Kaufbeuren

Klimagipfel im Rathaus

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Bild: wong

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Es sind Generationen, die aufeinander treffen: zwei junge Umweltschützerinnen, inmitten eines Kreises aus Vertretern der Stadtspitze. Ist es denn so, dass sie sich selbst im Alltag für den Klimaschutz engagieren, auch Abstriche machen?, fragt Baureferent Helge Carl. Auf jeden Fall, entgegnet Maike Lübbing (16) von der Kaufbeurer Fridays for Future-Gruppe. „Ich sehe in unserer Generation sehr viel Bereitschaft, Dinge zu lassen, die man gerne machen würde.“ Fliegen beispielsweise. Einige verzichten auch erst einmal auf den Führerschein, schauen, ob es mit Bus und Bahn klappt. Viele vermeiden Plastik, so gut es geht. Und lassen sich nicht mehr von ihren Eltern irgendwo hinfahren, fügt Lucia Hacker (18) hinzu. Nach vielen Debatten ist die Frage für die beiden nach wie vor: Was kann die Stadt tun? Darum geht es bei diesem Treffen im Rathaus.

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Von von Jessica Stiegelmayer
19.09.2019 | Stand: 17:03 Uhr

Eine Mülltrennung in öffentlichen Abfalleimern auf der Straße – das war eine der Forderungen, die der Stadtrat im April von den jungen Umweltschützern erhielt. Und auch ernst genommen hat, versichert Oberbürgermeister Stefan Bosse. Teils wurden sie in den einzelnen Ausschüssen und im Stadtrat schon besprochen, andere Debatten über die Wünsche stehen noch an. Aber zurück zur Mülltrennung, die es so nicht geben wird. Warum? Ökologisch lohne sich das nicht, erklärt Bosse. Der Müll werde zurzeit nachträglich getrennt und damit eine Sortierquote von 85 Prozent erreicht – eine Quote, die beim Einsammeln in separaten Behältern nicht erreicht wurde, das hätten frühere Versuche gezeigt, schildert Carl. Obendrein wäre es teurer und der logistische Aufwand höher. Dafür gebe es jetzt Aufkleber auf etwa 90 Prozent der Abfalleimer, die auf die nachträgliche Trennung hinweisen, erklärt der Baureferent. Denn die Stadt habe ja auch einen pädagogischen Auftrag. Die Aufkleber seien ihnen schon aufgefallen, entgegnet Hacker. „Wir wussten aber nicht, was dahinter steckt.“ Darauf ein Stadtwappen zu platzieren, wäre sicher gut gewesen, fügt die 18-Jährige hinzu. „So finde ich es schwer zu erkennen, ob das ein Aufkleber von der Stadt ist, oder ob das einfach irgendjemand da hingeklebt hat.“ Damit sei der Wahrheitsgehalt schwer zu überprüfen.

Was für viel Diskussion gesorgt hat, war die Entscheidung des Stadtrates gegen ein begrüntes Dach für das neue Kinder- und Familienzentrum in der Grünwalder Straße in Neugablonz. „Es ist schade, wenn man der Bevölkerung sagt: Es wäre schön, ein begrüntes Flachdach zu haben – die Stadt als Vorbild aber nicht vorangeht“, sagt Hacker. Mit diesem konkreten Fall werde sich der Stadtrat nochmals befassen, erklärt Bosse.

Und fügt hinzu: Auch wenn 60 000 Euro für das begrünte Dach im Vergleich zu der Gesamtsumme von sieben Millionen Euro gering erscheinen mögen, sei es trotzdem viel Geld. Damit ließe sich beispielsweise das Jahresgehalt eines Mitarbeiters der Stadtgärtnerei zahlen, ergänzt Carl. „Finanziell tut uns das auf jeden Fall weh, weil wir die 60 000 Euro dafür nicht eingeplant haben“, erklärt Bosse. Das heiße nicht, dass ein begrüntes Dach nicht sinnvoll sei – aber das Haushaltsvolumen sei begrenzt, daher müsse der Stadtrat leider jedes Jahr sinnvolle Projekte streichen.

Ebenfalls gewünscht hatten sich die Klimaschützer ein absolutes Halteverbot im Umkreis von 500 Metern rund um die Schulen. „Ein 500-Meter-Radius klingt erstmal nicht groß, ist aber gewaltig“, erklärt Bosse, betreffe beispielsweise auch Parkflächen in Wohngebieten. Das bringe natürlich nichts, gibt Hacker zu. Der Bring- und Holservice direkt vor den Schulen, die sogenannten Elterntaxis, sei ja das eigentliche Problem, sagt Bosse, das „allen zu schaffen macht“.

Wie lässt es sich also lösen? Eigentlich nur mit einem Verbot und sehr strengen Kontrollen oder baulichen Vorrichtungen, resümiert Bosse. „Wie wäre es zum Beispiel mit Geländern am Jakob-Brucker-Gymnasium?“, fragt Lübbing. Sodass Fahrer nicht mehr auf die Fläche vor der Schule kommen. Schwierig, entgegnet Carl, da dort auch Busse für Ausflüge halten. Herausnehmbare Poller seien vielleicht eine Lösung, aber gerade für Lieferdienste lästig.

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Von einer autofreien Innenstadt, ebenfalls eine der Forderungen, hält Bosse nichts. Die Händler hätten es schon so schwer genug, konkurrierten mit dem Internet, ebenso wie mit den Geschäften auf der grünen Wiese, die direkt vor der Tür einen Parkplatz haben. Andere Städte gingen bereits den umgekehrten Weg, ließen Autos wieder zurück in die Innenstadt. Auch Carl befürchtet, dass Händler aus der Innenstadt wegziehen, sollte die autofrei werden.

Nächstes Thema: Busfahren. „Gibt es denn eine Möglichkeit, den Öffentlichen Nahverkehr für die Jugend kostenlos zu machen?“, erkundigt sich Lübbing. „Ganz kostenfrei werden wir es nicht machen können“, antwortet Bosse. Aber er könne sich eine Vergünstigung vorstellen, ähnlich wie bei den Seniorentickets. Dann würde ein Einzelfahrschein statt 1,80 Euro nur noch 90 Cent kosten. „1,80 ist eigentlich für einen Jugendlichen schon heftig“, gesteht Bosse. Jedes Jahr gibt die Stadt eine halbe Million für die Fahrkartenbezuschussung aus, erklärt Wirtschaftsreferentin Caroline Moser. Wie viel die Vergünstigung die Stadt kosten würde, wolle sie prüfen.

Zehn Kaufbeurerinnen und Kaufbeurer planen zusammen einen Unverpackt-Laden in der Innenstadt gründen. Eine Nachricht, die Lübbing und Hacker sehr gefreut hat. „Könnte man diese Gruppe vielleicht irgendwie unterstützen?“, wollen die Umweltschützerinnen nun von der Stadtspitze wissen. „Wir haben nicht die Möglichkeit aus kommunalen Geldern irgendein Unternehmen zu unterstützen“, erklärt Moser. Das wäre wettbewerbsverzerrend. Dagegen könne die Stadt beraten und Kontakte vermitteln. Gemeinsam mit den Initiatoren des plastikfreien Geschäfts hätten sie auch schon versucht, passende Räumlichkeiten zu finden, berichtet Moser.