Stadtgeschichte

So sah das Kaufbeurer Forettle früher aus

So präsentierte sich das Kaubeurer Forettle im Jahr 1846 als Andreas Schropp dieses Aquarell anfertigte. Im Hintergrund ist die Fronveste, das städtische Gefängnis, zu erkennen, davor die Weihergasse, die heutige Johannes-Haag-Straße.

So präsentierte sich das Kaubeurer Forettle im Jahr 1846 als Andreas Schropp dieses Aquarell anfertigte. Im Hintergrund ist die Fronveste, das städtische Gefängnis, zu erkennen, davor die Weihergasse, die heutige Johannes-Haag-Straße.

Bild: Schwangart (Repro)

So präsentierte sich das Kaubeurer Forettle im Jahr 1846 als Andreas Schropp dieses Aquarell anfertigte. Im Hintergrund ist die Fronveste, das städtische Gefängnis, zu erkennen, davor die Weihergasse, die heutige Johannes-Haag-Straße.

Bild: Schwangart (Repro)

Das Kaufbeurer Forettle hat eine wechselvolle Entwicklung hinter sich. Davon zeugt ein Gemälde aus der Bilderchronik von Andreas Schropp, das 1846 entstand.

So präsentierte sich das Kaubeurer Forettle im Jahr 1846 als Andreas Schropp dieses Aquarell anfertigte. Im Hintergrund ist die Fronveste, das städtische Gefängnis, zu erkennen, davor die Weihergasse, die heutige Johannes-Haag-Straße.
Von Helmut Lausser (Heimatverein)
02.09.2020 | Stand: 06:30 Uhr

Kaufbeuren liegt seit dem Ende der Eiszeit im Kerbsohlental der Wertach, das sich von der Buchleuthe im Westen bis zur Mauerstettener Steige im Osten erstreckt. Die Eintiefung der Wertach mit ihren beweglichen Flussschleifen hinterließ im Stadtbereich mehrere Terrassen mit unterschiedlichen Höhenlagen.

Während sich die Urzelle Kaufbeurens an die Windschattenseite des Buchleutehhangs anlehnte und die Anlage der Kaiser-Max-Straße und der Ludwigstraße die vorgelagerte Schotterebene nutzte, liegen die weiter östlich anschließenden Teile der Stadt auf den deutlich niedrigeren Gleitflächen nacheiszeitlicher Wertachschleifen. Münzhalde, Schlosserhalde, Rosental, Graben Nord und Süd, heute Josef-Landes-Straße, und Johannes-Haag-Straße führen abwärts in die tiefer gelegenen und deutlich feuchteren Bereiche des Baumgartens, des Forettles und der Jordananlagen.

300 Zeichnungen und Aquarelle

Wohl eher unbeabsichtigt dokumentiert auch eine der über 300 Zeichnungen und Aquarelle des Kaufbeurer Konditormeisters und Chronisten Andeas Schropp diese Lagebeziehungen. Seine 1846 angefertigte Darstellung der damaligen Weihergasse, die 1912 in Johannes-Haag-Straße umbenannt wurde, zeigt deren Anstieg zur heutigen Ganghofer-Straße mit dem Vorgängerbau des nachmaligen Hotel Hasen und darüber dem 1836 errichteten Rosenbräukeller auf der Buchleuthe. Der Name Weihergasse geht auf den hier schon im 14. Jahrhundert zum Antrieb einer Mühle angestauten Jordanbach zurück.

Der Weiher diente gleichzeitig auch der Fischzucht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Feuchtgebiet unterhalb der Straße zum Bahnhof zur Parkanlage umgestaltet. Der Jordanbach selbst fließt heute verrohrt unter dem Mühlbach hindurch, findet aber jenseits der Straße wieder zu diesem zurück.

Das Areal des früheren Mühlenweihers wich Anfang der 60er-Jahre dem Bau des alten Eisstadions. Die Weihermühle und der zugehörige Fischteich waren ursprünglich Teil des Pfarrlehens von St. Martin und dienten der Versorgung des jeweiligen Pfarrherren.

