Trotz Pandemie

Kaufbeurer Kirchenmusiker wollen kulturelle Akzente setzen

Der katholische Dekanatskirchenmusiker Stefan Mohr (Foto) veranstaltet zusammen mit dem evangelischen Kirchenmusikdirektor Traugott Mayr während der Fastenzeit eine Reihe von Andachten mit Orgelmusik in den Kaufbeurer Innenstadtkirchen.

Der katholische Dekanatskirchenmusiker Stefan Mohr (Foto) veranstaltet zusammen mit dem evangelischen Kirchenmusikdirektor Traugott Mayr während der Fastenzeit eine Reihe von Andachten mit Orgelmusik in den Kaufbeurer Innenstadtkirchen.

Bild: Mathias Wild

Der katholische Dekanatskirchenmusiker Stefan Mohr (Foto) veranstaltet zusammen mit dem evangelischen Kirchenmusikdirektor Traugott Mayr während der Fastenzeit eine Reihe von Andachten mit Orgelmusik in den Kaufbeurer Innenstadtkirchen.

Bild: Mathias Wild

An den Samstagen in der Fastenzeit gibt es musikalische Andachten in den beiden Innenstadtkirchen. Zum Abschluss steht ein besonderes Werk auf dem Programm.
13.02.2021 | Stand: 11:30 Uhr

Während die einen noch den größtenteils ausgefallenen Fasching beklagen, planen Traugott Mayr und Stefan Mohr schon deutlich darüber hinaus. Unter dem Titel „Orgelmeditation – Musikalische Andacht – 30 Minuten Orgelmusik und geistliche Impulse“ haben der evangelische Kirchenmusikdirektor und der katholische Dekanatskirchenmusiker in Kaufbeuren ein musikalisch-spirituelles Angebot in der Fastenzeit vorbereitet. Jeden Samstag zwischen Aschermittwoch und Palmsonntag gibt es um 12 Uhr abwechselnd in St. Martin und in der Dreifaltigkeitskirche Andachten, in deren Mittelpunkt zur Vorbereitungszeit auf Ostern passende Orgelwerke aus ganz unterschiedlichen Epochen stehen. Dazu tragen Geistliche der beiden Gotteshäuser besinnliche Texte vor.

"Die Leute lechzen nach Musik"

Ganz neu sei die Idee freilich nicht, berichten Mayr und Mohr. Entsprechende Reihen mit musikalischen Andachten, insbesondere im Advent, gebe es schon seit Langem. „Und wir würden das sicher auch ohne Corona so machen“, betont Mayr. Aber während der nun wegen der Pandemie wieder verlängerten kulturellen Zwangspause bekomme so eine Reihe noch eine andere Bedeutung. „Die Leute lechzen nach Musik“, sagt Mohr, „wieso sollten wir da diese kleine Chance nicht nutzen?“ Allerdings stellen beide Kirchenmusiker klar, dass es sich bei den Veranstaltungen nicht um Konzerte – womöglich unter Ausnutzung der Privilegien der Kirchen während des Lockdowns – handelt, sondern um „Andachten mit dem Schwerpunkt Musik“.

Auch Unerhörtes im Programm

Bei der Programmgestaltung griffen die Experten auf die, laut Mayr, „umfangreiche Literatur“ zurück, die für die Thematiken und Gottesdiensten in der Fastenzeit gibt. „Diese Zeit hat ja seit jeher eine Dramaturgie“ hin zur Feier des Leidens und der Auferstehung Christi in den Ostertagen, erläutert Mohr. Johann Sebastian Bach ist in den Programmen der jeweils halbstündigen Andachten stark vertreten, aber auch Komponisten der Romantik und neuere Sakralmusik. „Da ist jedes Mal auch was dabei, das man noch nicht gehört hat“, verspricht Mayr.

Gelebte Ökumene

Dass die Andachten abwechselnd in den beiden großen Innenstadtkirchen stattfinden, habe natürlich mit deren „hervorragenden Instrumenten“ zu tun, die sich quasi „in Schneeballwurfweite“ befinden. Diese üppige Ausstattung mit hochkarätigen Orgeln auf relativ kleinem Raum, fasziniere ihn immer noch, obwohl er jetzt schon einige Monate in der Wertachstadt tätig ist, sagt Mohr. Die Zusammenarbeit bei der Andachtsreihe stehe aber auch in der Tradition der gelebten Ökumene in Kaufbeuren. „Das ist schon fast selbstverständlich“, berichtet Mayr – „aber beileibe nicht überall“, wie Mohr auch bei seiner langjährigen Tätigkeit als Kirchenmusiker erfahren hat.

Vor dem Vergessen bewahrt

Den vielen Verbindungen, die sich dabei ergeben haben, ist es auch zu verdanken, dass zum Abschluss der Reihe am Palmsonntag ein besonderes Werk erklingt: Ein Orgelkreuzweg („Via Crucis“, op. 168) des belgischen Komponisten Jean-Marie Plum (1899 bis 1944). Diese halbstündige, „durchaus eindrucksvolle“ Komposition hat ein Freund von Mohr wiederentdeckt und vor dem Vergessen bewahrt. Dem Ordensmann Plum lag die künstlerische Erneuerung der Kirche am Herzen. In seinen Kompositionen versuchte er, die überkommene Sakralmusik mit der romantischen Tonsprache seiner Zeit zu verbinden. So auch bei seiner in den ersten Monaten des Zweiten Weltkriegs entstandenen Passions-Vertonung.

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