Strafprozess

Marihuana im BH und in der Unterhose versteckt

Wegen mehrerer Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz musste sich ein junges Paar vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten. (Symbolfoto)

Wegen mehrerer Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz musste sich ein junges Paar vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten. (Symbolfoto)

Bild: Mathias Wild

Wegen mehrerer Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz musste sich ein junges Paar vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten. (Symbolfoto)

Bild: Mathias Wild

Ein junges Paar gesteht Pläne für Drogen-Verkauf vor dem Kaufbeurer Amtsgericht. Die Strafen fallen deshalb relativ milde aus.
24.01.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Im Rahmen einer Kontrolle am Füssener Bahnhof im August 2020 fand die Polizei bei einer 18-jährigen Ostallgäuerin und ihrem damals 17-jährigen Freund insgesamt 16 Gramm Marihuana.

Die junge Frau hatte das Rauschgift in ihrem BH versteckt, ihr Partner in seiner Unterhose. Bei der Hausdurchsuchung wurden weitere 66 Gramm entdeckt, schon portioniert und teilweise zum Weiterverkauf bestimmt. Im Strafprozess wegen vorsätzlichen unerlaubten Handels und Besitzes von Betäubungsmitteln war das Paar jetzt vor dem Kaufbeurer Jugendschöffengericht geständig und reuig.

Junge Frau kämpft mit den Tränen

Beide Angeklagte wirkten sehr mitgenommen. Die junge Frau kämpfte während der gesamten Verhandlung mit den Tränen und auch ihr Freund rang wiederholt um Fassung. Weil beide glaubhaft darlegen konnten, dass sich ihr Leben positiv entwickelt hat, kamen sie mit vergleichsweise milden Strafen davon. Die 18-Jährige wurde verwarnt und zu 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Der Vorsitzende des Jugendschöffengerichts machte ihr aber deutlich, dass sie bei erneuten Straftaten damit rechnen müsse, die Arrestanstalt „von innen kennenzulernen“. Weil die Angeklagte damals gerade erst 18 Jahre alt geworden war und noch zuhause wohnte, kam Jugendstrafrecht zur Anwendung, – ebenso wie auf ihren Freund, der zur Tatzeit noch Jugendlicher war. Der mehrfach und auch einschlägig vorbestrafte junge Mann wurde zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt. Zu seinen Bewährungsauflagen gehört insbesondere die Teilnahme an einer Drogentherapie.

Schwierige Kindheit

Das Gericht stellte bei ihm eine belastete Kindheit und Jugend in Rechnung. So musste er den frühen Tod seiner Mutter und ein sehr schwieriges Verhältnis zum Vater verkraften und hat offenbar erst bei der Familie seiner Freundin Akzeptanz und Halt gefunden.

Zwar hatten ihn die Eltern der jungen Frau nach der Durchsuchung des Hauses verwiesen, waren aber schließlich bereit, ihm eine zweite Chance zu geben.

Chef wusste Bescheid

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Auch mit seinem Lehrherrn hat der Angeklagte großes Glück. Der weiß vom Verfahren und unterstützt ihn, obwohl auch im Betrieb und in der Berufsschule Probleme gab. Nach Einschätzung der Jugendgerichtshilfe habe der Chef „viel Geduld gebraucht“. Mittlerweile hätten sich das Engagement und die Noten des Angeklagten stark verbessert.

Aus dem Bericht der Jugendgerichtshilfe ging hervor, dass sich der junge Mann und seine Freundin wohl nicht nur strafrechtlichen Konsequenzen werden stellen müssen: Bei beiden wurde die Führerscheinstelle informiert und wird möglicherweise eine Sperrfrist verhängen.

Auf die Angeklagten kommen auch finanzielle Folgen zu. Im Urteil wurde bei beiden die Einziehung von 900 Euro zugunsten der Staatskasse angeordnet. Der Geldbetrag war bei der Durchsuchung entdeckt worden und stammte nach Überzeugung des Gerichts aus Drogengeschäften. Beide Urteile sind rechtskräftig.