Corona

Mit Geld allein ist der Kaufbeurer Kulturszene nicht geholfen

Der Kaufbeurer Kulturverein Podium beteiligt sich derzeit an der bundesweiten Protestaktion #SangUndKlanglos #AlarmstufeRot, mit der die Kreativwirtschaft ihren Unmut über den neuerlichen Kultur-Lockdown zum Ausdruck bringt. Deshalb ist das Gebäude der Kellerbühne an der Inneren Buchleuthenstraße den ganzen November über abends rot angestrahlt.

Der Kaufbeurer Kulturverein Podium beteiligt sich derzeit an der bundesweiten Protestaktion #SangUndKlanglos #AlarmstufeRot, mit der die Kreativwirtschaft ihren Unmut über den neuerlichen Kultur-Lockdown zum Ausdruck bringt. Deshalb ist das Gebäude der Kellerbühne an der Inneren Buchleuthenstraße den ganzen November über abends rot angestrahlt.

Bild: Mathias Wild

Der Kaufbeurer Kulturverein Podium beteiligt sich derzeit an der bundesweiten Protestaktion #SangUndKlanglos #AlarmstufeRot, mit der die Kreativwirtschaft ihren Unmut über den neuerlichen Kultur-Lockdown zum Ausdruck bringt. Deshalb ist das Gebäude der Kellerbühne an der Inneren Buchleuthenstraße den ganzen November über abends rot angestrahlt.

Bild: Mathias Wild

Welche Schlüsse die Stadtverwaltung daraus zieht, dass ihr Sonderfördertopf zum Ausgleich der Pandemie-Folgen nach wie vor gut gefüllt ist.
11.11.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Geld macht nicht glücklich, aber erleichtert die Sache doch ungemein – selbst diese Binsenweisheit scheint in Corona-Zeiten nicht mehr durchweg zu gelten. Bei der jüngsten Sitzung es Schul-, Kultur- und Sportausschusses des Kaufbeurer Stadtrates ging es zwar viel um die Finanzen. Es wurde aber auch deutlich, dass die Pandemie und der aktuelle Lockdown dem Kulturleben in der Stadt noch auf ganz anderer Ebene zusetzen.

"Gesellschaftliche Auszehrung"

Im Juni nämlich hatte der Ausschuss beschlossen, ein Sonderförderprogramm für die Kulturschaffenden in der Stadt in Höhe von 25 000 Euro aufzulegen, um Verluste, die durch die Pandemie-Schutzmaßnahmen entstehen, abzufedern. Dass in diesem Topf immer noch 17500 Euro liegen, ist für Günther Pietsch, Leiter der städtischen Kulturabteilung, ein Zeichen dafür, dass (fehlendes) Geld momentan nicht das größte Problem der überwiegend ehrenamtlich organisierten Kulturszene in der Wertachstadt sei. Vielmehr beobachte er eine „gesellschaftliche Auszehrung“ durch die Corona-Beschränkungen. Viele, die in ihrer Freizeit kulturell tätig sind, sähen keinen Sinn mehr in ihrem Tun, wenn Auftritte und Veranstaltungen nicht mehr möglich sind. Ehemals Engagierte gewöhnten sich auch an den Zustand, dass entsprechende Termine und Verpflichtungen wegfallen. Deshalb appellierte Pietsch an den Kulturmacher in der Stadt, „sich Positives einfallen lassen, statt alles ausfallen lassen“. „Neue Formate“ und Ideen seien notwendig, damit das Kulturleben nicht nachhaltig Schaden nimmt. Es gebe schon einige positive Beispiele dafür in Kaufbeuren. Pietsch betonte aber auch, dass digitale Angebote wie Internet-Übertragungen das unmittelbare Kulturerlebnis nicht ersetzen könnten.

1500 statt 5000 Euro

Die Institutionen, die bisher Geld aus dem Kaufbeurer Sonderfördertopf erhalten haben, sind die kunstpädagogische Einrichtung Querkunst und der Kulturverein Podium, der sein Gebäude derzeit aus Protest gegen den Kultur-Lockdown rot anstrahlt. Nachdem an beide Vereine bereits 3000 Euro ausbezahlt worden waren, beantragte das Podium nun nochmals 5000 Euro, um sein Defizit wegen der Veranstaltungsabsagen in der Kellerbühne auszugleichen. Angesichts der Rücklagen und der sonstigen öffentlichen Förderung des Podiums sprach sich die Verwaltung für einen weiteren Zuschuss von lediglich 1500 Euro aus, was der Kulturausschuss einstimmig befürwortete.

Förderprogramm "Ka.eff" wird auf Eis gelegt

Zustimmung gab es auch für ein weiteres coronabedingtes Vorhaben der Kulturabteilung. Das Förderprogramm „Ka.eff“ für Kunst im öffentlichen Raum wird erst einmal auf Eis gelegt. Seit 2012 diente diese Initiative dazu, bildende Künstler aus der Region durch die Unterstützung von Projekten und Ankäufe zu fördern. Für Aufsehen hatte das Programm durch das umstrittene „Wolkenhaus“ von Ulrich Vogel in der Fußgängerzone gesorgt. Durch die Aktivitäten der Kaufbeurer Künstler-Stiftung sowie die regelmäßige „Blick-Fang“-Ausstellung im Kunsthaus gebe es wieder vermehrt Präsentationsmöglichkeiten für regionale Künstler in der Stadt, sagte Pietsch. Vor allem aber wolle seine Abteilung in der momentanen Situation ihre personellen und finanziellen Möglichkeiten verstärkt für die Förderung und Vernetzung der Kultur- und Kreativwirtschaft nutzen.

Nicht „dauerhaft einstampfen“

Holger Jankovsky (Grüne) befürwortete dies, sprach sich aber dagegen aus, das Kunstförderprogramm „dauerhaft einzustampfen“. Vielmehr sollte es reformiert und unter das Leitbild der Kunstvermittlung gestellt werden. Laut Beschluss des Ausschusses soll die Kulturabteilung innerhalb eines Jahres ein entsprechendes Konzept erarbeiten. Catrin Riedl (SPD) sprach sich dafür aus, bei dessen Erstellung auch „kundige“ Stadträte und Kaufbeurer Kulturpreisträger miteinzubinden.