Seelsorge in Kaufbeuren

"Pfarrei-Manager" sorgt dafür, dass mehr Zeit für die Gläubigen bleibt

Wichtige Entscheidungen treffen Verwaltungsleiter Thomas Osterried (rechts) und Stadtpfarrer Bernhard Waltner gemeinsam.

Wichtige Entscheidungen treffen Verwaltungsleiter Thomas Osterried (rechts) und Stadtpfarrer Bernhard Waltner gemeinsam.

Bild: Mathias Wild

Wichtige Entscheidungen treffen Verwaltungsleiter Thomas Osterried (rechts) und Stadtpfarrer Bernhard Waltner gemeinsam.

Bild: Mathias Wild

Der Verwaltungsleiter der Pfarreiengemeinschaft Kaufbeuren hält dem Pfarrer den Rücken frei. Warum eine Pfarrei mit einem mittelständischen Unternehmen vergleichbar ist.
05.11.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Die katholische Pfarreiengemeinschaft Kaufbeuren ist durchaus mit einem mittelständischen Unternehmen vergleichbar. Es gibt Budgets und Haushalte, Gebäude müssen bewahrt und vor allem Mitarbeiter koordiniert werden – 180 Haupt- und Ehrenamtliche sind dort insgesamt beschäftigt.

Eine der größten Pfarreiengemeinschaften in der Diözese Augsburg

Um all diese organisatorischen Tätigkeiten kümmert sich seit Juni Thomas Osterried, Verwaltungsleiter der Pfarreiengemeinschaft Kaufbeuren, die eine der größten in der Diözese ist. Der gelernte Elektrotechniker und technische Betriebswirt war zuvor bei einem großen Industrieunternehmen im Einkauf tätig und ist seit frühester Kindheit in der Kirche engagiert, seit vielen Jahren auch im Pfarrgemeinderat in seinem Wohnort Bertoldshofen, wo er gemeinsam mit seiner Frau auch das Mesneramt ausübt. Der 51-Jährige ist verwurzelt im kirchlichen Leben und dem Ehrenamt in seinem Dorf, unter anderem bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Priester sind keine Manager

Bevor in den meisten großen Pfarreien hauptamtliche Verwaltungsleiter eingestellt wurden, lag die Verantwortung für organisatorische Tätigkeiten alleine bei den Priestern. Doch die umfangreichen Managementaufgaben kosten eine Menge Zeit – Zeit die letztlich für die Seelsorge fehlt. Verwaltungsleiter haben die betriebswirtschaftliche Fachkompetenz, die Geistlichen in der Regel fehlt. So sieht es auch Stadtpfarrer Bernhard Waltner: „Ich bin schließlich Theologe und kein BWL-er.“ Damit er sich in erster Linie um die Gläubigen kümmern kann, hält Osterried ihm den Rücken frei. „Kernauftrag eines Pfarrers ist es, sich den Menschen als Seelsorger zuzuwenden. Dazu müssen sie von den Verwaltungsaufgaben entlastet werden“, sagt Osterried, der sich unter anderem für Unterhalt, Sanierung und Renovierungen von Immobilien der Pfarrei kümmert. Dazu zählen sieben Kirchen, drei Filialkirchen, Pfarrheime und Wohnungen.

Chef ist nach wie vor der Pfarrer

Auch die Finanzverwaltung fällt in Osterrieds Zuständigkeit. Er bezeichnet sich als Schnittstelle zwischen den sieben Kirchenstiftungen und der Bischöflichen Finanzverwaltung. Aktuell beschäftigt ihn vor allem eine Änderung im Steuerrecht ab Januar 2021. Dann soll die Umsatzsteuerpflicht auch im Bereich der Stiftungen greifen. Derzeit werde geprüft, welche Kirchenstiftungen das betreffen wird.

Natürlich sei der Pfarrer nach wie vor der Chef. Der Verwalter fungiert zwar als dessen Stellvertreter, der Pfarrer behält laut Kirchenrecht aber immer die Letztverantwortung. Wichtig sei deshalb ein guter persönlicher und vertrauensvoller Draht zwischen Pfarrer und Verwaltungsleiter.

Auf dem Laufenden bleiben

Osterried und Waltner treffen sich wöchentlich zu einem festen Termin, bei dem sie wichtige Richtungsentscheidungen abstimmen, sich gegenseitig darüber auf dem Laufenden zu halten, was im Zuständigkeitsbereich des anderen gerade ansteht. Auch Personalentscheidungen treffen sie gemeinsam, bei Einstellungsgesprächen sind immer beide dabei – egal, ob es um Verwaltungsmitarbeiter im Pfarrbüro, Hausmeister oder Betreuungspersonal für die Kindertagesstätten geht.