interreligiöse Begegnungen fördern, ebenso wie demokratische Grundwerte und Chancengleichheit. Und sich gegen Menschenfeindlichkeit, Extremismus und Diskriminierung stellen. Dazu gehörten auch Alltagsrassismus und Sexismus. „Jeder Körper erlebt etwas anderes, das sollte nicht so sein.“ Die Migrations- und Integrationsarbeit in Kaufbeuren soll der Beirat nach wie vor stärken und Projekte miteinander vernetzen.

Aus der Vergangenheit lernen

Ein Punkt, der Valdés-Stauber außerdem wichtig ist: die Erinnerungskultur. „Indem sich eine Stadt mit ihrer eigenen Geschichte beschäftigt, lässt sich für die Gegenwart viel ableiten.“ Eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sei also unumgänglich, insbesondere mit der Zeit des Nationalsozialismus. Lobend hebt Valdés-Stauber die Sonderausstellung „Kaufbeuren unterm Hakenkreuz“ des Stadtmuseums hervor. „Sie hat hervorragende Arbeit geleistet.“