Stadtpfarrei: Von Kaiser Karl V. verkauft

Sie verloren diese Aufgabe aber, nachdem Kaiser Karl IV. die Stadtpfarrei im April 1350 zum Ausgleich für seine Schulden dem Augsburger Bischof Marquard von Randegg überlassen hatte. Schließlich veräußerte das Augsburger Domkapitel auf Wunsch des Domvikars und Kaufbeurer Pfarrers Nikolaus Nagengast Mühle und Weiher vor dem Rennweger Tor im April 1428 gegen eine jährliche Pacht von fünf Gulden an die Stadt.

Diese scheint die Weihermühle noch einige Zeit weiter betrieben zu haben. Spätestens am Ende des 16. Jahrhunderts wurde aber wegen der mineralhaltigen Quellen am Ort deren Umwandlung in ein öffentliches Bad.

Erste Spedition in Kaufbeuren

Schropps Darstellung zeigt auf der linken Seite das über dem Mühlbach gelegene Scheidlinger Bad. Das um 1760/70 neu errichtete Gebäude dürfte wegen seines auffallend weit vorgezogenen Vordachs ursprünglich als Färberei genutzt worden sein. 1830 eröffnete Ulrich Wagenseil in ihm das Gasthaus zum Bad, welches 1848 von Johannes Spielberger übernommen wurde.

Dessen Sohn Moritz verkaufte das Gasthaus 1875 und errichtete mit dem Erlös im noch heute nach ihm benannten Spielbergerhof an der Ludwigstraße die erste Spedition Kaufbeurens. Das mit den Jahren etwas heruntergekommene Gasthaus zum Bad wurde inzwischen abgebrochen.

Auf der rechten Seite der Abbildung werden vor einem Sägewerk Baumstämme abgeladen. Bei dieser handelt es sich um die Sägemühle des Zimmermeisters Andreas Haag. Dieser hatte die dieser Stelle bestehende Kattunfabrik des Johann Georg Wagenseil erkauft, nachdem dessen Sohn und Erbe bei einem Betriebsunfall ums Leben gekommen war.

Für das Sägewerk konnte die schon im 17. Jahrhunderts belegte Abzweigung des Mühlbachkanals verwendet werden, in den damals auch der Jordanbach sein Wasser ergoss. Der Mühlbachkanal wurde wenig später auch zur ersten Energiequelle der Kunstanstalt und endet in der Wertach. An der Westseite des Haag’schen Hauses ist noch heute die etwas verwaschene Steintafel mit dem Baujahr und der Wasserablassmenge der Schleuse zu sehen.

Gedenktafel erinnert an Johannes Haag

Anderseits erinnert auf der Südseite des inzwischen leerstehenden und etwas vernachlässigten Gebäudes eine weitere steinerne Gedenktafel an einen der bedeutendsten Söhne der Stadt. Denn darin gründete Johannes Haag, der Sohn des genannten Zimmermeisters Andreas Haag, 1843 seine Werkstätte für Maschinenbau. Im heutigen Anwesen Johannes-Haag-Straße 9 entwickelte der 1819 in der Ludwigstraße geborene, studierte Maschinenbautechniker seine Idee der Zentralheizung mit wassergefüllten Rohren zur Produktionsreife.

Unternehmen zieht nach Augsburg um

Der Erfolg seines Unternehmens veranlasste Haag 1852 zur Verlegung seiner Maschinen- und Röhrenfabrik nach Augsburg, wo sein Betrieb zuletzt auf mehr als 500 Mitarbeiter anwuchs. Johannes Haag verstarb 1887.

Das von Andreas Schropp noch als Sägerei dargestellte Haag’sche Anwesen wechselte in der Folgezeit mehrfach seine Eigentümer und Funktionen und steht heute leer. Aus der Wiese vor dem Mühlbach wurde der inzwischen mit zahlreichen Bäumen bewachsene Parkplatz beim Eisstadion.