Bundestagswahl 2021

"Pflegegipfel" mit Minister Klaus Holetschek: Ausbildung bleibt ein heißes Eisen

Rund um die Pflege ging es bei einer Diskussion mit Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

Rund um die Pflege ging es bei einer Diskussion mit Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Rund um die Pflege ging es bei einer Diskussion mit Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek.

Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) diskutierte mit Fachleuten in Kaufbeuren. Warum er die Pandemie auch als Chance sieht.
23.09.2021 | Stand: 18:57 Uhr

Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, generalistische Ausbildung und Nöte pflegender Angehöriger standen im Mittelpunkt eines „Pflegegipfels“ mit Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek, zu dem CSU-Direktkandidat Stephan Stracke geladen hatte. 33 Fachkräfte und interessierte Besucher nahmen an der Veranstaltung am Donnerstagnachmittag im Kaufbeurer Stadtsaal teil.

Arbeitsbedingungen bei Diskussion in Kaufbeuren im Fokus

Die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind laut den Wortmeldungen von Belastung und Bürokratie geprägt. „Wenn man den Zeitdruck wegnimmt, kann Pflege richtig schön sein“, meinte ein Senior. Wenig freundliche Worte fanden die Besucher für die generalistische Ausbildung, die Kenntnisse interdisziplinär vermitteln und Pflegeberufe aufwerten soll. Eine Führungskraft, die vor vielen Jahren mit „großem Spaß“ in den Beruf eingestiegen sei, bezeichnete diese Form der Ausbildung angesichts der Dokumentationspflichten als „bürokratisches Monster“. Vor allem die sogenannten Praxisanleiter seien oft überfordert und könnten ihren Pflichten erst in der Freizeit gerecht werden, hieß es auch von anderer Seite. „Das System vernichtet gute Ausbildung.“ Holetschek, der sich überrascht vom Ausmaß der Kritik zeigte, verteidigte die generalistische Ausbildung, die sich allerdings erst am Anfang befinde. Nun gelte es, Erfahrungen zu sammeln und nachzusteuern.

Kritik an "Akademisierung"

Kritisiert wurde zudem die „Akademisierung“ der Branche. Solche Experten in der Pflege forderten zurecht auch ein höheres Gehalt, das die Heime angesichts der Wirtschaftszwänge teils gar nicht zahlen könnten, sagte der Geschäftsführer einer Kaufbeurer Senioreneinrichtung. Eine Pflegeexpertin meinte, dass es wichtig sei, die Berufe für Wiedereinsteiger attraktiver zu machen, statt nur auf ausländische Fachkräfte zu setzen. Wenngleich Migranten notwendig seien, wie es hieß, um den personellen Engpässen Herr zu werden. In Baden-Württemberg sei die Zulassung solcher Bewerber schneller und einfacher möglich als in Bayern, lautete ein weiterer Kritikpunkt.

Holetschek zeigte sich überzeugt, dass eine „Aufwertung“ der Pflegeberufe notwendig sei, um die Tätigkeiten attraktiver zu machen und den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen. Ebenso wichtig seien die jüngsten Weichenstellungen für tarifliche Verbesserungen. Eine Frau, die ihren Mann pflegt, konnte nicht verstehen, dass die Pflegestufe am Telefon vorgenommen werde. Ein Zugeständnis an die Pandemie, so Holetschek. Allerdings müsse nun auch wieder eine persönliche Begutachtung möglich sein. Er riet dazu, Corona auch als Chance zu sehen. Die Pandemie habe bei vielen Problemen wie ein Brennglas gewirkt und andere erst offengelegt, sagte er. Corona sei damit auch eine Chance, neue Wege zu gehen, sagte Stephan Stracke, der die Veranstaltung moderierte. Die Themen des Nachmittags seien nun bei der Politik platziert – rechtzeitig vor der Bundestagswahl am Sonntag.