Hilfsorganisation mit Kaufbeurer Wurzeln

Schiffe der Hoffnung: Die Hilfsorganisation Mercy Ships mit Wurzeln in Kaufbeuren feiert 25-Jähriges

Die Hilfsorganisation Mercy Ships, die Wurzeln in Kaufbeuren hat, sorgt dafür, dass notleidende Menschen chirurgische Hilfe bekommen.

Die Hilfsorganisation Mercy Ships, die Wurzeln in Kaufbeuren hat, sorgt dafür, dass notleidende Menschen chirurgische Hilfe bekommen.

Bild: Mercy Ships

Die Hilfsorganisation Mercy Ships, die Wurzeln in Kaufbeuren hat, sorgt dafür, dass notleidende Menschen chirurgische Hilfe bekommen.

Bild: Mercy Ships

Mercy Ships Deutschland bietet chirurgische Behandlungen an und engagiert sich für eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit in Afrika.
21.11.2020 | Stand: 18:00 Uhr

Zwei Kaufbeurer sind maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass die internationale Hilfsorganisation Mercy Ships notleidenden Menschen aus Ländern südlich der Sahara die chirurgische Hilfe bringt, die sie benötigen. Seit der Gründung von Mercy Ships Deutschland haben Menschen aus dem ganzen Land die Hospitalschiffe mit über 25 Millionen Euro unterstützt und über 1000 mal selbst ehrenamtlich mitgearbeitet.

Die heutigen Nachbarn Wolfgang Groß und Udo Kronester aus Neugablonz haben sich in den vergangenen 25 Jahren auf sehr unterschiedliche Weise für das überkonfessionelle Hilfswerk engagiert.

Anfang der 1990er Jahre legte das damalige Hospitalschiff von Mercy Ships, die MS Anastasis, regelmäßig in deutschen Häfen an. Der Amerikaner Don Stephens hatte die Hilfsorganisation 1978 gegründet und suchte auch hierzulande nach Unterstützern.

Gründer von Humedica in Kaufbeuren half Mercy Ships

Wolfgang Groß hatte ungefähr zur selben Zeit seine eigene Hilfsorganisation, Humedica, gegründet. Er hörte von Stephens Projekt und besuchte die Anastasis. Humedica half Mercy Ships in der Folge bei der Versorgung mit medizinischen Hilfsgütern. 1995 wurde Groß dann erster Vorsitzender des neu gegründeten Vereins Mercy Ships Deutschland. In Kaufbeuren, dem Sitz, liefen die logistischen Fäden zusammen.

In Norddeutschland kümmerten sich zwei andere Gründungsmitglieder, die Schiffsmakler Helmut Specht und Peter Zandbergen, um eine Erweiterung der Flotte. 1999 gelang es der internationalen Organisation schließlich, in Dänemark die ehemalige Eisenbahnfähre Dronning Ingrid zu erwerben. Sie wurde zum Hospitalschiff umgebaut und ist bis heute das Flaggschiff der Mercy Ships-Flotte. Jährlich werden dort bis zu 3000 Operationen vorgenommen. 2013 legte Groß sein Amt als Vorstandsvorsitzender nieder und übergab den Vorsitz in die Hände von Martin Dürrstein, den Chef von Dürr Dental SE in Bietigheim.

Wenige Jahre später war Mercy Ships Deutschland so stark gewachsen, dass größere Räumlichkeiten gefunden werden mussten. Wegen der besseren Verkehrsanbindung befindet sich das Büro der Hilfsorganisation seit 2017 in Landsberg.

25-jähriges Bestehen von Mercy Ships Deutschland

Zum 25-jährigen Bestehen in Deutschland begrüßt Mercy Ships eine weitere Verstärkung der Flotte. 2021 wird die Global Mercy die Hilfs- und Fortbildungskapazitäten mehr als verdoppeln. Wenn ab 2022 beide Schiffe im Einsatz sein werden, können jedes Jahr nahezu 3000 ehrenamtliche Fachkräfte aus über 60 Ländern ihr Können und ihre Zeit in den Dienst der Menschen in Afrika stellen.

So wie Udo Kronester. Der gebürtige Franke war ebenfalls Anfang der 1990er Jahre auf der Anastasis zu Besuch. Doch seine Mercy Ships-Geschichte verlief ganz anders als die von Wolfgang Groß. Kronester entschied sich zusammen mit seiner Frau, unmittelbar in den Einsatz vor Ort zu gehen.

1995 gab er seine Anstellung als Projektmanager in einer Videoproduktionsfirma auf und nahm zusammen mit Frau und Tochter an einem fünfmonatigen Einführungsprogramm in Garden Valley, Texas, dem Hauptstandort von Mercy Ships, teil. Zwölf Jahre lang sollte die Familie in der Folge auf See verbringen.

Erster Einsatz für Mercy Ships 1996

1996 begann der erste Einsatz. An Bord der „Caribbean Mercy“ leitete Kronester mit seiner Frau Ines das Schulungsprogramm für die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Er brachte es bis zum Schiffsdirektor. Kronester erinnert sich: „Das Tolle an der Arbeit auf unserem Hospitalschiff ist, dass sich jeder dort mit seinen speziellen Begabungen und Erfahrungen einbringen kann. Das ist ja eine Welt für sich und man benötigt die unterschiedlichsten Mitarbeiter: von der Küchenhilfe bis zur Chefärztin, vom Leichtmatrosen bis zum Elektroingenieur.“

Die Caribbean Mercy wurde 2005 stillgelegt, und die Kronesters wechselten auf die neue Africa Mercy, das damals größte zivile Hospitalschiff der Welt, das Mercy Ships mit deutscher Hilfe erwerben konnte. Im Jahr 2010 verließ die Familie auch die Africa Mercy.

Als Geschäftsführer von Mercy Ships Deutschland arbeitet Kronester in Landsberg nun vor allem daran, dass die Finanzierung der Einsätze gesichert ist und sich genügend Ehrenamtliche finden. „Wenn ich daran denke, wie sich das Leben von Millionen Menschen in den vergangenen 25 Jahren durch den Einsatz von Mercy Ships verändert hat, kann ich nur dankbar dafür sein, dass ich meinen kleinen Teil dazu beigetragen durfte“, sagt er.

Noch viel Arbeit liegt vor Mercy Ships

Gleichzeitig liege noch ein großes Stück Arbeit vor dem Verein. Es werde wahrscheinlich länger als noch einmal 25 Jahre dauern, bis alle Menschen auf der Erde chirurgisch so versorgt werden können, wie sie es verdienen. „Verdienen, weil jeder Mensch wertvoll ist und der Zugang zu chirurgischer Versorgung ein Menschenrecht“, sagt Kronester.

Um noch viele Jahre im Dienste der Menschheit arbeiten zu können, sei für Mercy Ships jede Spende wichtig, so der Geschäftsführer. „Und jeder freiwillige Dienst bringt uns diesem Ziel ein Stück näher.“