Humorvolle Kritik

Kaufbeurer Plakatsprüche zeigen, wie absurd Verschwörungstheorien sind

SJR Plakate zu Verschwörungstheorien

Kaiser Maximilian, der Osterhase, der Nikolaus und die kleine Fee – sie sind in der Stadt gerade überall zu sehen. Hintergrund ist eine Plakatkampagne, die sich auf humorvolle Weise mit Verschwörungstheorien auseinandersetzt.

Bild: Mathias Wild

Kaiser Maximilian, der Osterhase, der Nikolaus und die kleine Fee – sie sind in der Stadt gerade überall zu sehen. Hintergrund ist eine Plakatkampagne, die sich auf humorvolle Weise mit Verschwörungstheorien auseinandersetzt.

Bild: Mathias Wild

Sie klingen abstrus und doch sind viele von ihnen überzeugt. Verschwörungstheorien erleben gerade einen Aufschwung. Wie Kaufbeurer das Phänomen hinterfragen.

07.07.2020 | Stand: 19:40 Uhr

Wer an dem grünen Plakat in der Kaufbeurer Innenstadt vorbeigeht, liest, was darauf steht, wird sich wohl wundern, vielleicht kurz schmunzeln: „Kaiser Maximilian ist Schuld, dass es im Allgäu so viele Berge gibt.“ Was es damit auf sich hat? „Wir möchten mit unserer Kampagne, die auf den ersten Blick lustig wirkt, auf ein ernstes Thema aufmerksam machen“, erklärt Kilian Herbschleb vom Stadtjugendring. Eines, das zwar nicht neu ist, jedoch durch die Corona-Pandemie gerade einen Aufschwung erlebt: Verschwörungstheorien. Vier Motive haben sich die Organisatoren des Stadtjugendrings und der städtischen Abteilung Kaufbeuren-Aktiv bisher überlegt. Zu sehen sind sie nicht nur auf Plakaten in der Stadt, sondern auch in den Sozialen Netzwerken. 

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Minderheiten werden diskriminiert

Mal wird Microsoft-Gründer Bill Gates zu einer Art Super-Schurke, der die Corona-Pandemie nutzt, um letztlich die Weltherrschaft an sich zu reißen. Mal versuchen Regierungen, die Demokratie abzuschaffen oder Zwangsimpfungen durchzusetzen. Die kruden Theorien sind vielfältig, was sie jedoch oft gemein haben: „Minderheiten werden beschuldigt, irgendetwas getan zu haben“, sagt Herbschleb. Wer darüber nachdenke, merke aber schnell: „Das kann gar nicht sein.“ Und dennoch: „Immer wieder müssen Menschen Diskriminierung erleben, nur weil sie einer Minderheit angehören. Das widerspricht jedoch nicht nur den Grundsätzen eines menschlichen Miteinanders, sondern auch den demokratischen Grundsätzen unseres Landes.“

Die Organisatoren haben sich dafür entschieden, die Opfer der Theorien, die grundlos Beschuldigten, in das Zentrum der Kampagne zu stellen – jedoch ohne sie selbst in irgendeiner Weise anzugreifen. Deshalb zieren nun fiktive und historische Figuren die Plakate, wie eben Kaiser Maximilian, der Nikolaus oder die kleine Fee.

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Coronavirus sorgt für Unsicherheit

Woran liegt es eigentlich, dass Verschwörungstheorien zurzeit so weit verbreitet sind? Eine schwierige Frage, mit der sich gerade viele Experten beschäftigen, entgegnet Herbschleb. Wirklich beantworten könne er sie nicht, nur davon berichten, was er selbst erlebt. „Es hat immer etwas mit Unsicherheit zu tun.“ Und durch das Coronavirus seien gerade sehr viele Menschen verunsichert. Was sie wiederum empfänglicher mache für Konzepte, „die das Leben auf einfache Art und Weise erklären“.

Herbschleb habe den Eindruck, dass Jugendliche weniger auf die Verschwörungstheorien anspringen als Erwachsene. „Die Jugendlichen wachsen mit den digitalen Medien auf und wissen genau, welchen Quellen sie trauen können und welchen nicht.“ Nichtsdestotrotz bestehe die Gefahr, dass junge Menschen prominenten Vorbildern nacheifern, die selbst schräge Theorien verbreiten. „Man darf die Jugend nicht vergessen, so wie sie in den letzten Wochen oft vergessen wurde“, sagt Herbschleb.

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"Kaufbeuren lebt" am 15. Juli auf dem Tänzelfestplatz

Neben der Plakatreihe wird es auch eine Veranstaltung geben. „Wir möchten mit einem ansprechenden und tollen Bühnenprogramm mit Livemusik, Theater und Film auf dieses komplexe Thema aufmerksam machen“, schildert Herbschleb. Bei „Kaufbeuren lebt“ werden am 15. Juli mehrere Musiker auftreten, darunter „Das Ding ausm Sumpf“, „Das Kitsch“ und die Newcomer „Five Minutes Late“. Der Kurzfilm „Zweite Haut“ wird zu sehen sein und das „Spot-Theater“ wird mit „Paaranoia – die Corona Edition“ improvisieren.

Fakten und Infos kämen auch nicht zu kurz, verspricht Herbschleb. Es soll darum gehen, „wie Verschwörungstheorien eigentlich genau funktionieren, wie sie aufgebaut werden und wem sie wirklich nutzen“. Der Abend auf dem Tänzelfestplatz ist Teil des „Live-Art-Festivals“.

Info: Die Plakatkampagne und „Kaufbeuren lebt“ werden im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert. Weitere Informationen gibt es im Internet, ebenso wie Tickets und Infos zur Veranstaltung.