Paurisch

"Nopper"-Dialekt: Projektgruppe plant umfangreiche Kampagne

Dieter Schaurich klebt einen grünen Sticker an. Das bedeutet: Hier kann man auf Paurisch einkaufen.

Dieter Schaurich klebt einen grünen Sticker an. Das bedeutet: Hier kann man auf Paurisch einkaufen.

Bild: Dieter Schaurich

Dieter Schaurich klebt einen grünen Sticker an. Das bedeutet: Hier kann man auf Paurisch einkaufen.

Bild: Dieter Schaurich

Online-Sprachkurs, Theaterstück und Vorträge: Das Projekt "Wir Noppern" hat viel vor. Grüne Sticker sollen nun die Geschäfte mit einbeziehen.
19.10.2021 | Stand: 12:09 Uhr

Das Projekt „Wir Noppern“ möchte den alten Dialekt Paurisch mit einer sehr modernen Kampagne unter die Leute bringen. Damit wieder mehr Menschen in Neugablonz sich in der Sprache der Menschen aus Gablonz an der Neiße und dem Isergebirge verständigen können, bedient sich Initiator Dieter Schaurich etlicher Kanäle.

Mittlerweile gibt es mehrere Angebote, die Alteingesessenen und Neubürgern das Hören und Sprechen erleichtern und Spaß an der Verständigung der Sprache ihrer Eltern und Großeltern bringen sollen. „Wir möchten den Dialekt in den Alltag zurückholen“, sagt er. (Lesen sie auch: Videos in Gablonzer Mundart - Paurisch in der Neuen Gabi)

Sprache hat die Menschen verbunden

„Nach der Vertreibung wurde Paurisch in der neuen Heimat zum identitätsstiftenden Merkmal, das die Menschen verbunden hat“, sagt Schaurich, Bassist der Band Mauke (Brei), die 2019 mit dem Dialektpreis Bayern ausgezeichnet wurde. Es gebe kaum einen Dialekt, der so viel Charme und Gemütlichkeit ausstrahlt.

Der Feind der Noppern-Sprache ist allerdings die Zeit, denn mehr als 75 Jahre nach der Vertreibung gibt es immer weniger Möglichkeiten, Begriffe wie Arepplmauke (Kartoffelpüree), Servus Dienr (Begrüßung) und Fanstrbratl (Fensterbrett) zu hören, zu sprechen oder zu erlernen.

Das möchte Schaurich mit Unterstützung des Mundartkreises Neugablonz, dem städtischen Kulturamt, Kaufbeuren Tourismus- und Stadtmarketing und dem Bundesverband der Gablonzer Industrie ändern (wir berichteten).

Sprachkurs, Vorträge und Theaterstücke

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Immer wieder werden auf der Internetseite www.wir-noppern.de Videos eingestellt, jedes wie ein kleiner unterhaltsamer Sprachkurs: Leser unserer Zeitung finden die Mundart-Kolumne Nej suwos nicht nur alle zwei Wochen im Blatt, sondern mittlerweile auch zum Nachhören im Netz. Der Sprachkurs „Etze tun mr Paurisch Larn“ von Dr. Hans-Joachim Hübner soll bald online gehen.

Lernmöglichkeiten in Präsenzform sind geplant, ebenso Theaterstücke und Vorträge. Schaurich kann sich vorstellen, dass auf diese Weise nach und nach ein umfangreiches unterhaltsames Dialekt-Angebot wird, in dem Interessierte kostenlos stöbern können - einschließlich telefonischem Info-Service für Fachausdrücke.

Geschäftswelt soll mit Aufklebern animiert werden

Schaurich, der jüngst auf der Sudetendeutschen Mundarttagung in Bad Kissingen einen Vortrag über das Projekt gehalten hat, möchte auch die Geschäftswelt miteinbeziehen. Mittlerweile hängen an ersten Eingängen von Läden, Praxen und Büros grüne Aufkleber, die darauf hinweisen, dass dort Paurisch gesprochen und verstanden werden kann.

Wer Interesse hat, meldet sich bei Dieter Schaurich. „Natürlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und nur noch wenige beherrschen den Dialekt flüssig“, sagt Schaurich. „Dieser Aufkleber signalisiert aber die Begeisterung für den einzigartigen Dialekt und die aktive Teilnahme an der Erhaltung der Noppernsprache.“

Teilnehmende Firmen sollen auf der Homepage verlinkt werden, der Aufkleber steht auch Privatpersonen für Auto, Fahrrad oder die Haustür zur Verfügung. Ein Flyer wurde entworfen, ein Facebook-Auftritt ist online.