Engagement geehrt

Mesnerin hat 40 Jahre lang in Kaufbeurer St.-Stephan-Kirche angepackt

Afra Bucher

Afra Bucher ist seit 40 Jahren als Mesnerin in der Kirche St. Stephan in Kaufbeuren-Kleinkemnat im Dienst.

Bild: Angela Maccarone

Afra Bucher ist seit 40 Jahren als Mesnerin in der Kirche St. Stephan in Kaufbeuren-Kleinkemnat im Dienst.

Bild: Angela Maccarone

Die Mesnerin Afra Bucher beendet im Juni ihren Dienst in der Kirche St. Stephan in Kaufbeuren-Kleinkemnat. Die vielfältige Arbeit war für sie eine Berufung.
13.04.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Trotz Landwirtschaft, großer Familie und viel Engagement in Kemnater Vereinen war Afra Bucher immer für „ihre Kirche“ im Einsatz. 40 Jahre lang richtete die Mesnerin in St. Stephan in Kleinkemnat unter anderem Blumen schön her und sorgte für das Wohl der Ministranten. Bevor Bucher Ende Juni ihr Amt niederlegen wird, würdigte die Pfarrgemeinde am Ostermontag ihren Einsatz mit einem festlichen Gottesdienst.

Die „Jubilarin“ ließ es sich nicht nehmen, selbst auf ihr Wirken zurückzublicken. So schilderte sie den Versammelten von ihren Anfängen als Mesnerin – damals hatte sie den Posten übernommen, weil ihre Vorgängerin verstorben war. Nach kurzem Bedenken habe sie es doch nie bereut, dieses abwechslungsreiche Ehrenamt angenommen zu haben. Als sie in den Dienst der Pfarrgemeinde stieß, war die Zeit noch eine andere. So hätten sie zu Beginn noch selber an einem Seil ziehen müssen, wenn sie die Glocken läuten wollten. Und in kalten Wintern sei oftmals das Wasser und der Wein in der Sakristei eingefroren.

Kaufbeurer Mesnerin hat mehrere Pfarrer erlebt

Zudem habe sie in ihren 40 Jahren viele Pfarrer erlebt, begleitet und manchmal gar „gerichtet“. Auch den jetzigen Kirchenpfleger habe sie schon als Ministrant gekannt. Im Lauf der Zeit sei das Ehrenamt für sie immer mehr zu einer Berufung geworden, die sie mit viel Herzblut ausgeübt habe. Auch deshalb habe ihr Mann sie bisweilen geneckt: „Ja hoksch denn scho mea in der Kirch doba“, habe er zu ihr gesagt. Zuletzt appellierte die Mesnerin an mögliche Nachfolger oder Nachfolgerinnen: Es lohne sich, sich für die Pfarrei zu engagieren, denn sie sei ein wichtiger Teil der Dorfgemeinschaft.

Wie sich Buchers Engagement in Zahlen fassen lässt, hatte zu dem Anlass Kirchenpfleger Klaus Neher ausgerechnet. So habe sie an über 5000 Gottesdiensten, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen mitgewirkt. Ihrem Ehrenamt hat sie 15 000 Stunden ihrer Lebenszeit gewidmet – dass sind mehr als 600 Tage. Über 90 000 Kerzen wurden in ihrer aktiven Zeit angezündet und gelöscht, Ministrierende mussten über 19 000 mal bekleidet und hergerichtet werden. Für das Schmücken der Kirche – für ihr Fingergefühl in dem Bereich wurde sie stets bewundert – brauchte sie mehr als 3800 Stunden.

Stadtpfarrer dankte Bucher für ehrenamtliches Engagement in Kirche

Stadtpfarrer Bernhard Waltner gedachte in seiner Ansprache dem schönen Blumenschmuck der Mesnerin und lobte ihre Zuverlässigkeit. Oberministrant Moritz Martin dankte Bucher für ihre Geduld, und der Vorsitzende der Pfarreiengemeinschaft Kaufbeuren, Bernhard Neher, lobte ihr Engagement für die Pfarrei und deren Jugend vor ihrer Zeit als Mesnerin.

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