Häusliche Gewalt

Mann packt Frau am Hals – vor Gericht bezeichnet sie sich selbst als „hysterisch“

Wegen des Verdachts auf häusliche Gewalt war die Polizei bereits mehrmals zur Wohnung eines Ehepaares in Kaufbeuren gerufen worden.

Wegen des Verdachts auf häusliche Gewalt war die Polizei bereits mehrmals zur Wohnung eines Ehepaares in Kaufbeuren gerufen worden.

Bild: Jan-Philipp Strobel, dpa (Symbolbild)

Wegen des Verdachts auf häusliche Gewalt war die Polizei bereits mehrmals zur Wohnung eines Ehepaares in Kaufbeuren gerufen worden.

Bild: Jan-Philipp Strobel, dpa (Symbolbild)

30-Jähriger verletzt Ehefrau und wird vom Kaufbeurer Amtsgericht wegen häuslicher Gewalt verurteilt. Doch die Geschädigte versucht, ihn trotz mehrerer Vorfälle zu entlasten
11.11.2020 | Stand: 12:30 Uhr

Es war offenbar nicht das erste Mal, dass die Polizei wegen des Verdachts auf häusliche Gewalt zur Wohnung eines Ehepaares in Kaufbeuren gerufen wurde: Im Juli dieses Jahres soll der 30-jährige Ehemann seine Frau während eines Streits am Hals gepackt und ihr Rötungen sowie leichte Schmerzen zugefügt haben. Während sie sich nach mutmaßlichen früheren Vorfällen geweigert hatte, gegen ihren Mann auszusagen, war sie nun vor dem Amtsgericht Kaufbeuren zu Angaben bereit. Diese waren allerdings von dem Bemühen geprägt, ihren Mann zu entlasten und sich selbst als „hysterisch“ darzustellen.

Keine Zweifel an der Schuld des 30-Jährigen

Gleichwohl hatten nach der Beweisaufnahme weder die Staatsanwältin noch der Richter Zweifel an der Schuld des Angeklagten.

Er wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 30 Euro verurteilt, insgesamt also zu 3600 Euro. Das Urteil lag deutlich über dem vom Angeklagten angefochtenen Strafbefehl. Dieser hatte auf 60 Tagessätze zu je 25 Euro gelautet, insgesamt also auf eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro.

Angeklagter reagiert mit Unmut

Der Richter verwies im Urteil darauf, dass ein Strafbefehl von einem reuigen und geständigen Täter ausgehe. Der Angeklagte reagierte auf die Entscheidung mit sichtlichem Unmut. Es erschien deshalb wenig wahrscheinlich, dass er das Urteil akzeptieren wird. Laut seiner Version hatte er seine Frau im Streit von sich weggestoßen und versehentlich mit seinem Ring am Hals geritzt. Der Vorsitzende machte im Urteil kein Hehl daraus, dass er dies für „eine reine Schutzbehauptung“ hielt. Bei der Polizei war am fraglichen Tag ein Notruf der Ehefrau des Angeklagten eingegangen.

Angst um die Kinder

Wie sich der diensthabende Beamte als Zeuge vor Gericht erinnerte, habe die Frau zu ihm gesagt, sie sei gewürgt worden und habe Angst um ihre Kinder. In einer späteren ausführlicheren Aussage, die jetzt teilweise verlesen wurde, hatte die Frau erklärt, ihr Mann sei „ wie eine Bombe explodiert“ und habe sie „plötzlich am Hals gepackt und fest nach hinten gedrückt.“ Vor Gericht war die Zeugin jetzt darum bemüht, das Ganze herunterzuspielen. Sinngemäß gab sie an, ihr Mann habe sie aufhalten wollen und am Hals erwischt, als sie während des Streits an ihm vorbei gewollt habe. Als der Richter wissen wollte, warum sie denn dann die Polizei gerufen und einen Angriff geschildert habe, sagte sie: „Weil ich Angst vor ihm hatte.“

Während sie in ihrer polizeilichen Aussage noch von leichten Schmerzen gesprochen hatte, wollte sie nun keinerlei Beschwerden gehabt haben. Als ihr der Vorsitzende daraufhin klar machte, dass sie „mit einem Bein in einem Ermittlungsverfahren wegen falscher uneidlicher Aussage“ stehe, mischte sich der Angeklagte ein und verlangte, „meine Frau nicht unter Druck zu setzen.“ Der Richter ließ sich von diesem und anderen Zwischenrufen nicht aus dem Konzept bringen und verwies im Urteil darauf, dass die polizeiliche Aussage der Zeugin zu den Lichtbildern passe. Auf diesen seien auf beiden Seiten des Halses der Frau Rötungen zu erkennen.