Gedenkveranstaltung in Kaufbeuren

„Das waren Morde an kranken Menschen“: Schüler erinnern an Euthanasie-Opfer

Krankenpflegeschüler legten am Gedenkstein für die NS-Euthanasieopfer am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren einen Kranz nieder.

Krankenpflegeschüler legten am Gedenkstein für die NS-Euthanasieopfer am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren einen Kranz nieder.

Bild: Mathias Wild

Krankenpflegeschüler legten am Gedenkstein für die NS-Euthanasieopfer am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren einen Kranz nieder.

Bild: Mathias Wild

In Kaufbeuren wurde an die Euthanasieopfer der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren erinnert. Pflegeschüler trugen Aussagen von Beschuldigten vor.
04.07.2022 | Stand: 19:00 Uhr

Zur Gedenkveranstaltung für die während der NS-Diktatur ermordeten Patienten kamen am Montag Bürgerinnen und Bürger am Gedenkstein vor der Thomaskirche auf dem Gelände des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren (BKH) zusammen.

Gedenkveranstaltung in Kaufbeuren: Schüler legen Kranz nieder

Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule für Krankenpflege legten dort einen Kranz nieder. Die Jugendlichen haben sich im Unterricht mit den Praktiken der Patientenmorde auseinandergesetzt. In der Thomaskirche trugen sie Aussagen von damaligen Pflegekräften der Heil- und Pflegeanstalt vor, die diese bei ihren Prozessen gemacht hatten. Viele der damaligen Beschuldigten seien Angehörige des Pflegepersonals gewesen, sagte Dr. Petra Schweizer-Martinschek, die sich am BKH mit dem Historischen Archiv auseinandersetzt und einen Überblick über ihre Arbeit gab.

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Pflegekräfte versteckten sich hinter ihren Vorgesetzten

Sie alle versteckten sich hinter den Anordnungen ihre Vorgesetzten. Manchen sei zugesichert worden, dass sie für ihre Taten nicht zur Verantwortung gezogen werden könnten. Andere gaben an, dass sie Angst gehabt hätten, bei Weigerung selbst in ein KZ eingeliefert zu werden. Eine Schwester brachte damals vor, die Patienten von ihrem Leiden erlöst zu haben und gab an, dass sie bei der Tötung keine Schmerzen hatten.

Morde an kranken Menschen

„Das waren Morde an kranken Menschen“, sagte Dr. Albert Putzhammer, Ärztlicher Direktor des BKH, in aller Deutlichkeit. „Das Erinnern ist uns Verpflichtung.“ Aus heutiger Sicht sei es eine Selbstverständlichkeit, dass im Mittelpunkt des staatlichen Schutzauftrages die Menschenwürde stehe, sagte Oberbürgermeister Stefan Bosse. „Gelungen ist dieser Schutz auf der Basis bitterster Erfahrungen in unserem Land.“ Stefan Mohr an der Orgel und Georg Hiemer an der Trompete sorgten für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung.

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