Kabarett

Robert Griess zündet im Kaufbeurer Podium ein Knallbonbon

Böse und gleichzeitig vergnüglich ließ es Kabarettist Robert Griess im Kaufbeurer Podium knallen.

Böse und gleichzeitig vergnüglich ließ es Kabarettist Robert Griess im Kaufbeurer Podium knallen.

Bild: Mathias Wild

Böse und gleichzeitig vergnüglich ließ es Kabarettist Robert Griess im Kaufbeurer Podium knallen.

Bild: Mathias Wild

Der Satiriker aus Köln lässt in seinem aktuellen Programm kaum ein Thema aus. Welche Politiker er besonders tief durch den Kakao zieht.
Böse und gleichzeitig vergnüglich ließ es Kabarettist Robert Griess im Kaufbeurer Podium knallen.
Von Elisabeth Klein
29.09.2020 | Stand: 08:19 Uhr

Diese Zeiten verlangen nach Superlativen. Bei Chaos und Krise muss auch „großartig“ (englisch: „great“) gegengesteuert werden. Ohne Knaller ist keine Aufmerksamkeit zu erregen. So lautete die Analyse des Kabarettisten Robert Griess aus Köln bei seinem Auftritt im Kaufbeurer Podium, wo er sein aktuelles Programm „Hauptsache, es knallt!“ präsentierte.

Auftritt mit Trump-Maske und Rammstein-Song

Passenderweise stürmte er mit einer Donald-Trump-Maske und großen Gebärden zum Rammstein-Song „We are living in America“ auf die Bühne. Seit Trump gewählt worden ist, stelle er sich die Frage, wo denn die CIA sei, wenn man sie mal braucht. „Wofür hält man sich denn so einen milliardenschweren Geheimdienst? Und dann schaffen die das nicht mal, dem eine Stadtrundfahrt im offenen Cabriolet durch Dallas zu organisieren?“, ätzte Griess und machte gleich weiter: In einem Land, in dem allein im vergangenen Jahr 50 000 Menschen durch Waffen ums Leben gekommen sind, hätten amerikanische Soldaten in Kriegen doch eine höhere Lebenserwartung als zu Hause in den USA. Doch nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa regiere der Widersinn: Großbritannien will raus aus der EU, Schottland will raus aus Großbritannien, Katalonien aus Spanien, die Flamen aus Belgien. „Da muss man sich doch die Frage stellen: „Sind denn alle durchgeknallt?“

Kabarettisten "nicht für die Realität verantwortlich"

Und wenn sich dann Komiker und Kabarettisten über solchen Widersinn lustig machen, ernteten sie einen Shitstorm wie Lisa Eckhardt oder Dieter Nuhr. „Sie sind nicht für die Realität verantwortlich!“, stellte er klar und ließ es weiter knallen. Von Merkel bis Seehofer, von Scheuer über Dobrindt bis Ramsauer, von Ministern des Saarlandes bis hin zur Bundeswehr. „Die ist doch im Moment nicht mal in der Lage, einen Angriff der Hells Angels auf Memmingen abzuwehren!“

Böse und gleichzeitig vergnüglich

Böse und gleichzeitig vergnüglich rechnete der 54-Jährige mit Deutschlands Parteien ab, empfahl der SPD statt einer Doppelspitze einen Elferrat, wie im Kölner Karneval: „Dann wären alle vertreten.“ Dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner bescheinigte er eine „geistige Schuhgröße von 32, aber dicke Socken tragen“, und nannte ihn einen Porsche-Philosophen. Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck habe es immerhin als einziger Politiker auf die Titelseite der Frauenzeitschrift Brigitte geschafft, bemerkte er mit geradezu satanischem Grinsen.

Auch am Ende knallt es

Mit einem Feuerwerk an Pointen und allen Mitteln der Satire rechnete Griess ab mit einer Welt, in der nicht mehr Solidarität und Mitgefühl als noble Charakter-Eigenschaften gelten, sondern Gier und Egoismus. Dabei nahm er nicht nur die Wirtschaft aufs Korn, sondern stellte mit überragender Komik Verschwörungstheorien bloß und bot mit unterschiedlichen Figuren, wie dem „Assi Stapper“ oder dem „Rocking Mullah“ eine abwechslungsreiche und vergnügliche Show. Schräg und abgefahren, doch mit klarer politischer Haltung ließ Griess kaum kein Thema aus. Egal, ob es nun um Weltpolitik, Wirtschaft, Gesellschaft oder großes Weltendrama ging. Da konnte es auch am Ende nur noch knallen: „Apokalypse now! Vorhang!“