Gericht

Nach Corona-Pause: In Kaufbeuren wird wieder verhandelt

Der Fall eines 20-Jährigen, der wegen einer Falschaussage vor Gericht stand, war am Kaufbeurer Amtsgericht einer der ersten Verhandlungen nach der Corona-Pause.

Der Fall eines 20-Jährigen, der wegen einer Falschaussage vor Gericht stand, war am Kaufbeurer Amtsgericht einer der ersten Verhandlungen nach der Corona-Pause.

Bild: Mathias Wild (Symbolfoto)

Der Fall eines 20-Jährigen, der wegen einer Falschaussage vor Gericht stand, war am Kaufbeurer Amtsgericht einer der ersten Verhandlungen nach der Corona-Pause.

Bild: Mathias Wild (Symbolfoto)

Fünf Wochen lang fanden am Amtsgericht keine Gerichtsverhandlungen statt. Nun fallen wieder Urteile. Ein 20–Jähriger muss vier Wochen in Dauerarrest.
22.04.2020 | Stand: 18:15 Uhr

Wegen des Coronavirus fanden in Kaufbeuren zuletzt keine Gerichtsverhandlungen statt. Erstmals fünfwöchiger Pause wurden in dieser Woche nun am Amtsgericht wieder Fälle verhandelt.

In einem davon ging es um eine völlig unerwartete Kehrtwende, mit der sich ein heute 20-jähriger Ostallgäuer im Mai 2019 als Zeuge in einem Drogenprozess vor dem Kaufbeurer Schöffengericht in eine Falschaussage manövrierte. Nachdem er sich auch von Warnungen der Staatsanwältin und der Richterin nicht beeindrucken ließ, wurde gegen ihn ein Strafverfahren wegen uneidlicher Falschaussage eingeleitet. Als Angeklagter vor dem Jugendschöffengericht war er jetzt geständig.

Er wurde verwarnt und unter Einbeziehung eines früheren Urteils zu einem vierwöchigen Dauerarrest verurteilt. Weil beim 20-Jährigen nach Einschätzung aller Verfahrensbeteiligten Reifeverzögerungen vorliegen, erfolgte die Entscheidung nach Jugendstrafrecht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Im ursprünglichen Prozess ging es um Drogendelikte eines 24-jährigen Ostallgäuers, insbesondere um die telefonische Vorbereitung eines größeren Amphetamin-Deals. Laut seiner polizeilichen Aussage hatte der jetzige Angeklagte das Gespräch mitbekommen und dabei auch Einzelheiten zum Verkaufspreis gehört.

Auch zur Art des Aufputschmittels hatte er sich bei der Polizei geäußert. Warum der jetzige Angeklagte die Äußerung dann in seiner Zeugenaussage vor dem Schöffengericht bestritt, konnte er weder damals noch jetzt schlüssig erklären.

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Im aktuellen Prozess war er aber grundsätzlich geständig und versicherte, dass er mit Rauschgift und der Drogenszene nichts mehr zu tun habe. Bis vor kurzem hatte der Angeklagte eine Arbeitsstelle, die er wegen der Corona-Krise verlor. Nach eigenen Angaben hat er aber bereits eine neue Stelle in Aussicht und lebt seit einigen Monaten mit seiner Freundin zusammen. Angesichts der positiven Entwicklung im Leben des jungen Mannes, der zeitweise obdachlos war, hielten die Staatsanwältin und der Verteidiger eine Verwarnung und eine Geldauflage für ausreichend.

Für das Gericht führte allerdings an der Verhängung eines Arrests „überhaupt kein Weg vorbei“ Der Vorsitzende verwies im Urteil vor allem auf „die doch eher verheerend verlaufenen Jahre 2018 und 2019“, in denen der junge Mann zweimal vor Gericht stand.