Tongrube Hammerschmiede

Menschenaffe Udo: Ausgrabungen werden zum steinigen Weg für die Forscher

Die Suche nach Udos Verwandten geht weiter: Seit 2018 lag eine Plane über der Fundstelle in der Hammerschmiede. Jetzt graben Forscher und Helfer dort wieder.

Die Suche nach Udos Verwandten geht weiter: Seit 2018 lag eine Plane über der Fundstelle in der Hammerschmiede. Jetzt graben Forscher und Helfer dort wieder.

Bild: Harald Langer

Die Suche nach Udos Verwandten geht weiter: Seit 2018 lag eine Plane über der Fundstelle in der Hammerschmiede. Jetzt graben Forscher und Helfer dort wieder.

Bild: Harald Langer

Die Wissenschaflter wollen das Skelett des Menschenaffen vervollständigen. Was sich Madelaine Böhme, Udos Entdeckerin, für die Zukunft der Grabungen wünscht.

04.09.2020 | Stand: 19:13 Uhr

Sie haben lange darauf gewartet, jetzt suchen Wissenschaftler im Ostallgäu nach den Verwandten von Menschenaffe Udo – und hoffen auf einen goldenen Herbst. Wobei die Paläontologin Madelaine Böhme sagt: „Wir können nicht bis Oktober durchgraben.“ Wetterbedingte Pausen sind eingeplant.

Menschenaffe Udo: Das passiert jetzt in der Hammerschmiede im Allgäu

Seit Freitag arbeiten die Forscher an jener Stelle, an der Böhme die Überreste des aufrecht gehenden Primaten entdeckt hatte. Zuvor war dort zwei Jahre lang eine Plane gelegen. "Wir haben 2018 hier aufgehört, zu graben", erklärt Böhme. Stattdessen widmeten sich die Forscher 2019 einer anderen Stelle in der Hammerschmiede, um der Firma Geiger entgegenzukommen. Das Oberstdorfer Unternehmen baut seit mehreren Jahren in der Grube Ton und Lehm ab.

Für die Millionen Jahre alten Relikte ist das nicht immer ungefährlich, schildert die Paläontologin. "Bagger, zumindest die größeren, zerstören die Fossilien, indem sie über die Fläche fahren. Da reicht selbst ein Meter Sediment nicht aus, um diesen statischen Druck abzumildern." 

Um das Skelett des 11,6 Millionen Jahre alten, aufrecht gehenden Primaten zu vervollständigen, fehle beispielweise noch ein Schienbeinknochen. Zugleich betont Böhme aber, dass sie sich über alle Funde freue. Über 117 Wirbeltierarten wurden bereits in der Hammerschmiede, einer Tongrube am Ortsrand der Gemeinde Pforzen, geborgen - darunter Relikte von Pandabären, Alligatorschildkröten und Säbelzahnkatzen. 

Für die zukünftigen Grabungen wünscht sich die Paläontologin Madelaine Böhme Planungssicherheit.
Für die zukünftigen Grabungen wünscht sich die Paläontologin Madelaine Böhme Planungssicherheit.
Bild: Harald Langer

Ursprünglich wollten die Wissenschaftler schon im Juni graben, stattdessen begannen damals langwierige Vertragsgespräche zwischen der Eigentümerfamilie der Hammerschmiede, der Firma Geiger als Pächter und den Naturwissenschaftlichen  Sammlungen Bayerns (SNSB). Selbst als die Verträge unterzeichnet waren, verzögerte sich der Grabungsstart nochmals um einige Wochen. "Dieses Jahr hat mich sehr viel Kraft gekostet", sagt Böhme.

Für die Zukunft der Grabungen wünscht sie sich Planungssicherheit. "Wir brauchen eine Perspektive über viele Jahre hinweg, mit gesicherten Verträgen und einer gesicherten Finanzierung." Denn „Hauruck-Aktionen“ brächten nicht viel. „Nur Langfristiges führt zu dem Erfolg, den wir gesehen haben.“