Protestbrief an Kultusminister

Schmuckfachschüler in Kaufbeuren-Neugablonz fühlen sich abgehängt

Praktische Fertigkeiten auch in traditionellen Herstellungsverfahren wie dem Perlenwickeln stehen im Unterricht an der Neugablonzer Schmuckfachschule an vorderer Stelle. Unser Foto entstand bei einem Tag der offenen Tür.

Praktische Fertigkeiten auch in traditionellen Herstellungsverfahren wie dem Perlenwickeln stehen im Unterricht an der Neugablonzer Schmuckfachschule an vorderer Stelle. Unser Foto entstand bei einem Tag der offenen Tür.

Bild: Mathias Wild (Archivfoto)

Praktische Fertigkeiten auch in traditionellen Herstellungsverfahren wie dem Perlenwickeln stehen im Unterricht an der Neugablonzer Schmuckfachschule an vorderer Stelle. Unser Foto entstand bei einem Tag der offenen Tür.

Bild: Mathias Wild (Archivfoto)

Der wichtige Praxisunterricht an der bundesweit einzigartigen Schmuckfachschule in Kaufbeuren-Neugablonz leidet unter dem Lockdown. Was die Schülervertretung in einem Brandbrief an Kultusminister Michael Piazolo fordert.
08.01.2021 | Stand: 07:00 Uhr

Der Lockdown stellt Schüler der Staatlichen Berufsfachschule für Glas und Schmuck in Neugablonz vor besondere Schwierigkeiten. Dort leidet der außergewöhnlich hohe Praxisanteil unter dem Distanzunterricht, den es ohne Unterbrechung seit dem 9. Dezember gibt. Eine zwischenzeitliche Ausnahmeregelung für Abschlussklassen, wie in anderen Schulen? Fehlanzeige. In einem Brandbrief an den bayerischen Kultusminister Michael Piazolo hat die Schülermitverwaltung ihrem Unmut darüber Luft gemacht.

Konzertierte Aktion

Es handelt sich um eine konzertierte Aktion der Schülervertretungen von sieben kunsthandwerklichen Berufsfachschulen im Freistaat, darunter die Einrichtung für Holzbildhauer in Oberammergau und die für Musikinstrumentenbau in Mittenwald. Der Protest erhält mit der Verlängerung des Lockdowns vorerst bis Ende Januar neue Bedeutung. Alle Schulen eint dieselben Probleme. „Es geht uns nicht generell um Schulschließungen, sondern um die Befürchtung, als Randgruppe des bayerischen Schulsystems im weiteren Pandemiegeschehen vergessen zu werden“, so die Schülersprecherin der Neugablonzer Schmuckfachschule, Anna Balzer. Denn zu den Besonderheiten an der deutschlandweit einzigartigen Schmuckfachschule zählt unter anderem, dass der Unterricht in kleinen Klassenverbänden überwiegend in den schuleigenen Werkstätten stattfindet und Distanzunterricht daheim daher nur in sehr eingeschränkter Form möglich und auch versicherungstechnisch nicht abgedeckt sei.

Der Gesellenprüfung gleichgestellt

Die Schülervertreter betrachten die hohen Infektionszahlen eigenen Angaben zufolge mit Sorge und akzeptieren Einschränkungen, auch im Unterricht. Allerdings fordern sie eine differenzierte Betrachtungsweise, wie sie auch für andere berufliche Schulen gelten. Denn gewerbliche Berufsfachschulen, deren Besuch die Absolventen zu einem kunsthandwerklichen Beruf führt, werden in Vollzeit nach Abschluss der Pflichtschule besucht. Nach einer dreijährigen rein schulischen Ausbildung wird der einer Gesellenprüfung gleichgestellte Abschluss, Goldschmied oder Holzbildhauer etwa, erlangt. „Diese Ausbildungen beruhen überwiegend auf der Vermittlung von handwerklichen Fertigkeiten in den schuleigenen Werkstätten“, sagt Balzer. Zudem seien viele Schüler aus dem gesamten Bundesgebiet in den näheren Umkreis der Berufsfachschule gezogen, womit ein täglicher Kontakt zur Familie meist ausgeschlossen ist.

Individuelle Regelungen finden

Die Schülervertreter fordern, weitere Schulschließungen differenzierter als bisher anzugehen. So sei es denkbar, die jeweiligen Schulformen „feiner nach Inzidenzen“ zu untergliedern oder Schulen nach Ortsbesichtigung individuell nach der jeweiligen Ansteckungsgefahr einstufen. Allem voran sollten alle Abschlussklassen, unabhängig von Schulform und Bildungsabschluss, eine Chance erhalten, trotz der Pandemie die Abschlussprüfungen bestmöglich vorbereitet antreten zu können.