Dorfentwicklung

Platz für Einkauf und Austausch in Eggenthal

In optimaler Lage, so finden die Initiatoren, liegt das Gebäude, in das der Dorfladen einziehen könnte.

In optimaler Lage, so finden die Initiatoren, liegt das Gebäude, in das der Dorfladen einziehen könnte.

Bild: Mathias Wild

In optimaler Lage, so finden die Initiatoren, liegt das Gebäude, in das der Dorfladen einziehen könnte.

Bild: Mathias Wild

In Eggenthal soll ein Dorfladen mit Beteiligung der Bürger entstehen. Warum so ein Geschäft nicht nur der Nahversorgung dient, sondern auch das soziale Miteinander fördert.
15.01.2021 | Stand: 07:00 Uhr

Vor gut einem Jahr hat sich in Eggenthal die Arbeitsgemeinschaft Dorfentwicklung zum ersten Mal getroffen. Das Projekt, das die 14 Mitglieder aktuell wohl am meisten beschäftigt, ist der Dorfladen, der im kommenden Jahr eröffnen soll. Ende des Jahres schließt das kleine Nahversorgungsgeschäft im Ortszentrum, weil sich der Betreiber beruflich umorientieren möchte, wie im vergangenen Juni bekannt wurde. Der neue Dorfladen könnte in die Räume des „Backtraums“ einziehen, die seit einem Jahr leer stehen.

Lokal, regional und bio

Möglichst lokal, beziehungsweise regional sollen die Produkte sein. Vieles sei im Ort vorhanden – etwa Fleisch, Fisch und Honig – und könne auch vor Ort angeboten werden, argumentiert Georg Greisel von der ARGE Dorfentwicklung. Auch Milch, Eier, Quark, Kartoffeln, Obst und Gemüse sollen bevorzugt Bio-Produkte aus der Region sein. Dazu kommen Backwaren, Getränke und Allgäuer Spezialitäten. „Eigeninitiative statt Unterversorgung“ ist nun das Motto, denn die ARGE habe auch bei mehreren Vollsortimentern und Discountern angefragt, ob sie sich eine Filiale in Eggenthal vorstellen könnten. „Manche haben gar nicht reagiert, und wenn, dann mit einer Absage“, berichtet Greisel. Geplant sei, auch günstigere Grundnahrungsmittel im Dorfladen anzubieten. Nur so können die Eggenthaler ihren Bedarf auch wirklich komplett an ihrem Wohnort decken.

Beratung von der "Dorfladen-Koryphäe"

So habe man sich schließlich an die „Dorfladen-Koryphäe“ Wolfgang Gröll gewandt, der die ARGE auch bei der Finanzierung berät. Denn zur Gründung brauche es nicht nur ein Konzept, das von den Bürgern angenommen wird und ihre Bedürfnisse deckt, sondern auch Kapital. Zumindest eine gewisse Anzahl der Eggenthaler müsse zu einer Investition bereit sein, das soll über Anteile geschehen. So könne die Dorfgemeinschaft mehrfach von dem neuen Geschäft profitieren – durch die Möglichkeit, weiterhin im Ort einkaufen zu können, durch Mitbestimmung und eine Gewinnbeteiligung. Zur Finanzierung will die ARGE aber auch in den Fördertopf des Amtes für ländliche Entwicklung (AELF) greifen. Bis zu 45 Prozent der Gesamtinvestition könnten über das Programm zur Entwicklung des ländlichen Raum finanziert werden. Beteiligen sollen sich die Bürger aber vor allem schon im Vorfeld, bei der Planung. „Im Herbst wollten wir das eigentlich persönlich auf Infoabenden vermitteln. Dies mussten wir dann aber coronabedingt absagen“, bedauert Greisel.

Weil derzeit völlig unklar sei, wann solche Veranstaltungen wieder möglich sind, habe sich die Gruppe für eine Internetseite als vorläufige Lösung entschieden. Dort stellen sich die Mitglieder vor und berichten anhand einer Zeitleiste, was sie bisher für ihr Projekt schon in die Wege geleitet haben. Gezeigt wird der Grundriss der Räumlichkeiten, in die der Laden Ende 2021 oder Anfang 2022 einziehen soll. Dabei handelt es sich um den „Backtraum“ an der Keltenstraße. Weil die Betreiber Ines und Arno Ziems ihr Unternehmen neu aufgestellt haben (wir berichteten), und sich nun auf den Onlineshop konzentrieren, benötigen sie das große Lager nicht mehr. Die Gemeinde hat das Gebäude nun für den Dorfladen reserviert.

Ein Baum voller Wünsche

In die Planung sind bereits viele Ideen aus der Eggenthaler Bevölkerung eingearbeitet worden. Sie stammen vom Wunschbaum, den die ARGE Ende vergangenen Jahres im Vorraum der Raiffeisenbank aufgestellt hat. Jeder kann dort Kärtchen mit Vorschlägen aufhängen. Inzwischen sei der Baum voll, sagt Greisel – am Interesse und Ideen der Bürger mangle es also nicht. Groß sei die Nachfrage nach unverpackten Lebensmitteln, „darauf hatten wir auch gehofft“, freut sich Greisel.

Namenssuche mit Wettbewerb

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Beteiligung der Bevölkerung ist auch bei der Namensgebung gefragt. Dazu soll es auf der Website einen Namenswettbewerb geben, bei alle Vorschläge einreichen können. „Ein solcher Laden dient ja nicht nur der Versorgung mit Lebensmitteln“, findet Greisel. Vielmehr erfülle er auch eine soziale Funktion, ein „Lebensmittel-Punkt“ in doppelter Hinsicht. Es könne auch ein Ort des Austausches, für Gespräche während des Einkaufs oder bei einer Tasse Kaffee werden. Dazu soll ein Café integriert und eventuell auch ein Außenbereich mit Terrasse geschaffen werden. Ein Treffpunkt für Alt und Jung. Dem komme auch die Lage entgegen: „Samstags ist der angrenzende Wertstoffhof geöffnet, der Spiel- und der Sportplatz sind in der Nähe.“