Gerüchte und Berichte im Internet

Kein Hof für umstrittene Anastasia-Bewegung - Politiker auch gegen Pläne in Irsee

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Auch das scheinbar idyllische Bergdorf Irsee ist von Sonderbarkeiten nicht verschont. Doch das Gerücht, dort werde ein „Anastasia-Hof“ auf einem außerhalb gelegenen Areal (hinten links) errichtet, bewahrheitet sich wohl nicht.

Bild: Mathias Wild

Auch das scheinbar idyllische Bergdorf Irsee ist von Sonderbarkeiten nicht verschont. Doch das Gerücht, dort werde ein „Anastasia-Hof“ auf einem außerhalb gelegenen Areal (hinten links) errichtet, bewahrheitet sich wohl nicht.

Bild: Mathias Wild

In Irsee kursieren Gerüchte über einen geplanten Landsitz der umstrittenen „Anastasia-Bewegung“. Schon im Ober- und Westallgäu hatte es Wirbel gegeben.
04.12.2021 | Stand: 19:02 Uhr

Soll in Irsee ein Landsitz der umstrittenen „Anastasia-Bewegung“ errichtet werden? Gerüchte und Berichte im Internet zu diesen mutmaßlichen Plänen sorgen in der Gemeinde für Gesprächsstoff. Die sogenannte Anastasia-Bewegung gilt unter Rechtsextremismusexperten als antisemitisch, rassistisch und völkisch. Ähnliche Vorhaben hatten kürzlich bereits im Ober- und Westallgäu für Wirbel gesorgt. Dort hat sich der Initiator zwischenzeitlich von der Bewegung distanziert. Auch in Irsee weist die Frau, die hinter dem Vorhaben steht, gegenüber unserer Zeitung nun eine Nähe zu „Anastasia“ von sich.

Bürgermeister bitten zum Treffen

Bei Irsees Bürgermeister Andreas Lieb gingen zwischenzeitlich Anfragen zu dem Thema ein. Er habe deshalb ein Treffen mit seinen zwei Stellvertretern und der Frau anberaumt. „Wir haben ihr klar gemacht, dass wir so etwas nicht akzeptieren“, sagt Lieb. Der Rathauschef spricht in Bezug auf seine Ablehnung explizit von einem „völkischen Projekt“, sofern dieses geplant sei. „Die Frau hat sich in dem Gespräch von der Bewegung distanziert“, sagt er weiter.

Das unterstreicht auch die Kaufbeurerin auf Nachfrage: „Ich distanziere mich vollkommen davon.“ Berichten zufolge soll es einen Videoclip im Internet geben, in dem die Frau erklärt, was sie auf ihrer Wiese – insgesamt 1,25 Hektar in Eigenbesitz – in Irsee vorhat. Demnach wolle sie „neue Landschaften“ aus Liebe zur Natur erschaffen. Die Existenz des Videos leugnet sie nicht.

"Anastasia" gilt als antisemitisch und völkisch

Die Frau sagt darin auch, dass sie „Anastasia“ – ein Roman-Zyklus des russischen Autors Wladimir Megre – gelesen habe und dabei der „Traum“ von ihrer Landschaft geboren worden sei. Dass sie deshalb keine Berührungsängste mit rechtsradikalem Gedankengut habe, wie man ihr nun unterstellt, weist die Frau zurück. Die Reihe „Anastasia – Die klingenden Zedern Russlands“ des russischen Esoterikers beinhalten laut Bayerischem Landesamt für Verfassungsschutz „antisemitische und völkische Äußerungen“. Auch der Beauftragte für Sekten- und Weltanschauungsfragen der evangelischen Kirche in Bayern sieht die Bewegung wie berichtet kritisch.

Nur Interesse an wissenschaftlichen Erkenntnissen?

Die Kaufbeurerin möchte zwar nicht ausführlich darüber sprechen, aber die Sache habe sie mitgenommen. Dabei sei ihr Anliegen harmlos, beteuert die Ernährungswissenschaftlerin: „Ich habe ein rein wissenschaftliches Interesse an dem Land. Dafür habe ich Saatgut ausgebracht. Zum Beispiel: Wie schmecken Wilderdbeeren, die auf 850 Meter Höhe wachsen? Und die Wilderdbeeren schmecken gut.“ Bislang sind zwei mit Wällen begrenzte Areale entstanden, auf denen diverse Pflanzen wachsen. Ein konkretes Ziel ihrer Arbeit gebe es nicht: „Ich stehe noch am Anfang meiner wissenschaftlichen Studien.“

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Die ganze Aufregung um das Video verstehe sie nicht: „Was ist daran verkehrt, wenn man sich über Landwirtschaft aus verschiedenen Quellen informiert?“, fragt sie. „Die Anastasia-Bücher habe ich außerdem aus einer öffentlichen Bibliothek ausgeliehen.“ Mit der Bewegung habe sie sich darüber hinaus nicht befasst. Heute sagt sie: „Ich stimme dem zu, dass es eine völkische Bewegung zu sein scheint.“

Skepsis bleibt

Ihr selbst sei es nur um die Natur und die Tiere gegangen. Auf die Frage, ob sie die Angelegenheit nicht blauäugig angegangen sei und den Kontext ausgeblendet habe, obwohl sich „Anastasia“ offensichtlich im Bereich der sogenannten Blut-und-Boden-Ideologie bewegt, antwortet die Kaufbeurerin: „Wenn Sie das so sehen.“ Den Bürgermeister und seine Stellvertreter hat sie mit ihrer Erklärung nach noch nicht restlos überzeugt: „Wir werden das auf jeden Fall im Auge behalten“, versichert der Rathauschef - denn für so etwas sei in Irsee kein Platz mehr.

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