300 Menschen bei Demo

Drag-Queens und Regenbogen-Fahnen: So bunt war der Abschluss der "Pride Week" in Kaufbeuren

Etwa 300 Teilnehmende fordern mehr Toleranz gegenüber allen Menschen – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität.

Etwa 300 Teilnehmende fordern mehr Toleranz gegenüber allen Menschen – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität.

Bild: Harald Langer

Etwa 300 Teilnehmende fordern mehr Toleranz gegenüber allen Menschen – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität.

Bild: Harald Langer

Begleitet von Musik und Regenbogenfahnen treffen sich in Kaufbeuren rund 300 Menschen, um für mehr Toreanz gegenüber der LGBTQIA-Community zu demonstrieren.
19.09.2021 | Stand: 16:49 Uhr

Zum Abschluss der „Pride Week“ hatte der Verein „Allgäu Pride“ zu einer Demo in die Kaufbeurer Kaiser-Max-Straße eingeladen. Laut Polizei und Veranstalter versammelten sich dort am Samstagnachmittag rund 300 Menschen – viele von ihnen in Regenbogenfahnen gehüllt, bunt kostümiert, einzelne sogar in komplettem Drag-Queen-Outfit. Ziel der Demonstration war es, mehr Toleranz gegenüber allen Menschen zu fordern – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität.

Zuvor hatte der Verein eine ganze Aktionswoche in Kaufbeuren organisiert, um die Akzeptanz für queeres Leben in Kaufbeuren und im gesamten Allgäu zu erhöhen. Das englische Wort „queer“ gilt als Sammelbegriff für Schwule, Lesben, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen. Mit den Aktionen wollte „Allgäu Pride“ auch Menschen erreichen, die im persönlichen Umfeld kaum oder gar keine Berührungspunkte zur LGBTQIA-Community haben.

Diskriminierung und sogar Morddrohungen

Zumindest bei der Demo ist dies gelungen: Auf die Frage Jona Gold alias Jonathan Oremek, ob auch „Heteros“ unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern seien, meldeten sich eine ganze Menge. Oremek trat als Drag-Queen Jona Gold auf, um auf der Bühne von Diskriminierung und Anfeindungen zu berichten, die Lesben, Schwule, Transsexuelle und Transgender-Personen jeden Tag erleben. Von den Hasskommentaren, die er in den sozialen Medien erhält – bis hin zu Morddrohungen. „Hast du schon mal eine Gaskammer von innen gesehen?“, lautete eine solche Nachricht. Als Oremek dies bei der Polizei anzeigte, habe ihm ein Beamter zu verstehen gegeben, dass er gewissermaßen mit derartigen Anfeindungen rechnen müsse, wenn er seinen Instagram-Account „Obertunte“ nenne.

Bilderstrecke

Bilder vom Abschluss der "Pride Week" in Kaufbeuren

Die Schule ist kein sicherer Ort

Der erst 17-jährige Aktivist berichtete auch von Vorurteilen und Beleidigungen, denen er an seiner Schule ausgesetzt sei. Dabei solle doch gerade die Schule ein „safe space“, also ein sicherer Ort sein, und zwar für alle Menschen. Stattdessen sei es für ihn alltäglich, als „Schwuchtel“ beschimpft zu werden. „Menschen wie ich müssen jeden Tag Diskriminierung über sich ergehen lassen. An den Schulen wird aber nichts getan, um über queere Menschen aufzuklären“, kritisierte Oremek. Wie absurd es ist, Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu verurteilen, machte er deutlich, indem er den Spieß in seinem Redebeitrag einfach umdrehte: „Ich habe ja nichts gegen Heterosexuelle, aber müssen sie unbedingt am helllichten Tag, mitten in Kaufbeuren Händchen halten?“, fragte er provokant.

LGBTQIA-Organisationen fordern Gesetzesänderung

Dass die Union derzeit eine Gesetzesänderung blockiert, mit der der Diskriminierungsschutz für queere Menschen ins Grundgesetz aufgenommen werden soll, kritisierte Henryk Hoefener vom Verein CSD Deutschland, der sich für die Rechte Schwulen, Lesben und Transpersonen einsetzt. „Am morgigen Sonntag findet ein bundesweiter Aktionstag statt“, sagte Hoefener. LGBTQIA-Organisationen fordern mit Veranstaltungen in verschiedenen Städten, dass im nächsten Koalitionsvertrag der Schutz der sexuellen und geschlechtlichen Identität im Grundgesetz verankert werden müsse. Zudem fordert CSD Deutschland konkrete Maßnahmen zur Beseitigung gesetzlicher Diskriminierung von queeren Menschen. „Die Diskussion um die Beleuchtung der Münchner Allianz-Arena in Regenbogenfarben während der Fußball-EM hat zumindest die Diskussion befeuert und Aufmerksamkeit für unsere Anliegen erzeugt“, so Hoefener. Er hoffe, dass nun auch gehandelt wird.

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Dafür sprachen sich auch die Kaufbeurer Grünen-Stadträtin Ulrike Seifert und die Allgäuer Bundestagsabgeordnete der Partei „Die Linke“, Susanne Ferschl auf der Bühne aus. Gleiches Recht für alle müsse auf nationaler Ebene umgesetzt werden, so Seifert, aber gerade außerhalb Deutschlands gebe es noch viel zu tun: „Einigen Landern in Osteuropa müsste man die Daumenschrauben anziehen.“

Am Abend wurde gefeiert

Die Demo verlief laut Polizei ohne Zwischenfälle. Maskenpflicht herrschte nicht, Mindestabstände seien weitgehend eingehalten worden. Über 300 Gäste feierten anschließend im Spitalhof bei einem Festival – mit 3-G-Regelung – den Abschluss der „Pride Week“. Bis zum Ende um 23.30 Uhr wurde dort zur Musik verschiedener Künstler getanzt. „Wir sind restlos begeistert, wie gut die Woche gelaufen ist. Auch, dass bis zum Schluss alles ruhig geblieben ist“, sagte Florian Bodendörfer vom Verein „Allgäu Pride“, der allein in dieser Woche zehn neue Mitglieder habe gewinnen können. „Unser Ziel, sichtbarer zu werden, haben wir definitiv erreicht. Ob sich daraus auch mehr Offenheit ergibt, wird sich zeigen“, sagte Bodendörfer. Er sei zuversichtlich. „Der Erfolg wird es uns leichter machen, die nächste Veranstaltung zu organisieren und möglicherweise auch weitere Sponsoren zu finden“, hofft Bodendörfer. Auf jeden Fall solle es im kommenden Jahr wieder eine „Pride Week“ geben. Ob in Kaufbeuren oder in einer anderen Stadt, stehe noch nicht fest.

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