Zwielichtige Geschäfte online?

Kripo ermittelt wegen illegaler Prostitution in Kaufbeuren

Verdacht auf Prostitution: Die Kriminalpolizei ermittelt in einem Fall in Kaufbeuren.

Verdacht auf Prostitution: Die Kriminalpolizei ermittelt in einem Fall in Kaufbeuren.

Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolbild)

Verdacht auf Prostitution: Die Kriminalpolizei ermittelt in einem Fall in Kaufbeuren.

Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolbild)

Gibt es „anrüchige Tätigkeiten“ und „Prostitutionsveranstaltungen“ in Kaufbeuren? Die Kriminalpolizei geht schon länger einem Verdacht nach.
16.03.2023 | Stand: 09:30 Uhr

Von „anrüchigen Tätigkeiten“ und „Prostitutionsveranstaltungen“ ist die Rede in einem Schreiben, das ein besorgter Bürger aus Kaufbeuren an die Polizei, das Ordnungsamt und unsere Redaktion geschickt hat. Seine Vorwürfe richten sich gegen eine Einrichtung, die in der Stadt ein Gewerbe angemeldet hat.

„Es war uns nicht neu“, sagt Thomas Zeh, Ordnungsreferent der Stadt Kaufbeuren, angesprochen auf den Verdacht. Das Ordnungsamt der Stadt habe sich bereits vor dem Schreiben mit der Sache befasst. Da es sich mutmaßlich um Prostitution handelt, sei die Kriminalpolizei zuständig.

Auch dort habe man die Einrichtung bereits im Visier. Wie ein Kripo-Beamter gegenüber unserer Redaktion bestätigt, wurde schon vor dem Brief in dem Fall ermittelt. Die Sicherheitsbehörden seien informiert. Bisher gebe es aber noch keine konkreten Beweise, die den Verdacht bestätigen – darum gelte die Unschuldsvermutung.

Im Internet wird auf das Angebot von sexuellen Handlungen verwiesen

Ein Blick auf die Internetseite der Einrichtung legt den Verdacht jedoch durchaus nahe, dass es sich um zwielichtige Geschäfte handeln könnte. Wer die Homepage studiert, landet in einem undurchsichtigen Netz verschiedener Seiten und Vereine, die aufeinander verlinken und füreinander werben. Das Impressum verrät, dass immer die selben Personen dahinterstecken. Mit blumigen Worten wird dort online das Angebot verschiedener sexueller Handlungen umschrieben, die man offensichtlich buchen kann.

Aber handelt es sich dabei wirklich um Prostitution? Das herauszufinden und zu beweisen, sei nicht immer ganz leicht, wie der Ermittler erklärt. Der springende Punkt sei die Profitorientierung. Sobald jemand – meist ein Hintermann – gewerbsmäßig sexuelle Dienste vertreibt, handelt es sich um Prostitution. Geschieht das gegen den Willen der Beteiligten, ist es Zwangsprostitution. Dann gehe es strafrechtlich in Richtung Menschenhandel, erklärt der Beamte.

In Kaufbeuren ist Prostitution illegal

Prostitution ist in Kaufbeuren nach wie vor verboten. Das hat die Regierung von Schwaben 1980 in einer Verordnung erlassen. In Städten unter 30.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist Sexarbeit prinzipiell illegal, über dieser Grenze können die Kommunen selbst entscheiden. In Kempten und Neu-Ulm etwa ist das Rotlicht-Gewerbe legal – in der Wertachstadt nicht.

Was nicht bedeutet, dass es hier keine Prostitution gibt. Zuletzt sind die Fallzahlen in der Region laut Pressestelle des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West stark gestiegen. Gab es bis 2017 jährlich etwa ein Dutzend Anzeigen, waren es 2020 knapp 100 im gesamten Präsidiumsbereich. In Kaufbeuren laufe Prostitution laut Kripo häufig übers Internet. Auf Plattformen bieten Frauen online ihre Dienste an.

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