Coronavirus

Keine Panik vor Batmans Freunden

Was fliegt uns da an? Dracula? Keine Angst, die Fledermaus auf dem Walderlebnispfad beim Krumbad ist nur aus Metall.

Dass unsere einheimischen Fledermäuse Menschen mit Covid-19 anstecken, ist absolut ausgeschlossen, sagt Andrea Gimple vom Kaufbeurer Umweltamt. (Archivfoto)

Bild: Peter Bauer

Dass unsere einheimischen Fledermäuse Menschen mit Covid-19 anstecken, ist absolut ausgeschlossen, sagt Andrea Gimple vom Kaufbeurer Umweltamt. (Archivfoto)

Bild: Peter Bauer

Gefährliche Blutsauger und Virenschleudern - Fledermäusen wird Übles nachgesagt. Völlig zu Unrecht, sagt die Kaufbeurer Fledermausexpertin Andrea Gimple. Und erklärt, warum die Tiere besonderen Schutz brauchen.

05.06.2020 | Stand: 07:00 Uhr

In Horrorfilmen werden sie als blutrünstige Vampire dargestellt – und jetzt sollen sie auch noch gefährliche Virenschleudern sein. Durch die Corona-Pandemie sind Fledermäuse in Verruf gekommen. Völlig zu unrecht, sagt die Fledermausexpertin Andrea Gimple vom Kaufbeurer Umweltamt: „Dass unsere einheimischen Fledermäuse Menschen mit Covid-19 anstecken, ist absolut ausgeschlossen.“

Unterschiedlichste Coronaviren im Tierreich

Zwar sei der unmittelbare Ursprung von SARS-CoV-2 nicht zweifellos geklärt, genetisch ähnliche Viren finden sich aber nur bei Fledermäusen, die ausschließlich in China vorkommen. Es ist wahrscheinlich, dass das Virus in einem Wildtier seinen Ursprung hatte und sich schrittweise so verändert hat, dass es im Menschen Covid-19 auslösen und die Krankheit von Mensch zu Mensch übertragen konnte. „Unterschiedliche Coronaviren sind im Tierreich verbreitet, sie können zum Beispiel Kälberdurchfall auslösen“, sagt Gimple. Mit SARS-CoV-2 haben diese Erreger aber nichts zu tun, die Familie der Coronaviren sei groß. In Europa könnten Fledermäuse lediglich spezielle Tollwutviren übertragen, wenn man von ihnen gebissen wird. Das könne aber höchstens dann passieren, wenn man ein Tier anfasst, was kaum möglich sei, da die Fledermäuse sich von Menschen lieber fernhalten. „Durch ihre Ultraschallortung weichen sie allen Gegenständen aus“, erklärt Gimple.

Flattertiere und Menschen in friedlicher Koexistenz

Fledermäuse leben in Europa seit Jahrhunderten in menschlichen Siedlungen, ohne als Krankheitsüberträger eine Rolle zu spielen. In Kaufbeuren gibt es zum Beispiel eine Fledermaus-Wochenstube in der ehemaligen Landwirtschaftsschule. Die häufigsten Arten im Stadtgebiet sind Zwerg- und Bechsteinfledermäuse. Außerdem leben hier Wasserfledermauskolonien, zum Beispiel unter einer Brücke im Jordanpark. Weil die Tiere in der Wildnis immer weniger Wohnraum finden – etwa in hohlen Bäumen oder Felshöhlen – suchen sie Unterschlupf in Gebäuden.

Mücken und Motten auf der Speisekarte

„Wer Fledermäuse auf dem Dachboden hat, muss sich keine Sorgen machen, sondern sollte es positiv sehen“, sagt Gimple. Denn die Kleinsäuger halten Schädlinge in Schach, am liebsten fressen sie nachtaktive Insekten wie Motten und Stechmücken. Bis zu 2000 Mücken vertilgt eine Zwergfledermaus pro Nacht, das entspricht einem Drittel ihres Körpergewichts. In der ganzen Diskussion um Fledermäuse als Krankheitsüberträger werde oft vergessen, wie wichtig sie für die Landwirtschaft und die Natur sind. Doch nicht wenige sind vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste. „In der gesamten EU ist es strafbar, Fledermäuse zu töten und zu bekämpfen“, sagt Gimple. Statt die lautlosen Segler zu fürchten, solle man ihnen lieber helfen, etwa mit einem Fledermauskasten am Haus, wo sie sich einnisten können. Gimple rät, ein Brett darunter zu schrauben, damit kein Kot herunterfällt.

Fledermauskot als Blumen-Booster

Geht doch mal was daneben, können die Hinterlassenschaften einfach zusammengefegt und als Blumendünger verwendet werden – in Südamerika wird er in Fledermaushöhlen sogar professionell abgebaut und teuer verkauft. Wie alle Wildtiere sollte man auch Fledermäuse, wenn es überhaupt notwendig ist, nur mit Handschuhen anfassen. Das gleiche gilt natürlich für die Exkremente.

Die faszinierende Welt der Fledertiere wollte Gimple den Menschen eigentlich bei einer „Bat-Night“ im Rahmen des Kaufbeurer Umwelttages näherbringen, der aber wegen Corona abgesagt wurde. Dabei kommt unter anderem ein Bat-Detektor zum Einsatz. Das Gerät wandelt die hochfrequenten Laute der Fledermäuse in hörbare Töne um. Normalerweise ist die Ultraschall-Echoortung, mit der sich die Tiere orientieren, für den Menschen nicht wahrnehmbar. „Wir holen das nächstes Jahr nach“, verspricht Gimple.