Gerichtsprozess

Ostallgäuer soll Frau im Schlaf mit Lampe überfallen haben

Ein 34-Jähriger musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten.

Ein 34-Jähriger musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten.

Bild: Mathias Wild

Ein 34-Jähriger musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten.

Bild: Mathias Wild

Der 34-Jährige saß in Untersuchungshaft weil er nach der Tat, bei der Drogen im Spiel waren, Zeugen bedrohte. Zu welchem Urteil kam das Kaufbeurer Amtsgericht?
Ein 34-Jähriger musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten.
Von Elisa Hanusch
02.11.2020 | Stand: 07:00 Uhr

Ein 34-jähriger, verheirateter Vater von drei Kindern musste sich vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten, weil er eine Frau angegriffen hatte. Da er versucht haben soll, Zeugen einzuschüchtern, saß der Mann seit Ende September in der Justizvollzugsanstalt Kempten in Untersuchungshaft. Verurteilt wurde er wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Körperverletzung und Beleidigung zu 150 Tagessätzen zu je 10 Euro.

Im Schlaf überrascht

Dem Mann wurde vorgeworfen, im Oktober 2019 eine Bekannte angegriffen zu haben. Er soll der schlafenden Geschädigten die Bettdecke weggezogen, sie am Fußgelenk gepackt, gezogen und „Raus du Schlampe“ gerufen haben. Anschließend hatte er ihr mit der flachen Hand auf die Wange geschlagen und ihr T-Shirt zerrissen, bevor er eine Aquariumlampe griff und zum Schlag ausholte. Ein gemeinsamer Bekannter konnte den Angriff jedoch abwehren. Er sagte jetzt vor Gericht als Zeuge aus.

Drogen und Alkohol waren im Spiel

Die Geschädigte hatte nach eigener Aussage durch den Angriff keine schweren Schmerzen, aber eine blutende Wunde am Fußgelenk, die eine Narbe hinterließ. Zum Hintergrund der Tat sagte sie aus, dass sie, ihre Cousine und der Angeklagte am Abend zuvor bei einem weiteren Zeugen Alkohol und Drogen konsumiert hätten. Als sie betrunken waren, sei die Geschädigte mit dem Angeklagten in ein Nebenzimmer gegangen. Als dieser sie zu sexuellen Handlungen aufforderte, hätte sie abgelehnt.

Später ging die Geschädigte in die Wohnung, in der schließlich die Tat stattfand, legte sich neben den dort wohnhaften Bekannten ins Bett und schlief, bis der Angeklagte sie aus dem Schlaf riss. Der 34-Jährige ließ durch seinen Anwalt mitteilen, dass es ihm leidtue, dass er sich spontan zu der Tat hinreißen ließ.

Im Gefängnis nachgedacht

Er stritt keinen der Vorwürfe ab. Später entschuldigte er sich bei der Geschädigten. Sein Verteidiger betonte, dass ihn die Zeit im Gefängnis zum Nachdenken gebracht habe und er die Tat bereue.

Nach der Beweisaufnahme stand für die Staatsanwaltschaft fest, dass alle schuldrelevanten Umstände für die vorgeworfenen Delikte gegeben seien. Da laut Abschlussplädoyer nur das Dazwischengehen des Zeugen die gefährliche Körperverletzung verhindert habe, forderte sie eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten und eine Geldauflage von 1500 Euro. Durch die persönlichen Verhältnisse des arbeitslosen Angeklagten wurde diese niedriger angesetzt. Zu seinen Gunsten berücksichtigte die Staatsanwaltschaft sein Geständnis, die Entschuldigung und dass er bisher nicht auffällig geworden war.

"Emotionale Spontanentgleisung"

Der Verteidiger bezeichnete während seines ausführlichen Abschlussplädoyers die Argumente für eine Freiheitsstrafe als nicht haltbar, rechtfertigte dies mit dem „unbeendeten Versuch“ der gefährlichen Körperverletzung. Er bezeichnete die Tat als „emotionale Spontanentgleisung“ und forderte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 10 Euro. Das Gericht schloss sich der Einschätzung an, dass der Angriff mit der Lampe noch weit von einem Taterfolg entfernt war. Dennoch wurde der Angeklagte in allen Punkten schuldig gesprochen und zu 150 Tagessätzen zu je 10 Euro verurteilt. Der Haftbefehl wurde aufgehoben und alle Parteien verzichteten auf Rechtsmittel.