Jugendschöffengericht

Ostallgäuer verkauft übers Internet Handys, die es gar nicht gibt

Im Internet hatte der Angeklagte Mobiltelefone angeboten und die Käufer geprellt. (Symbolfoto)

Im Internet hatte der Angeklagte Mobiltelefone angeboten und die Käufer geprellt. (Symbolfoto)

Bild: Zacharie Scheurer, dpa

Im Internet hatte der Angeklagte Mobiltelefone angeboten und die Käufer geprellt. (Symbolfoto)

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Immer wieder begeht der 20-Jährige Straftaten – aus Geldnot, wie er vor Gericht behauptet. Dort muss er sich jetzt wegen Betrügereien im Internet verantworten.
18.07.2021 | Stand: 07:32 Uhr

Um an Geld zu kommen, beging ein heute 20-Jähriger aus dem Raum Marktoberdorf im Jahr 2019 immer wieder Straftaten, zumeist Diebstähle und Betrügereien. Nachdem bereits drei Strafverfahren gegen ihn gelaufen waren, wurde er zwischen Oktober 2019 und Juni 2020 erneut straffällig und musste sich jetzt wegen vier Internet-Betrügereien vor dem Kaufbeurer Jugendschöffengericht verantworten.

510 Euro für nicht existente Handys kassiert

Er hatte auf einer Internet-Verkaufsplattform nicht existente Mobiltelefone angeboten und von vier Interessenten insgesamt 510 Euro kassiert. Weil er seinem Leben mittlerweile eine Wende zum Besseren gegeben hat, kam er jetzt im Urteil mit einer Verwarnung und einem zweiwöchigen Dauerarrest davon. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Im Prozess war der junge Mann voll geständig gewesen und hatte betont, dass ihm die Taten „mega-leid“ täten. Er sprach von einer „sehr schwierigen“ Lebensphase, in der er weder Unterstützung von seiner Familie erhalten, noch ein regelmäßiges Einkommen erzielt habe. Zudem habe sich auch noch seine Freundin von ihm getrennt.

"Rat- und hilflos"

Sein Verteidiger schätzte seine damalige Gemütsverfassung jetzt im Plädoyer als „ziemlich rat- und hilflos“ ein und ging vom Vorliegen von Reifeverzögerungen aus. Staatsanwältin und Gericht sprachen sich ebenfalls für die Anwendung von Jugendstrafrecht aus. Die Verfahrensbeteiligten folgten damit der Einschätzung der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, die im Vorfeld der Verhandlung ein ausführliches Gespräch mit dem Angeklagten geführt hatte.

Von Kindheit an Probleme

Aus der Stellungnahme ging hervor, dass der Ostallgäuer von Kindheit an mit Problemen zu kämpfen hatte, unter unter anderem mit einer Lese- Rechtschreibschwäche und einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Dazu seien massive familiäre Konflikte gekommen. Zum Zeitpunkt seiner Straftaten habe der junge Mann zudem erhebliche finanzielle Probleme gehabt - auch deshalb, weil er nach eigener Einschätzung über seine Verhältnisse gelebt hatte. Mittlerweile habe er aber eine Arbeitsstelle gefunden und seine Finanzen offenbar „ganz gut in Griff“. Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe hatte insgesamt den Eindruck, dass der Angeklagte darum bemüht ist, „sein Leben in geregelte Bahnen zu lenken“.

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Die „deutliche Stabilisierung“ stellten dann auch die Staatsanwältin und das Gericht in Rechnung. Positiv schlug zudem die Bereitschaft des jungen Mannes zur Schadenswiedergutmachung zu Buche. Er hatte seinem Anwalt vor der Verhandlung die kompletten 510 Euro übergeben, damit dieser das Geld an die Geschädigten verteilen könne. Das Gericht würdigte dies in seinem Urteil, wählte aber mit der Einziehung der Schadenssumme einen anderen Weg, um den geprellten Käufern zu ihrem Geld zu verhelfen.

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