Verstoß gegen Naturschutzgesetz

Nach feuchtfröhlicher Feier zum Schwarzfischen gegangen

Der Angeklagte stand zuvor schon wegen Fahren ohne Führerschein und Drogenbesitz vor Gericht.

Der Angeklagte stand zuvor schon wegen Fahren ohne Führerschein und Drogenbesitz vor Gericht.

Bild: Mathias Wild

Der Angeklagte stand zuvor schon wegen Fahren ohne Führerschein und Drogenbesitz vor Gericht.

Bild: Mathias Wild

18-jähriger Ostallgäuer fängt vierzehn streng geschützte Edelkrebse. Er wollte sie für sein Aquarium haben.
10.10.2020 | Stand: 12:05 Uhr

Nach einer feuchtfröhlichen Feier kam ein 18-jähriger Ostallgäuer im Juni auf eine Idee, die ihn jetzt auf die Anklagebank des Kaufbeurer Amtsgerichts brachte: Weil er „noch ein paar Krebse“ für sein Aquarium haben wollte, machte er sich von einem Steg aus ans Werk und holte vierzehn Edelkrebse aus einem See im südlichen Landkreis.

Auf frischer Tat ertappt

Dabei wurde er auf frischer Tat ertappt. Weil die Krustentiere streng geschützt sind, musste er sich jetzt nicht nur wegen vorsätzlicher Fischwilderei, sondern auch wegen eines Verstoßes gegen das Naturschutzgesetz vor der Jugendrichterin verantworten. Diese nahm ihm seine Einsicht und Reue ab und stellte das Verfahren gegen eine Geldbuße in Höhe von 400 Euro ein. Am fraglichen Abend hatte der Angeklagte nach eigenen Angaben acht Bier getrunken und seine Aktion offenbar für einen guten Einfall gehalten. Zum Fangen der Krebse verwendete er eine spezielle Reuse, einen sogenannten Krebsteller. Dass er ohne Berechtigung handelte, war ihm klar. Dass Edelkrebse streng geschützt sind, wusste er angeblich nicht.

"War halt einfach deppert"

Vor Gericht konnte sich der junge Mann seine Tat jetzt selbst nicht so recht erklären und sagte: „Das war halt einfach deppert von mir.“ Als die Richterin von ihm wissen wollte, was denn seine Eltern zu dem Ganzen gesagt hätten, meinte er mit sichtlicher Zerknirschung: „Stolz waren sie jetzt nicht gerade.“

Für die Vorsitzende war der Angeklagte kein Unbekannter. Sie hatte ihn im Dezember 2019 wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und des Erwerbs von drei Gramm Marihuana zu 40 Arbeitsstunden und einem einmonatigen Fahrverbot verurteilt. Damals hatte sie ihn auch mit Nachdruck auf mögliche Folgen einer erneuten Straffälligkeit hingewiesen.

Späte Einsicht

Dass sie nun zu einer Verfahrenseinstellung bereit war, lag insbesondere an der positiven Entwicklung, die der 18-Jährige seit dem Vorfall genommen hat. So hatte er sich beim Fischerei-Berechtigten entschuldigt und angeboten, Arbeitsstunden beim „Löwenmarsch“ abzuleisten. Tatsächlich war er dann während der Benefiz-Aktion zugunsten eines Bildungsprojekts in Kenia als freiwilliger Helfer tätig. Die Richterin stellte dies zu seinen Gunsten in Rechnung, hielt allerdings auch einen „deutlichen Denkzettel“ in Form einer Geldbuße in Höhe von 400 Euro für geboten.