Vor Gericht

Nach schwerem Unfall: 20-jähriger Ostallgäuer streitet illegales Rennen ab

Für sein Fehlverhalten im Straßenverkehr musste sich ein junger Ostallgäuer vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten.

Für sein Fehlverhalten im Straßenverkehr musste sich ein junger Ostallgäuer vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Für sein Fehlverhalten im Straßenverkehr musste sich ein junger Ostallgäuer vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Ein 20-jähriger Ostallgäuer überholt einen Kumpel und verursacht einen Unfall mit verletztem Kind. Ein illegales Rennen? Wie er sich gegen die Vorwürfe wehrt.

05.08.2020 | Stand: 15:07 Uhr

Ein höchst riskantes Manöver wagte ein Ostallgäuer Anfang April mit seinem Auto auf der Ortsverbindungsstraße zwischen Lauchdorf und Großried – und verursachte einen schweren Unfall, bei dem ein Fünfjähriger verletzt wurde (wir berichteten). Jetzt musste sich der junge Mann dafür vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten. Seine Fahrerlaubnis wird ihm für zehn Monate entzogen.

Passierte der Unfall bei einem illegalen Rennen?

Damals wollte der 20-Jährige seinen gleichaltrigen WG-Mitbewohner, der im Auto vor ihm unterwegs war, in einer schlecht einsehbaren Kurve überholen und stieß frontal mit einem entgegenkommenden Traktorgespann zusammen. Im Raum stand auch die Frage, ob sich die beiden jungen Männer ein illegales Autorennen geliefert hatten.

Angeklagter habe Kontrolle verloren

Der Angeklagte sagte nun vor Gericht, dass sein Auto nicht mehr reagiert habe, als er sich bereits auf der Gegenfahrbahn befand. Er sei weggerutscht und gegen den Betonpfeiler des Geländers einer Brücke, über die die Straße verläuft, geprallt. Dann stieß er frontal mit dem Traktor zusammen, dessen Fahrer, ein 38 Jahre alter Landwirt, auch seine drei Kinder dabei hatte.

>> Unfall am Berliner Bahnhof Zoo: Illegales Rennen und Wagen gestohlen? <<

Auto des 20-Jährigen in Brand geraten

Das Auto des Angeklagten war durch die Wucht des Aufpralls einige Meter weit von der Fahrbahn auf eine Wiese geschleudert worden und in Brand geraten. Der fünfjährige Sohn des Landwirts blutete aus dem Ohr und wurde ins Kaufbeurer Klinikum gebracht, mit Verdacht auf Schädelbruch, der sich aber nicht bestätigte. Allerdings wolle der Bub bis heute auf keinen Traktor mehr steigen und fürchte sich beim Autofahren, sagte der Vater, der als Zeuge geladen war. Auch die beiden Mädchen hätten unter Schock gestanden und seien tagelang sehr verängstigt gewesen.

"Rennwagentypischer Aufdruck"

Direkt nach dem Unfall hatten sie den Rettungssanitätern erzählt, dass „zwei Autos ein Rennen gefahren sind und eins davon unseren Traktor gerammt hat“, erklärte der Polizist, der damals den Unfall aufgenommen hatte, dem Amtsrichter. Deshalb, und weil das Auto des Angeklagten mit „rennwagentypischen Zahlenaufdrucken“ dekoriert war, hatten die Beamten damals den Verdacht, dass es sich um ein illegales Kraftfahrzeugrennen gehandelt haben könnte. Das bestritt der Angeklagte nun.

Männer waren zur gemeinsamen Wohnung unterwegs

Warum er seinen Mitbewohner überholen wollte, obwohl beide unterwegs zur gemeinsamen Wohnung in einer Ostallgäuer Gemeinde waren, konnte er allerdings nicht erklären. Auch nicht, warum er dafür den unübersichtlichen Kurvenbereich wenige hundert Meter vor dem Ortseingang gewählt hatte. Alkoholisiert sei der Fahrer zwar nicht gewesen, so die Staatsanwältin, aber mit nicht angepasster Geschwindigkeit unterwegs, wie auch die Polizei bereits direkt nach dem Unfall vermutete. Vor Gericht gab der junge Mann an, „ungefähr 100 oder 110 gefahren“ zu sein.

"Stelle ist eine Einladung zum Rasen"

„Diese Stelle ist eine Einladung zum Rasen, dort passiert ständig etwas “, so der Landwirt. Dem Angeklagten hielt er zugute, dass dieser ein paar Tage nach dem Unfall zu ihm nach Hause gekommen sei, um sich zu entschuldigen. Das Gericht hielt es für angemessen, nach Erwachsenenstrafrecht zu urteilen. Für den Unfallverursacher heißt das, dass ihm für zehn Monate die Fahrerlaubnis entzogen wird – die Staatsanwältin hatte zunächst 14 Monate angesetzt. Zudem muss der derzeit arbeitslose Maurer eine Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro bezahlen. Damit gilt er nicht als vorbestraft. Das Urteil ist rechtskräftig.