Social Media-Kampagne

So will die "Generation KF" in sozialen Medien über die Corona-Impfung aufklären

Viele Menschen fragen sich, wie unbedenklich die Corona-Schutzimpfung ist. Um das Vakzin kursieren Ängste, etwa dass es das Erbgut verändern könnte.

Viele Menschen fragen sich, wie unbedenklich die Corona-Schutzimpfung ist. Um das Vakzin kursieren Ängste, etwa dass es das Erbgut verändern könnte.

Bild: Ginnette Riquelme, dpa (Symbolbild)

Viele Menschen fragen sich, wie unbedenklich die Corona-Schutzimpfung ist. Um das Vakzin kursieren Ängste, etwa dass es das Erbgut verändern könnte.

Bild: Ginnette Riquelme, dpa (Symbolbild)

Um die neue Corona-Impfung kursieren viele Fragen und Unsicherheiten. Der Kaufbeurer Stadtrat und Medizinstudent Tobias Würfel will Antworten geben.
28.12.2020 | Stand: 08:52 Uhr

Seit Sonntag wird gegen Covid-19 geimpft – ein erster Schritt, um den Weg aus der Pandemie zu ebnen. Viele fragen sich jetzt, wie unbedenklich die Corona-Schutzimpfung ist. Um das Vakzin kursieren Ängste, etwa dass es das Erbgut verändern könnte. Antworten auf Fragen und Unsicherheiten möchte die Kaufbeurer "Generation KF" mit einer Social-Media-Aufklärungskampagne geben. Federführend bei der Aktion ist der Kaufbeurer Stadtrat Tobias Würfel. Er studiert Medizin an der LMU München und ist Mitarbeiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin der LMU bei der Münchener Covid-Antikörper-Studie.

Warum startet die Generation KF diese Kampagne?

Tobias Würfel: Dass es viele Ängste um den Impfstoff gibt, habe ich zum Beispiel in Gesprächen mit meiner Mutter gemerkt. Meiner Meinung nach liegt das vor allem an mangelndem Wissen. Mit Grafiken, die wir auf unserer Instagram-Seite und auf Facebook posten, wollen wir erläutern, wie ein Messenger-RNA-Impfstoff (mRNA-Impfstoff) funktioniert. Wir möchten erklären, was bei der Impfung biochemisch und molekularbiologisch passiert. In den sozialen Netzwerken haben wir eine gute Reichweite. Natürlich wissen wir, dass echte Verschwörungstheoretiker sowieso nicht zugänglich für Aufklärung sind. Aber die, die mit gesundem Menschenverstand skeptisch sind, hoffen wir zu erreichen. Wissen hilft am besten gegen Angst.

Warum sollte ich mich überhaupt impfen lassen, wenn ich nicht zur Risikogruppe gehöre?

Würfel: Selbst mit einem leichten Verlauf hat man häufig auch die Symptome einer schweren Grippe und Folgen, die von Ausdauerproblemen über wenige Wochen bis zu chronischer Erschöpfung reichen. Der Verlauf und die Langzeitfolgen sind immer noch unvorhersehbar. Außerdem ist eine breite Impfrate der Bevölkerung notwendig, damit Herdenimmunität eintreten kann und Personen, bei denen die Impfung nicht wirkt, geschützt werden. So wird eine Überlastung des Gesundheitssystems zukünftig verhindert.

Der Impfstoff mit der neuen Technologie ist innerhalb von weniger als einem Jahr gefunden wurden. Bestehen da keine unbekannten Risiken?

Würfel: Die Technologie ist gar nicht so neu, es gab schon viele klinische Studien mit Medikamenten, die auf dem Prinzip der mRNA (Boten-Genmaterial) beruhten. In diesen Studien waren die Mittel recht gut verträglich und blieben ohne relevante Langzeitfolgen. Normalerweise dauert die Erforschung eines Impfstoffes bis zu zehn Jahre – viel Zeit geht aber mit Planung und Warten auf Forschungsgenehmigungen verloren.

Weil diese Pandemie weltweit das Leben einschränkt, setzen Forschung und Behörden maximale Priorität auf die Impfstoffsuche. Das bedeutet, es gibt größere Ressourcen und kürzere Fristen, die zu einer schnelleren Zulassung führen. Die Studien an sich unterschieden sich nicht gravierend von normalen Impf-Studien mit mehreren zehntausend Probanden. Die in den Studien aufgetretenen Nebenwirkungen sind allesamt leicht und vergleichbar mit den Nebenwirkungen anderer Impfungen, etwa leichtes Fieber, Abgeschlagenheit oder Kopfschmerzen für wenige Tage.

Nichtsdestotrotz besteht ein geringes Restrisiko, dass unvorhergesehene Langzeitfolgen entstehen könnten. Die Angst vieler Menschen, dass durch die Impfung eine Tumorerkrankung entstehen könnte, ist aus molekularbiologischer Sicht unbegründet, denn dafür müsste die mRNA in die DNA integriert werden – was kaum möglich ist. Schäden für die Fruchtbarkeit oder das Erbgut der Nachkommen sind extrem unwahrscheinlich, da die notwendigen Zellen vom Blutkreislauf geschützt sind und eine Interaktion mit der dortigen DNA nicht erfolgt.

Trotz dieser Argumente setze ich mich mit der Impfung einem gewissen Risiko aus.

Würfel: Das ist richtig. Die Wahrscheinlichkeit allerdings, durch eine Infektion mit Covid-19 Langzeitschäden unabhängig vom Lebensalter zu entwickeln, ist nach bisherigem Kenntnisstand aber deutlich größer, als durch die Impfung langfristige Nebenwirkungen zu erleiden. Diese Abwägung spricht aus meiner Sicht deutlich für die Impfung.

Wenn ich geimpft wurde, bin ich dann ganz sicher vor Covid-19 geschützt?

Würfel: In der Biontech-Zulassungsstudie wurden 43 000 Probanden eingeschlossen, von denen die eine Hälfte den Impfstoff verabreicht bekam, die andere ein Placebo ohne Wirkung. In der Gruppe der Geimpften gab es acht Covid-Fälle, in der Gruppe der ungeimpften 162. Daraus schließt man dann auf eine Verhinderung von 95 Prozent der Infektionen – kein einhundertprozentiger, aber ein sehr umfassender Schutz. Das ist auch der Grund, warum eine Herdenimmunität erstrebenswert ist – um diese wenigen Personen, bei denen der Impfstoff nicht wirkt, zu schützen. Zum Vergleich: der Grippe-Impfstoff (Influenza) hat oftmals nur eine Wirksamkeit von 60 bis 70 Prozent.

Kann ich das Virus noch verbreiten, wenn ich geimpft wurde?

Würfel: Ob durch die Impfung verhindert wird, dass man das Virus trotzdem in sich trägt und andere Personen infizieren kann, ist bisher nicht geklärt und es gibt keine ausreichenden wissenschaftlichen Daten. Daher ist es wichtig, dass sich so viele Menschen wie möglich impfen lassen und man sich immer noch vorsichtig verhält.

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