Medizin

Mehr Sicherheit für Mutter und Kind am Kaufbeurer Klinikum - doch der Personalnachwuchs fehlt

Frauenklinik-Chefärztin Dr. Daniela Dieterle (links), die beiden neuen Oberärzte Dr. Attila Amrein und Dr. Jörg Franke und Kinderklinik-Chefarzt Dr. Markus Rauchenzauner.

Frauenklinik-Chefärztin Dr. Daniela Dieterle (links), die beiden neuen Oberärzte Dr. Attila Amrein und Dr. Jörg Franke und Kinderklinik-Chefarzt Dr. Markus Rauchenzauner.

Bild: Harald Langer

Frauenklinik-Chefärztin Dr. Daniela Dieterle (links), die beiden neuen Oberärzte Dr. Attila Amrein und Dr. Jörg Franke und Kinderklinik-Chefarzt Dr. Markus Rauchenzauner.

Bild: Harald Langer

Die Frauen- und Kinderklinik in Kaufbeuren wollen in Zukunft noch enger zusammenarbeiten. Einige Neuerungen sind gelant, doch es gibt Hindernisse.

13.08.2020 | Stand: 07:35 Uhr

Die Frauen- und die Kinderklinik am Klinikum Kaufbeuren arbeiten bereits seit einigen Jahren eng zusammen. So versorgt die Gynäkologie als perinataler Schwerpunkt gemeinsam mit der Pädiatrie – vor allem mit dem Teilbereich der frühkindlichen Intensivstation – Frühgeburten ab der 32. Schwangerschaftswoche. Die enge Zusammenarbeit, die Sicherheit für Mutter und Kind, auch bei Risiko- und Hochrisikoschwangerschaften garantieren soll, werde stetig weiter ausgebaut, wie der Chefarzt der Pädiatrie Dr. Markus Rauchenzauner erklärt: „Weil in Kaufbeuren viele junge Familien leben, müssen wir hier auch eine gute gynäkologische und kinderärztliche Versorgung anbieten.“

Schwierige Suche nach Personal

Allerdings sei es gar nicht so leicht, qualifiziertes Personal dafür zu finden. Die Suche nach neuen Kollegen sei vor allem deshalb schwierig, weil die Kinderheilkunde stark überaltert ist und sich jüngere Kinderärzte oft lieber mit einer eigenen Praxis niederlassen, als in einer Klinik zu arbeiten. Das gleiche gelte in der Gynäkologie. Auch dort müsse man lange nach nicht niedergelassenen Fachärzten suchen. Trotzdem haben es beide Abteilungen jetzt geschafft, jeweils einen neuen Oberarzt zu gewinnen.

Ein Prozent der Babys mit Herzfehler geboren

Dr. Jörg Franke hat auf der Pädiatrie den Fachbereich Neonatologie, Kinder-Intensivmedizin und Kinderkardiologie übernommen. Der Spezialist, der bereits am Uniklinikum Großhadern, am Münchner Herzzentrum und zuletzt als Chefarzt in Reutte tätig war, erklärt: „Etwa ein Prozent der Babys kommt mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt.“ Viele Kliniken seien dann allerdings auf niedergelassene Ärzte angewiesen. Besser sei es aber, diese Kinder vor Ort zu versorgen, und „dazu braucht man einen Kinderarzt und Kardiologen in Personalunion“, sagt der 61-Jährige.

"Aufbruchstimmung" am Klinikum Kaufbeuren

Neu im Team von Dr. Daniela Dieterle, Chefärztin der Kaufbeurer Frauenklinik, ist der Gynäkologe Dr. Attila Amrein, der zuvor unter anderem in Budapest an einem Krankenhaus mit Zentrum für Frühgeburten ab der 23. Schwangerschaftswoche und in der größten Geburtsklinik Niederösterreichs mit über 2.000 Geburten pro Jahr gearbeitet hat. Dem 51-Jährigen gefällt die „Aufbruchsstimmung“ am Klinikum Kaufbeuren, wo immerhin etwa 950 Kinder im Jahr zur Welt kommen.

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Unsichere Mütter betreuen

Geplant ist aktuell die Einführung von Mutter-Kind-Zimmern ab Herbst dieses Jahres. Dort sollen Mütter, die nach der Geburt sehr unsicher sind, intensiv betreut werden – und zwar von beiden Abteilungen. „Damit wollen wir die Mütter entlasten, gerade wenn sie nach der Entbindung sehr erschöpft sind und ein großes Schlafbedürfnis haben“, erklärt Dierterle.

Außerdem können mit diesem Konzept Lücken geschlossen werden, „denn nicht alle Mütter sind nach der Geburt sofort in der Lage, ihr Baby richtig zu versorgen“, weit Dr. Jörg Franke. Es seien oft ganz grundlegende Fragen – wie funktioniert das Stillen, das Wickeln, was mache ich, wenn der Po wund ist und wann fällt der Nabelschnurstummel ab? Dabei wollen die beiden Teams den Frauen in Zukunft gemeinsam in einem geschützten Raum Support und Beratung anbieten.

Was ist Neonatologie?

  • Die Neonatologie ist der Spezialbereich der Kinder- und Jugendmedizin, der sich mit typischen Erkrankungen von Neugeborenen und der Behandlung von Frühgeborenen befasst.
  • Neonatologen betreuen Kinder, die bereits bei Geburt oder in den ersten Wochen danach krank sind bezieheungsweise werden.
  • Auch wenn eine Fehlbildung vorliegt, ist meist eine neonatologische Betreuung notwendig.
  • Diese umfasst neben Diagnose und Behandlung auch die Einschätzung der weiteren Entwicklung des Kindes.
  • Wenn sich bereits während der Schwangerschaft Risiken für Mutter oder Kind abzeichnen, folgt meist die Überweisung in Perinatalzentren, die auf die Betreuung solcher Fälle spezialisiert sind. Dort ist die Zusammenarbeit von Geburtshilfe und Neonatologie besonders eng.
  • Den Schwerpunkt der neonatologischen Arbeit bildet die Betreuung von Frühgeborenen – Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen. Durch die Weiterentwicklung der Neonatologie haben heute auch Kindern ab 23 Schwangerschaftswochen und einem Gewicht von unter 500 Gramm gute Überlebenschancen. Die intensivmedinische Unterstützung lebensnotwendiger Körperfunktionen erfolgt bei solange, bis das Neugeborene auf einem stabilen Level ist.

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