Wiederaufbau der "Hasenfärbe"

Kaufbeurer Heimatverein findet: "Originale Rekonstruktion ist weder machbar noch sinnvoll"

Wie soll die "Hasenfärbe" nach dem Großbrand wieder aufgebaut werden? Diese Frage beschäftigt auch den Kaufbeurer Heimatverein.

Wie soll die "Hasenfärbe" nach dem Großbrand wieder aufgebaut werden? Diese Frage beschäftigt auch den Kaufbeurer Heimatverein.

Bild: Mathias Wild

Wie soll die "Hasenfärbe" nach dem Großbrand wieder aufgebaut werden? Diese Frage beschäftigt auch den Kaufbeurer Heimatverein.

Bild: Mathias Wild

Der Wiederaufbau des Färberhauses bietet große Chancen, sagt Dr. Ulrich Klinkert. Doch: Wie könnte der aussehen?
04.02.2021 | Stand: 17:37 Uhr

Der verheerende Brand der „Hasenfärbe“ hat eine klaffende Lücke im Kaufbeurer Stadtbild hinterlassen. „Erst der Verlust macht sichtbar, was man gehabt hat. Die Wahrheit dieses bitteren Satzes wurde jetzt jedem vor Augen geführt“, sagt Dr. Ulrich Klinkert. Auch wenn sich viele Bürger das Färberhaus der vergangenen Jahre zurückwünschen, sprechen sich der Zweite Vorsitzende des Wertachstädter Heimatvereins und der Architekt Herwig Meese für eine andere Lösung aus – für einen Weg, der die Tradition zwar respektiert, jedoch nicht kopiert. Wir haben mit Klinkert über diese Vorstellung gesprochen.

Herr Klinkert, wie soll der Wiederaufbau der „Hasenfärbe“ aussehen?

Dr. Ulrich Klinkert: Zunächst ist das natürlich die Angelegenheit der Eigentümer. Gleichwohl muss auch die Stadtgesellschaft rechtzeitig ihre berechtigten Interessen deutlich machen. Der Seufzer „Wie schön wäre es, wenn die 'Hasenfärbe' wieder dastünde“ ist aus dem Moment heraus verständlich, eine originale Rekonstruktion aber weder machbar noch sinnvoll.

Bilderstrecke

Färberwinkel-Haus in Kaufbeuren: Aufräumarbeiten nach Brand laufen

Weshalb?

Klinkert: Nicht machbar ist sie, weil es keine Baupläne gibt. Man weiß nicht, wie genau der Dachstuhl ausgesehen hat. Nicht sinnvoll ist sie, weil bei einem Eins-zu-eins-Nachbau oft eine Fälschung herauskommt. Wollen Sie eine Welt, in der alles aus zweiter Hand ist? Oder eine, in der man sieht, dass das Gebäude aus dem 21. Jahrhundert stammt, aber die Tradition im Charakter bewahrt?

Lesen Sie auch
Der Dachstuhl des Färberhauses in der Ganghoferstraße ist am Sonntagabend von einem Feuer komplett zerstört worden.
Feuer in Kaufbeuren

Zerstörtes Färberhaus: Nur noch ein Stumpf aus Mauerresten

Was schlagen Sie statt einer originalen Rekonstruktion also vor?

Klinkert: Sehr zu begrüßen wäre eine schöpferische Wiederherstellung, die die Erinnerung an das zerstörte Gebäude und dessen historische Funktion wachhält, die aber auf elegante moderne Weise in ihrer Gestaltung auch überraschen darf. Jetzt wäre die Stunde kluger Architekten, die sich in einem Wettbewerb messen könnten und die Stunde der Verwaltung und der Behörden, die mit klaren Vorgaben einen festen Rahmen geben müssen. Bei so einem markanten Punkt in direkter Nähe der Altstadt muss mehr gemacht werden als mutloses Mittelmaß.

Wie sollte eine Stadt generell mit ihrem architektonischen Erbe umgehen?

Klinkert: Sehr sorgfältig. Zu diesem Erbe gehören aber nicht nur die „Highlights“, sondern gerade auch die Bauten, die vom Alltagsleben eines Ortes auf charakteristische Weise erzählen – wie beispielsweise die Färberhäuser. Diese Wertschätzung darf sich aber nicht nur auf verlorene Gebäude beziehen, sie muss viel mehr Häusern oder Häusergruppen gelten, die noch stehen und die man nicht aufgeben sollte. Das Stichwort „Eisenbahnerhäuser“ in der Füssener Straße mag hier genügen.