Sound am Markt

Plötzlich alles anders bei Musikfestival in Neugablonz

Feiern unter freiem Himmel, ohne Maske und bei freiem Eintritt. Das Musikfestival Sound am Markt lockte am Freitagabend hunderte Zuhörer auf den Platz vor dem Gablonzer Haus. Tills Tagtrauma und Monobo Son heizten den Besuchern ordentlich ein. Am Samstag geht es ab 16 Uhr in die zweite Runde.

Feiern unter freiem Himmel, ohne Maske und bei freiem Eintritt. Das Musikfestival Sound am Markt lockte am Freitagabend hunderte Zuhörer auf den Platz vor dem Gablonzer Haus. Tills Tagtrauma und Monobo Son heizten den Besuchern ordentlich ein. Am Samstag geht es ab 16 Uhr in die zweite Runde.

Bild: Mathias Wild

Feiern unter freiem Himmel, ohne Maske und bei freiem Eintritt. Das Musikfestival Sound am Markt lockte am Freitagabend hunderte Zuhörer auf den Platz vor dem Gablonzer Haus. Tills Tagtrauma und Monobo Son heizten den Besuchern ordentlich ein. Am Samstag geht es ab 16 Uhr in die zweite Runde.

Bild: Mathias Wild

Auf dem Bürgerplatz konnte das Publikum erstmals wieder fast ohne Einschränkungen feiern. Das fiel einigen noch schwer, obwohl die Musiker alles gaben.
12.09.2021 | Stand: 17:19 Uhr

Plötzlch war wieder (fast) alles anders. Viele Besucher betraten vor allem am Freitag, am ersten Abend des Musikfestivals „Sound am Markt“, verblüfft das Veranstaltungsgelände auf dem Neugablonzer Bürgerplatz: keine Maskenpflicht, keine Abstandspflicht und keine Kontrollen, ob die Zuhörer geimpft, getestet oder genesen sind. Dank einer neuen Verordnung konnten sich die etlichen Hundert Zuhörer nach Angabe ihrer Kontaktdaten unbeschwert ins Musikvergnügen stürzen – zumindest theoretisch.

Denn nach vielen Monaten Lockdown und strenger Corona-Hygienebestimmungen konnten sich viele offenbar noch nicht auf Anhieb einfach auf die neue Freiheit einlassen. Es brauchte etwas Zeit und auch Überredungskunst der Musiker auf der Bühne, die oftmals noch mitgebrachten Masken wieder in den Taschen zu verstauen und sich zum Feiern und Tanzen vor der Bühne zu versammeln. Viele Besucher nutzten erst einmal die Sitzgelegenheiten und das gastronomische Angebot bei „Sound am Markt“, um sich allmählich in den Festivalmodus zu bringen. Dazu passte die Band, die die veranstaltende Kulturabteilung der Stadt zum Auftakt für die zweitägige Veranstaltung verpflichtet hatte, ganz gut: Der Kaufbeurer Singer-Songwriter Till Nißle und seine Formation Tills Tagtrauma setzten nicht gleich auf Party, sondern sorgten für ernste und nachdenkliche Akzente. Zur Musik, die sich irgendwo zwischen Country, Folk, Rock und rauem Liedermacher-Sound bewegt, sang Nißle unverschnörkelt über die Widrigkeiten des Leben und Missstände in unserer Gesellschaft.

Bilderstrecke

Sound am Markt Festival Neugablonz - der Samstag

Monobo Son gegen Corona-Lethargie

Dann stürmten Monobo Son auf die Bühne und taten wirklich alles, um das Publikum endgültig aus der Corona-Lethargie zu holen. Die Gruppe um den La-Brass-Banda-Posaunisten Manuel Winbeck riss nicht nur mit ihrem energiegeladenen und dennoch fast akademisch-edlen Bläser-Sound mit, sondern spielte alle Trümpfe einer leidenschaftlichen Live-Band aus. Winbeck wirbelte wie ein Derwisch über die Bühne, sang seine bayerischen Texte beseelt und schon nach den ersten Stücken mischten sich die Musiker unter das Publikum. Das brauchte noch ein wenig, doch dann hatte sich ein bis zum letzten Ton treu groovender und tanzender Pulk vor der Bühne gebildet. Winbeck und seine Mitstreiter genossen den Auftritt und die neue Freiheit sichtlich. „Ihr seids sauguat!“, rief der Frontmann mehrmals dem Publikum in Neugablonz zu. Zu dessen Liebling wurde aber Wolfgang Schlick. Der Senior der Band griff immer wieder zur Querflöte und bereicherte den Monobo-Son-Sound wie es Ian Anderson von Jethro Tull nicht besser hätte tun können.

Humor und Sonnenschein

Tags darauf bevölkerten dann ab dem frühen Nachmittag auch viele Familien das Festivalgelände, und die Gruppe „Café Unterzucker“ machte dazu abwechslungsreiche Musik mit witzigen Texten. Humorvoll ging es auch beim Auftritt des Trios Dis M aus Oberbayern zu. Die Musiker bewiesen, dass man mit zwei Gitarren und einem Schlagzeug reinrassigen Reggae und pfiffigen Hip Hop machen kann. Die pointierten Mundart-Texte und die witzigen Ansagen der Chiemgauer sorgen zusammen mit dem Sonnenschein für zunehmend Betrieb vor der Bühne. Auf dem gesamten Gelände näherte sich die Besucherzahl dem coronabedingt zugelassenen Maximum von 750.

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Beste Voraussetzungen

Beste Voraussetzungen also für die Hauptgruppe des Abends: Folkshilfe aus Österreich. Das Trio riss das Publikum von Anfang an mit, auch wenn es Kaufbeuren unter lauten Buh-Rufen zunächst in Baden-Württemberg verortet hatte. Doch diesen Fauxpas machten die Vollblut-Musiker mit ihrem rasanten Spiel schnell wieder wett. Vor allem Florian Ritt an der Steirischen Harmonika sorge immer wieder für Verblüffung. Bisweilen im Stil von Hubert von Goisern, aber deutlich in Richtung Hip Hop und Reggae erweitert boten Volkshilfe bodenständige und doch weltoffene Musik und bei den Texten allerlei interessanten Einblicke in den speziellen Sprachkosmos der Alpenrepublik. Insgesamt ein Festivalerlebnis wie man es lange vermisst hatte.