Finanzspritze

Kaufbeuren spannt Rettungsschirm über Kulturschaffenden auf

Das Kaufbeurer Podium hat Coronahilfe beantragt. Derzeit erledigen Paul Meichelböck (links) und Peter Brosche kleinere Wartungsarbeiten in den Räumen der Kleinkunstbühne, denn Veranstaltungen können dort wohl noch bis zum Herbst nicht stattfinden.

Das Kaufbeurer Podium hat Coronahilfe beantragt. Derzeit erledigen Paul Meichelböck (links) und Peter Brosche kleinere Wartungsarbeiten in den Räumen der Kleinkunstbühne, denn Veranstaltungen können dort wohl noch bis zum Herbst nicht stattfinden.

Bild: Mathias Wild

Das Kaufbeurer Podium hat Coronahilfe beantragt. Derzeit erledigen Paul Meichelböck (links) und Peter Brosche kleinere Wartungsarbeiten in den Räumen der Kleinkunstbühne, denn Veranstaltungen können dort wohl noch bis zum Herbst nicht stattfinden.

Bild: Mathias Wild

Durch die Corona-Krise sind viele Akteure in finanzielle Bedrängnis geraten. Wie viel Geld die Stadt gibt und wer davon profitiert
16.06.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Nicht nur mit „warmen Worten“, sondern mit einem eigenen Fördertopf will die Stadt Kaufbeuren der hiesigen Kulturszene in Corona-Zeiten unter die Arme greifen. Der Schul-, Kultur- und Sportausschuss des Stadtrates bewilligte bei seiner jüngsten Sitzung dafür einstimmig 25000 Euro. Das Geld fließt allerdings nicht zusätzlich in den Etat der städtischen Kulturabteilung, sondern wird durch Umschichtungen locker gemacht, wie deren Leiter Günther Pietsch erläuterte.

Ungewöhnlich hohe Summe

Pietsch betonte, dass ein solcher Fördertopf für eine Kommune von der Größe Kaufbeurens „eher ungewöhnlich“ sei. Doch die Stadt wolle den Kulturschaffenden, die durch die Krise finanziell in Bedrängnis kommen, „zur Seite stehen“. Antragsberechtigt sind Akteure der Kaufbeurer Szene, die bisher schon eine institutionelle Förderung der Stadt erhalten und ihre Veranstaltungen „zum überwiegenden Teil“ in der Wertachstadt durchführen, oder solche, die den bisherigen Förderrichtlinien entsprechend einen Zuschuss erhalten könnten. Übersteigt die beantragte Summe die bereitgestellten 25000 Euro, gibt es anteilige Abschläge. Die Antragsteller müssen nachweisen, dass ihnen seit Beginn der Corona-Einschränkungen Defizite entstanden sind und ihre Rücklagen dafür nicht mehr ausreichen. Dies gilt, laut Pietsch, vor allem für Institutionen, die Gastspiele und Künstler nach Kaufbeuren holen und entsprechende Vorauszahlungen und Fixkosten aufbringen müssen. Als Beispiele nannte er den Kulturring oder auch die Kleinkunstbühne Podium, die die Stadt in einem Schreiben bereits auf ihre finanzielle Notlage hingewiesen hat.

Wer vom „Rettungsschirm“ der Stadt profitieren will, müsse zudem den Nachweis bringen, dass er sich auch schon um entsprechende Gelder aus Töpfen des Bundes oder des Freistaats bemüht hat. Auf die Frage von Peter Kempf (Freie Wähler), ob die 25000 Euro ausreichend seien, meinte Pietsch, dass „wir da gut hinkommen“. Freilich berge die Corona-Situation momentan viele Unsicherheiten, insbesondere was die Dauer der Einschränkungen angeht. „Für drei Jahre reichen die 25000 Euro sicher nicht“, sagte der Kulturabteilungsleiter.

Kontakt nicht abreißen lassen

Seine Abteilung stehen den Akteuren schon seit Beginn der Krise mit Rat und Tat zur Seite, Stornierungen bereits gebuchter städtischer Veranstaltungsräume seien kostenlos möglich und das Internet-Kulturangebot „Coronale“ (wir berichteten) habe geholfen, den Kontakt zwischen Kulturakteuren und Publikum nicht ganz abreißen zu lassen, betonte Pietsch. Vor allem aber rüttle die Stadt trotz aller Unwägbarkeiten bei der Entwicklung der Finanzen nicht an den zugesagten Zuschüssen für die Kulturszene. Zwei entsprechende Förderanträge standen auch auf der Tagesordnung der Sitzung: 4448 Euro bewilligten die Räte für die Macher der Ausstellung „Zwischenkunst und Raum“ in den ehemaligen Geschäftsräumen der Firma Geyrhalter. Wegen der Corona-Krise musste dieses Projekt mit „beachtlicher künstlerischer Qualität“, das zur Belebung der Innenstadt beigetragen hat, vorzeitig abgebrochen werden, berichtete Pietsch. Wegen der Pandemie gar nicht erst angelaufen ist ein Ausstellungsprojekt der Architektengruppe Supertecture im Stadtmuseum. Es soll im Herbst nächsten Jahres nachgeholt werden. Wegen der bereits angefallenen Kosten wurde aber beschlossen, einen Festbetrag von 2500 Euro sofort zu gewähren und einen Fehlbetrag von bis zu 2500 Euro nach der Schau auszugleichen.

„Wumms für das Kulturleben“

Zustimmung signalisierte Pietsch für die Wortbeiträge etlicher Ausschussmitglieder, die weitere Maßnahmen zur Wiederbelebung der Kultur in der Stadt forderten. Um „einen Wumms für das Kulturleben“ zu setzen sei außer Geld noch mehr nötig. Was genau, müsse nun gesondert diskutiert werden. Der Kulturabteilungsleiter könnte sich vorstellen, das momentan kaum bespielbare Stadttheater Musikkapellen für den Probebetrieb zur Verfügung zu stellen. Holger Jankovsky (Grüne) regte an, die geplante Sanierung des Theatersaals vorzuziehen, um die den Stillstand durch Corona sinnvoll zu nutzen und die Spielstätte nicht später für die Arbeiten wieder schließen zu müssen. Diesen Gedanken habe man im Rathaus auch schon verfolgt, berichtete Wirtschafts- und Kulturreferentin Caroline Moser. Aber ein entsprechender Planungsauftrag erfordere viele Vorgespräche und sei „nicht von heute auf morgen“ zu machen.

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