Corona-Krise

Mit diesen Ideen wollen Ostallgäuer Hoteliers die Corona-Krise überstehen

Die Gaststube ist leer, das Essen kommt zum Gast nach Hause: Julia Petrich vom Hubertus in Apfeltrang lädt die Speisen und Getränke ins Auto und liefert sie aus.

Die Gaststube ist leer, das Essen kommt zum Gast nach Hause: Julia Petrich vom Hubertus in Apfeltrang lädt die Speisen und Getränke ins Auto und liefert sie aus.

Bild: Mathias Wild

Die Gaststube ist leer, das Essen kommt zum Gast nach Hause: Julia Petrich vom Hubertus in Apfeltrang lädt die Speisen und Getränke ins Auto und liefert sie aus.

Bild: Mathias Wild

Welche Ideen zwei Unternehmen in Apfeltrang und Westendorf (Ostallgäu) entwickeln, um die Umsatzeinbußen durch die Corona-Pandemie ein wenig zu kompensieren.
Die Gaststube ist leer, das Essen kommt zum Gast nach Hause: Julia Petrich vom Hubertus in Apfeltrang lädt die Speisen und Getränke ins Auto und liefert sie aus.
Von Manuel Weis
03.02.2021 | Stand: 06:05 Uhr

Nicht nur jammern, sondern auch anpacken – so könnte man die Haltung von Thomas Petrich dieser Tage verstehen. Der Chef des Landgasthofs Hubertus in Apfeltrang bewirtet coronabedingt schon seit Oktober keine Restaurantbesucher mehr in seinen Räumlichkeiten. Nur mit der ständig gestellten Frage, wie viele Betriebe aus der Branche diesen Lockdown vermutlich nicht überleben werden, wollte er sich nicht abfinden – und wurde kreativ. Seit einigen Wochen liefert er wie andere Gastronomen Speisen auch aus, allerdings mithilfe einer App.

Für die technische Umsetzung des Bestellservices holte sich der Gastronom die Unterstützung der Experten von Papillo. Das ebenfalls in Apfeltrang ansässige Unternehmen hatte eine App für genau diesen Zweck entwickelt und bietet diese ein Jahr lang kostenlos für alle Gastronomen an.

„Unser Geschäft ist von der Krise nicht so sehr betroffen. Mit diesem Angebot wollen wir etwas Gutes tun“, sagt Manuel Haubner, Web-Entwickler bei dem Unternehmen. Über die Homepage hilf-deinem-wirt.de kann sich jedes Restaurant für den Service anmelden und das Bestellen über die jeweils eigene Homepage anbieten.

Lieferdienst ist ein Tropfen auf den heißen Stein

„Das Feedback ist wirklich gut“, berichtet Petrich. Denn anders als noch im ersten Lockdown, war das Geschäft mit Selbstabholern im Herbst und Winter rückläufig. „Der Lieferdienst war die erste Idee, die uns wirklich weiterbrachte“, sagt Petrich. Am ersten Wochenende sei das Hubertus-Team mit fünf Autos unterwegs gewesen, sogar der Chef selbst lieferte aus.

Dennoch: Die Einnahmen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Wir liegen bei maximal 20 Prozent des üblichen Umsatzes“, betont Petrich, von einem betriebswirtschaftlich positiven Ergebnis sei man weit entfernt. Immerhin – ein paar Gäste hat er noch. Im angeschlossenen Hotel logieren regelmäßig eine Handvoll Gäste, berufliche Übernachtungen sind schließlich weiter erlaubt.

Betten-Auslastung bei 50 Prozent

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Ähnlich beschreibt Christoph Kugler, Chef des Gasthauses Grüner Baum in Westendorf die Lage. „Außergewöhnliche Ideen oder direkter Kontakt, den es zu pflegen gilt, sind gefragt“, berichtet der Gastronom. Viele seiner Gäste würden bei ihm bestellen, ihn damit unterstützen, obwohl sie auch selbst kochen könnten. „Die Menschen wollen unterstützen und helfen.“

Ein Erfolg sei eine kürzlich angebotene „Kränzle-Paket“-Aktion gewesen. Eigentlich bieten seine Räumlichkeiten ab November immer Platz für „Weiberkränzle“, also ein gemütliches Zusammensein in der Faschingszeit.

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Bepackt war nun das „Kränzle-Paket“ mit Kuchen, Partyutensilien, Sekt und anderem. Über 150 Stück seien davon über den Tresen gegangen, ein virtuelles Treffen zum gemeinsamen Verzehr auf der Internetplattform Zoom hätte viel Spaß gemacht. Der Hotelbetrieb laufe ohne größere Probleme. Die Gäste hätten keine Angst vor Infektionen, anstelle eines Büffets wird zum Beispiel das Frühstück ausgegeben. „Dieser Tage liegt die Bettenauslastung erstmals seit dem Lockdown-Start bei über 50 Prozent“, berichtet Kugler.

Auf Facebook auf Reichweite aus

Menschliches wird also großgeschrieben, in Westendorf wie auch in Apfeltrang. Abseits der Bewirtung der Gäste, egal ob im Haus oder daheim, bemühe sich das Hubertus-Team dieser Wochen, nicht ganz von der Bildfläche zu verschwinden, sagt Unternehmer Petrich. Soziale Netzwerke spielten dabei eine wichtige Rolle – immer wieder setzt Tochter Julia Petrich Posts ab.

Im November etwa überzeugte ein Video, in dem die Hubertus-Crew gemeinsam an der „Jerusalema-Dance-Challenge“ teilnahm. „Uns folgen auf Facebook um die 4000 Leute, damit haben wir eine gute Reichweite“, sagt Thomas Petrich. Lieber wäre ihm freilich, die 4000 Menschen nach und nach wieder persönlich zu empfangen.