Ärger auf der Baustelle

Ohne Schutz mit giftigen Stoffen hantiert: 6000 Euro Strafe

Um Asbest zu entfernen müssen die Beteiligten Arbeiter Schutzkleidung tragen, denn der Stoff ist krebserregend. Da das auf einer Baustelle im Ostallgäu nicht eingehalten wurde, stand ein Unternehmer nun vor Gericht.

Um Asbest zu entfernen müssen die Beteiligten Arbeiter Schutzkleidung tragen, denn der Stoff ist krebserregend. Da das auf einer Baustelle im Ostallgäu nicht eingehalten wurde, stand ein Unternehmer nun vor Gericht.

Bild: Uwe Bolten (Archiv)

Um Asbest zu entfernen müssen die Beteiligten Arbeiter Schutzkleidung tragen, denn der Stoff ist krebserregend. Da das auf einer Baustelle im Ostallgäu nicht eingehalten wurde, stand ein Unternehmer nun vor Gericht.

Bild: Uwe Bolten (Archiv)

Ein Unternehmer aus dem Unterallgäu stand vor dem Amtsgericht Kaufbeuren. Drei Arbeiter waren bei Sanierungsmaßnahmen Asbest ausgesetzt gewesen - ohne Schutz.
23.11.2021 | Stand: 13:00 Uhr

Das Areal eines ehemaligen Gewerbebetriebs im nördlichen Landkreis war viele Jahre lang brachgelegen, weil dem Eigentümer das Geld für eine Sanierung des teilweise durch Eternitplatten asbestbelasteten Grundstücks fehlte. Im vergangenen Jahr wurde die Immobilie schließlich an eine Unterallgäuer GmbH verkauft.

Als dann an einem Herbsttag mit den Arbeiten begonnen wurde, kam es zu Verstößen gegen die Sicherheitsvorschriften. Insbesondere hatten drei Arbeiter keine speziellen Anzüge und Masken zum Schutz vor potenziell krebserregenden Asbestfasern getragen. Der Inhaber des Unternehmens musste sich jetzt wegen Verstößen gegen das Chemiegesetz und vorsätzlichen unerlaubten Umgangs mit Abfällen vor dem Amtsgericht verantworten. Das Urteil lautete auf 120 Tagessätze zu je 50 Euro (insgesamt also auf eine Geldstrafe in Höhe von 6000 Euro) und ist nicht rechtskräftig.

Prozess in Kaufbeuren gegen Unterallgäuer Unternehmer: Ursprünglich waren 8000 Euro Strafe angesetzt

Die Entscheidung fiel für den Angeklagten etwas günstiger aus als der ursprünglich gegen ihn ergangene Strafbefehl, der 160 Tagessätze zu je 50 Euro vorgesehen hatte. Zum Prozessauftakt hatte sich der Unterallgäuer über seinen Anwalt ausführlich zur Sache geäußert und dabei versichert, dass seinerzeit sowohl Spezialbehälter für den Abtransport als auch Schutzkleidung für die Arbeiter vorhanden gewesen seien. Dass die Anzüge und Masken nicht getragen wurden, begründete er damit, dass es am fraglichen Tag in Strömen geregnet hatte. Man sei deshalb davon ausgegangen, dass sich kein Asbeststaub habe bilden können.

Verfahren kam durch anonymen Hinweis zustande - und wäre fast eingestellt worden

In einer vorläufigen Einschätzung der Situation sah der Verteidiger eine allenfalls geringe Schuld seines bis dato völlig unbescholtenen Mandanten und regte eine Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage in Höhe von maximal 10.000 Euro an. Die Richterin wäre dazu zwar bereit gewesen, die Einstellung scheiterte allerdings am Veto der Staatsanwaltschaft, deren Vertreter im Plädoyer ein Strafmaß wie im Strafbefehl für angemessen hielt.

Das Verfahren war damals durch einen anonymen Hinweis ins Rollen gekommen. Wie sich ein Polizeibeamter jetzt als Zeuge vor Gericht erinnerte, sei bei seinem Eintreffen der Abbruch eines Nebengebäudes im Gange gewesen. Auf dem Gelände seien „überall“ Eternitplatten verstreut gewesen, die teilweise bereits in speziellen Behältnissen, sogenannten Big-Packs, verstaut waren.

Arbeiter trugen offenbar keine Schutzkleidung: Baustelle sofort stillgelegt

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Weil die drei vor Ort tätigen Arbeiter keine Schutzkleidung trugen, sei die Baustelle sofort stillgelegt worden. Auf die Frage, wer „der Chef“ sei, habe man den Angeklagten genannt. Der Verteidiger verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass sein Mandant zwar der alleinige Gesellschafter der GmbH ist. Rechtlich gesehen sei aber seine Geschäftsführerin für die Aktivitäten auf dem Grundstück verantwortlich gewesen.

Kontakt mit giftigem Stoffen: Risiko wegen Wetterbedingungen eher gering

Er plädierte deshalb auf einen Freispruch und hielt für den Fall einer Verurteilung maximal 60 Tagessätze für angemessen. Für die Richterin war dann im Urteil entscheidend, dass es der Angeklagte war, der damals „die Strippen gezogen“ habe. Zu seinen Gunsten wertete sie seine Kooperation während des gesamten Verfahrens. Auch sei das Risiko für die Arbeiter „eher gering“ gewesen: Es sei „allgemein bekannt, dass Asbeststaub-Partikel im Regen eine viel geringere Flugweite haben.“

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