Irsee

Neue Ideen für das alte Sudhaus

Getränkewirtschaft Vor einem Jahr hat Alfons Aigner die Klosterbrauerei Irsee übernommen. Warum der Geschäftsmann den Bierausstoß erhöhen und wie er die Marke stärken möchte
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Von Markus Frobenius
07.05.2019 | Stand: 13:08 Uhr

Vor rund einem Jahr hat Unternehmer Alfons Aigner die Klosterbrauerei, den Gasthof und das Hotel in Irsee übernommen. „Es ist sehr interessant zu sehen, wie das Unternehmen läuft. Und ich bin sehr zufrieden“, bilanziert der 60-Jährige. Für den Landshuter ist das Engagement in Irsee natürlich von wirtschaftlicher Bedeutung – schließlich investierte er nach eigenen Angaben eine Summe im oberen einstelligen Millionen-Euro-Bereich. „Aber es ist auch eine Liebhaberei. Denn es ist schade um jede Brauerei, die geschlossen wird“, erklärt Aigner.

Der Unternehmer mit dem „Kerngeschäft Immobilien und dem Bereich Gastronomie und Hotel“ hat bereits einige traditionsreiche Betriebe erworben, um sie zu erhalten: das Galeriehotel in Bad Reichenhall, das Hotel-Restaurant Kaiser Wilhelm auf Usedom, den Hotel-Gasthof Terofal in Schliersee oder das Schloß Tunzenberg in Mengkofen. Für Irsee will er keine Wandlung in ein Kloster Andechs mit Massentourismus: „Es soll ein Ort der Beschaulichkeit bleiben.“

Das war auch Vorbesitzer Herbert Paulus wichtig, der aus gesundheitlichen Gründen die Klosterbrauerei am 1. Mai 2018 verkauft hatte. Dazu gehören der Gasthof mit Biergarten und Taverne, das Hotel und die Brauerei mit Museum. „In der Reihenfolge wirft das Unternehmen auch Gewinn ab“, erklärt Aigner. Doch zwei Bereichen davon seien Grenzen gesetzt – sowohl räumlicher als auch personeller Art. Denn es gebe auf dem ehemaligen Klostergelände keinen Platz zum Erweitern, und Fachpersonal sei momentan auch kaum zu finden – nicht einmal Hilfskräfte. Die Taverne wird deshalb geschlossen bleiben und soll vorerst nur für private Anlässe vermietet werden. So werde es beim Gasthof und dem Hotel beim Status quo bleiben, berichtet Aigner: „Herbert Paulus hat ein gutes Unternehmen hinterlassen, aber es besteht natürlich Instandhaltungsbedarf.“

„Mein Interesse gilt deshalb in erster Linie der Brauerei“, erklärt Aigner. 2018 seien erste Maßnahmen getroffen worden, und „wir planen jetzt die sukzessive Erneuerung der Technik“. Denn Ziel sei es, die Bierproduktion zu erhöhen: Theoretisch kann die Brauerei bis zu 15 000 Hektoliter pro Jahr produzieren – derzeit sind es 4000. „Aber es wird eine traditionelle mittelständische Brauerei bleiben“, betont Aigner. Um aber die Präsenz und den Absatz in der Region zu erhöhen, hat sich der Unternehmer externe Leute ins Boot geholt: Ehemalige, hochrangige Mitarbeiter von Paulaner, die nun in den Bereichen Betriebswirtschaft und Recht, Technik und Vertrieb beratend tätig sind.

Dazu kommt noch David Frick, der zuvor bei der Radeberger-Gruppe gearbeitet hat. Der 30-Jährige wird nun das Gesicht nach außen sein, denn er soll als Vertriebsleiter den Absatz in Handel und Gastronomie in der Region ankurbeln. Dort kennt sich der gebürtige Irseer aber auch aus. „Mit unserer Marke haben wir ein gutes Erscheinungsbild“, sagt er. Helles und Dunkles, Starkbier und Urtrunk sowie das Weißbier sollen aber keinesfalls per Preiskampf konkurrenzfähig werden. Vielmehr solle das traditionsreiche Bier weiterhin als Qualitätsmarke langsam und solide größere Marktanteile regional erreichen. Dafür sei der Wiedererkennungswert gesteigert worden: Ein neues Logo und neue Etiketten sowie die alten blauen Bierkästen wurden eingeführt. Schon jetzt gebe es das Irseer Bier bereits verstärkt im regionalen Handel – die Gastronomie solle folgen, erklärt Frick.

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Heuer werde dadurch der Bierausstoß auf 5000 Hektoliter und nächstes Jahr auf 6000 gesteigert werden. Auch im Schloss Tunzenberg könne bald mit Urtrunk angestoßen werden, kündigt Aigner an. Perspektivisch will er dafür doch in Irsee erweitern – wenn es möglich ist, soll nämlich im Ort eine Lagerhalle entstehen.

Einen weiteren Wunsch wolle er sich als „Liebhaber, traditioneller, handwerklich gut gebrauter Biere“ ebenfalls erfüllen, erklärt der Geschäftsmann lächelnd: „Ich würde gerne eine Kloster-Kräuterlimonade kreieren.“