Jubiläum

Kaufbeurer Arbeitskreis Asyl blickt auf 30 Jahre zurück

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Eine ehemalige Asylbewerberin aus Nigeria, die seit acht Jahren in Kaufbeuren lebt, steuerte Lieder aus ihrer Heimat zum Eröffnungsprogramm bei.

Bild: Katharina Gsöll

Eine ehemalige Asylbewerberin aus Nigeria, die seit acht Jahren in Kaufbeuren lebt, steuerte Lieder aus ihrer Heimat zum Eröffnungsprogramm bei.

Bild: Katharina Gsöll

Eine Ausstellung stellt die Schicksale einiger der rund 2000 Geflüchteten vor, die der Arbeitskreis bisher betreut hat. Wie die Schau entstanden ist.

02.08.2020 | Stand: 12:23 Uhr

Flucht und Migration beschäftigen Politik, Gesellschaft und Medien heute noch genauso sehr wie im Jahr 1990, als der Arbeitskreis (AK) Asyl in Kaufbeuren gegründet wurde – vielleicht sogar noch mehr als damals. Denn in den 30 Jahren, in denen die ehrenamtlichen Helfer insgesamt rund 2000 Geflüchtete verschiedenster Nationalitäten betreut haben, sei die Zahl der Menschen auf der Welt, die auf der Flucht sind, etwa auf das Doppelte gestiegen, sagte Günter Kamleiter, Sprecher des AK, bei der Eröffnung einer Ausstellung zum Jubiläum in der Kaufbeurer Dreifaltigkeitskirche. All diese 2000 Menschen, die ihm und seinen Mitstreitern in dieser Zeit begegnet sind, hätten ihre eigenen Geschichten dabei gehabt. Traurige Geschichten, die von Krieg, Diktatur, Menschenrechtsverletzungen, Angst vor Ermordung geprägt waren.

Enttäuschung und Zuversicht

Und doch seien darunter auch viele Entwicklungen gewesen, die ihn zuversichtlich stimmen. „Sie haben uns sensibel gemacht“, sagte Kamleiter in der Kirche, die mit rund 60 Gästen angesichts der Corona-Abstandsregeln gut besetzt war. Einige dieser Schicksale werden in der Ausstellung beleuchtet, stellvertretend für all die vielen anderen. Die Arbeit der Hunderten Engagierten, die im Lauf der Jahre im AK mitgewirkt haben, sei bisweilen frustrierend gewesen, etwa wenn sie es mit menschenverachtenden Unterkunftsleitern oder abweisenden Behördenmitarbeitern zu tun hatten. Aber es habe auch andere Beispiele gegeben. Menschen, die Mitgefühl gezeigt und Unterstützung angeboten hätten. Vor allem aber geht es in der Ausstellung um die Menschen, die der AK begleitet hat. Darunter sind Erfolgsgeschichten, wie die einer gemischt-ethnischen Familie, die im Krieg in Bosnien wie in Serbien unerwünscht war und nach Deutschland geflohen ist. Sie stand kurz vor einer Aufnahme in Kanada, doch deutsche Behörden wollten sie sofort abschieben. In Kaufbeuren wurde der Familie Kirchenasyl gewährt, heute lebt sie in Kanada. Die älteste Tochter arbeitet inzwischen als qualifizierte Polizeipsychologin und hat Kaufbeuren vor ein paar Jahren besucht. Andere Geschichten machen wenig Hoffnung. Nicht immer kann eine Abschiebung verhindert werden, andere Geflüchtete reisen „freiwillig“ aus. Und wieder andere schafften es nicht einmal, das Ziel ihrer Flucht zu erreichen, weil sie vorher im Mittelmeer ertrinken. Bürgermeister Oliver Schill bescheinigte dem AK in seinem Grußwort, „auf sympathische Weise unbequem“ zu sein. „Sie weisen kompromisslos auf Missstände hin, damit unser Wertekompass nicht die Orientierung verliert, norden uns sozusagen immer wieder ein“, sagte Schill.

"Flüchtige Notizen"

Gründungsmitglied Wiltrud Fleischmann, die „Mutter des Arbeitskreises Asyl“, wie Uschi Gollmitzer sie bezeichnete, hat viele ihrer Erlebnisse mit Geflüchteten in losen Notizen aufgeschrieben und gesammelt. Eigentlich nur für sich selbst, um einen Überblick zu behalten. Andere AK-Mitglieder haben Fleischmann nun überredet, ihre Eindrücke einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie in dem kleinen Büchlein „Flüchtige Notizen“ zusammenzufassen, das nun erschienen ist.

Die Ausstellung „30 Jahre Arbeitskreis Asyl“ kann noch bis Ende Oktober in der Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren besucht werden. Die Kirche ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.